Die Tangospielerin von Carolina de Robertis

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2015unter dem Titel „The Gods of Tango“,deutsche Ausgabe erstmals 2016, 464 Seiten.ISBN 3810524131.Übersetzung ins Deutsche von Adelheid Zöfel.

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Kurzgefasst:

Buenos Aires, 1913. Als die siebzehnjährige Leda in Argentinien ankommt, sucht sie vergebens nach ihrem Ehemann Dante. Sie muss erfahren, dass er tot ist. Alles, was ihr von ihm bleibt, ist die Truhe mit seinen Kleidern. Völlig auf sich gestellt, entdeckt sie eine wunderbare, tieftraurige Musik, die sie noch nie zuvor gehört hat. Es ist eine Musik, die ausschließlich Männern vorbehalten ist. Mit der Geige ihres Vaters, kurzen Haaren und im Anzug ihres Mannes schließt sie sich einer Tangogruppe an. Je berühmter die Musiker werden, desto schwieriger ist es für Leda, ihr Geheimnis zu bewahren. Da begegnet sie ihrer großen Liebe …Darf sie ihre wahre Identität enthüllen? Auch wenn sie riskiert, alles zu verlieren?

Das meint Histo-Couch.de: „Eintauchen in die Welt des argentinischen Tanzes“91Treffer

Rezension von Rita Dell'Agnese

Mit gemischten Gefühlen macht sich im Jahr 1913 die blutjunge Italienerin Leda auf den Weg nach Argentinien, wo ihr eben per Ferntrauung frisch gebackener Ehemann Dante auf sie wartet. Sie freut sich darauf, ihren Cousin und nun Ehemann wiederzusehen, fürchtet sich aber vor dem Unbekannten. In Argentinien angekommen, erfährt Leda, dass Dante nicht mehr lebt und sie bereits Witwe ist. Zunächst versucht sich Leda mit Näharbeiten über Wasser zu halten, muss aber schnell feststellen, dass sie damit nicht überleben kann. Ihr droht ein Schicksal als Dirne, sollte sie sich nicht schnell zu einer neuen Ehe entschließen. Aber Leda will etwas ganz anderes: Seit sie zum ersten Mal diese spezielle Tango-Musik gehört hat, will sie nichts anders als Musik machen. Immerhin hat sie im Gepäck die Geige ihres Vaters mitgebracht. Doch der Tango ist eine reine Männer-Sache. Kurz entschlossen steigt Leda in Männerkleidung und gibt sich als Dante aus. Sie findet ein Engagement, das sie über Wasser hält. Und je länger sie sich dem Tango widmet, desto stärker ist die Verbundenheit. Allerdings weiß Leda, dass sie mit dem Feuer spielt. Sollte ihre Identität bekannt werden, würde sie alles verlieren. Je länger sie sich aber als Dante bewegt, desto sicherer fühlt sie sich mit dieser Identität. Doch dann begegnet sie ihrer großen Liebe.

Ein etwas anderer Hosenrollen-Roman

Carolina De Robertis legt hier das vor, was viele etwas abschätzig als „Hosenrollen-Roman“ bezeichnen: Eine Frau verkleidet sich als Mann und umgeht damit die Einschränkungen, die die Gesellschaft den Frauen ihrer Zeit auferlegt. Doch wer sich auf diesen Roman einlässt, wird bald erkennen, dass sie sich hier dennoch nicht im Muster des Mainstreams bewegt. Leda-Dante hat zunächst Schwierigkeiten, sich in der ungewohnten Männerrolle richtig zu bewegen. Ihre Jugendlichkeit kommt ihr hier zu Hilfe und so wird es langsam für die junge Frau in einem Masse Gewohnheit, die für sie die Grenzen zwischen Männlichkeit und Weiblichkeit verschwimmen lassen. Mit ihrer subtilen Schreibweise lässt Carolina De Robertis diesen Prozess sehr glaubwürdig erscheinen.

Auch zeigt sie, dass Leda durchaus ihre Probleme damit hat, sich der für sie völlig neuartigen Welt anzupassen. Denn nicht nur die Umkehr der Geschlechter-Rolle ist für Leda-Dante neu, auch Buones Aires und der Tango sind unbekannte Terrains. Die Autorin verzichtet darauf, Leda zu einer strahlenden Heldin hoch zu stilisieren, sie lässt sie eine junge Frau sein, die erst mal auf sich selber gestellt – nach ihrer eigenen Identität suchen muss. Dass die Autorin ihr eigenes Lebensmuster mit demjenigen ihrer Romanheldin verwebt, macht Leda-Dante für die Leser lebendiger und fassbarer.

Kraftvolle Sprache

Schon in den Vorgänger-Romanen ist Carolina De Robertis mit einer eigenen, äußerst kraftvollen Sprache und Schreibweise aufgefallen. Diese hat sie nun weiter entwickelt und präsentiert einen Roman, der voller Gefühl steckt und aus dem der Tango in all seinen Facetten herausklingt. Mit einer feinfühligen Betrachtung und einer wunderbar eingesetzten Sprache hält Carolina De Robertis gefangen und vermittelt das Gefühl, mitten im Geschehen zu sein. Dass sie dabei die Klassen-Unruhen in Argentinien und die daraus resultierende politische Szene von verschiedenen Seiten beleuchtet, gibt dem Roman zusätzliche Tiefe.

Das Zusammenspiel von menschlichem Schicksal, der Entwicklung des Tangos und die politische Entwicklung Argentiniens gelingt so wunderbar, dass der Leser sich kaum aus dieser Welt lösen kann, um in die Gegenwart zurück zu kehren. Die Charaktere sind gut gewählt, die Entwicklung ist im passenden Tempo skizziert und der Plot ist bis auf wenige Passagen, in denen er sich etwas zieht, überraschend, kurzweilig und überzeugend aufgebaut. So ist Die Tangospielerin ein mitreißendes Stück Geschichte, das viel mehr erzählt, als es ein ganzes Geschichtsbuch könnte.

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