Der Sturz des Doppeladlers von Birgit Mosser

Buchvorstellungund Rezension

Der Sturz des Doppeladlers von Birgit Mosser

Originalausgabe erschienen 2016unter dem Titel „Der Sturz des Doppeladlers“,, 320 Seiten.ISBN 399050052X.

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Kurzgefasst:

Österreich-Ungarn, 1916. Die Donaumonarchie befindet sich im dritten Jahr eines Krieges, der ohne Erbarmen geführt wird. Seine Auswirkungen treffen Menschen aller sozialen Schichten: Das junge Kindermädchen Berta kämpft um das Überleben ihres ledigen Kindes. Kaiserjäger Julius Holzer erlebt an der Dolomitenfront die Sprengung des Col di Lana. Architekt August Belohlavek gerät in russische Kriegsgefangenschaft. Sektionschef Ferdinand von Webern muss die Demütigung von St. Germain ertragen. In den letzten Jahren des Habsburgerreiches meistern vier Familien ihr Schicksal und eine große Liebe gibt Hoffnung für künftige Generationen. Ob in Wien, Prag oder Südtirol, in Kärnten oder dem heutigen Burgenland am Ende eines furchtbaren Krieges ist nichts mehr, wie es einmal war. 

Das meint Histo-Couch.de: „Geschichte ist ein Mosaik aus Geschichten“89Treffer

Rezension von yvs

Am 30. November 1916 wird in Wien Kaiser Franz Joseph I. mit allem Pomp und Brimborium zu Grabe getragen und mit ihm geht auch eine Ära zu Ende, denn in zwei Jahren wird nicht nur die Habsburger-Monarchie Geschichte sein, sondern auch das Österreichische Kaiserreich.  Der Vielvölkerstaat wird in eigenständige Staaten aufgeteilt werden und nur ein Bruchteil des einstmals riesigen Reiches wird als Republik Österreich bestehen bleiben. Doch noch ist es nicht so weit. Im November 1916 befindet sich Österreich im zweiten Jahr des Ersten Weltkrieges. Vorbei ist die Euphorie, mit der im August 1914 die Soldaten in den Krieg zogen. Die Bevölkerung leidet bittere Not, die Rationierungen reichen kaum zum Leben und in vielen Familien werden Gefallene betrauert. Jede Gesellschaftsschicht hat mit den Auswirkungen des Krieges zu kämpfen. Birgit Mosser erzählt den Untergang der österreichisch-ungarischen Doppelmonarchie, das Auseinanderbrechen des Vielvölkerstaates und die Zeit der Ersten Republik aus der Perspektive von vier Familien, die unterschiedlichen Bevölkerungsschichten angehören. Jede ist auf ihre Weise vom Krieg und den politischen Veränderungen betroffen. Es gibt keine strahlenden Helden und keine makellosen Heldinnen, die Hauptpersonen sind ganz normale Menschen mit Hoffnungen, Ängsten und Zweifeln, die sich mit den gravierenden Veränderungen arrangieren müssen.

Da ist zum einen Berta, die aus einfachsten Verhältnissen stammt und den Großteil ihres Lohnes als Kindermädchen einer Wiener Familie an ihre auf dem Land lebenden verarmten Angehörigen schickt. Berta ist schwanger, als ihr Verlobter im Krieg fällt. Zur Schande der ledigen Mutterschaft gesellt sich nun der tägliche Kampf ums Überleben für Berta und ihren kleinen Sohn, bis sie Lois Obernoster kennenlernt.

Ferdinand von Webern ist Sektionschef im K. und K. Außenministerium, sein einziger Sohn ist gefallen, sein Bruder ist in russischer Kriegsgefangenschaft und Tochter Felicitas kümmert sich als Krankenschwester in einem Lazarett um verwundete Soldaten. Von Webern bekommt als Staatsbeamter die politischen Veränderungen aus allernächster Nähe mit.

Der Kärntner Oberleutnant Julius Holzer wiederum kämpft als Kaiserjäger an der Dolomitenfront und verliert nach dem Krieg durch Gebietsansprüche Italiens seine Heimat.

Der despotische Rittmeister August Belohlavek regiert seine Familie mit harter Hand. Er kommt mit den Veränderungen am wenigsten zurecht und je mehr seine gewohnte Ordnung aus den Fugen gerät, umso hartherziger und tyrannischer wird er.  

Also wieder eine genretypische Familiengeschichte vor historischer Kulisse? 

Definitiv nicht, auch wenn es den Anschein haben mag. Dieser Roman ist keine Familiengeschichte im eigentlichen Sinne, denn die Erlebnisse der einzelnen Figuren sind Puzzlesteine, die der eigentlichen Hauptakteurin dieses Romans Gestalt und Charakter geben – der großen Zeitenwende in der Geschichte Österreichs Anfang des 20. Jahrhunderts. So beginnt der Roman mit dem Tod des Kaisers im zweiten Kriegsjahr 1916 und endet am Silvestertag 1921. Was der Leser über die vier Familien erfährt, sind lediglich skizzenhafte und von größeren Zeitsprüngen geprägte Momentaufnahmen aus deren Leben. Gemeinsam mit den Kapiteln, die die politischen Hintergründe beleuchten, die sich mit den Geschehnissen an der Front befassen und die den Leser in die Gefangenenlager führen, bilden sie ein gesellschaftspolitisches Kaleidoskop einer bewegten Zeit mit gravierenden Umwälzungen und Veränderungen. Die fiktiven Personen und ihre fiktiven Lebensläufe sind eingebettet in einen exzellent recherchierten historischen Hintergrund und zeichnen ein farbenprächtiges Bild jener ereignisreichen Jahre.

„Geschichte ist ein Mosaik aus Geschichten“, heißt es im Nachwort der Autorin und treffender kann man den Stil dieses Romans nicht zusammenfassen. Wir haben es hier also nicht mit einer jener pilcheresken Familiengeschichten zu tun, sondern mit einem historischen Roman, der durch ein fein gesponnenes Geflecht aus Fiktion und Historie besticht. Die Fülle an Themen und Personen, die ständigen Ortswechsel und Zeitsprünge erfordern ein gewisses Maß an Konzentration. Die Handlung fliegt im Zeitraffer am Leser vorbei, die Figurenzeichnung bleibt überwiegend abstrakt, ein Abtauchen in die Geschichte gelingt damit nur bedingt.    

Die zurückgenommene, dezente Erzählweise der Autorin ist sehr angenehm zu lesen und lässt die Geschehnisse für sich sprechen.    

Birgit Mosser hat bereits Drehbücher für zeitgeschichtliche Fernsehdokumentationen geschrieben und hierbei auch Regie geführt. Des Weiteren hat sie einige Sachbücher zur österreichischen Geschichte veröffentlicht. Mit ihrem Debütroman hat sie nun auch ihr Können als Romanautorin unter Beweis gestellt, denn Der Sturz des Doppeladlers ist ein gelungener historischer Roman, der Leser begeistern wird, die historisch fundierte und auf einem ansprechenden Niveau unterhaltende Romane zu schätzen wissen. 

Ihre Meinung zu »Birgit Mosser: Der Sturz des Doppeladlers«

Mohnblume zu »Birgit Mosser: Der Sturz des Doppeladlers«27.09.2016
Der Verfall einer Monarchie

von Arietta

Inhaltsangabe:


Österreich-Ungarn, 1916. Die Donaumonarchie unter dem greisen Kaiser Franz Joseph befindet sich im dritten Jahr eines Krieges, der ohne Erbarmen geführt wird. Seine Auswirkungen treffen Menschen aller sozialen Schichten: Das junge Kindermädchen Berta kämpft um das Überleben ihres ledigen Kindes. Kaiserjäger Julius Holzer erlebt die Sprengung des Col di Lana an der Dolomitenfront. Architekt August Belohlavek gerät in russische Kriegsgefangenschaft. Sektionschef Ferdinand von Webern muss die Demütigung von St. Germain ertragen.
In den letzten Jahren des Habsburgerreiches meistern vier Familien ihr Schicksal – und eine große Liebe gibt Hoffnung für die künftigen Generationen. Ob in Wien, Prag oder Südtirol, in Kärnten oder dem heutigen Burgenland – am Ende eines furchtbaren Krieges ist nichts mehr, wie es einmal war.
Liebe und Hass, Treue und Verrat, Tod und Überleben liegen in jenen Jahren nahe beieinander. Jeder Einzelne wird vor existenzielle Fragen gestellt. Es gibt immer eine Wahl. Und sie hat immer ihren Preis.



Meine Meinung zur Autorin:

Es war mein erstes Buch der Autorin Birgit Moser. Ich muss sagen ich war begeistert. Sehr schön hat sie den Untergang der Donaumonarchie und die Schrecken des erstens Weltkrieges geschildert.

All diese Intrigen, der Hass, der Kampf des Überlebens an der Front und die der Bürger. Der Vater der seine Tochter verstößt weil sie ein uneheliches Kind hat, da es eine Schande für die Familie wäre und dem Ansehen Schaden könnte, der damit eine Familie zerstört. Ihr Schreibstil fand ich sehr detailliert, bildhaft und mitreißt. Sie lässt uns tief in die Seelen ihrer Protagonisten schauen. Sie sind sehr real und glaubhaft dargestellt. Die Recherche zum Roman ist hervorragend, ebenso der Handlungsaufbau, alles ist sehr stimmig. Für mich ein wundervolles Zeitzeugnis einer vergangenen und einst glanzvollen Epoche, sehr Lehreiche und spannende Geschichte. Ein Buch das ich nicht missen möchte.


Meine Meinung zum Inhalt:

Sehr schön hat sie das Schicksal von vier Familien dieser so schicksalhaften Zeit beschrieben. Die den Untergang Österreichs und die schrecklichen und grauenhaften Auswirkungen des Krieges mit erlebten , und darunter litten. Der arme Jules, der seine Kameraden sterben sieht, sich nach seiner verlobten sehnt und in Gefangenschaft gerät. Was er dort mit machte und im Krieg ging einen unter die Haut. Die Familie Belohavek, die unter ihren herrischen Vater leidet, der kein Herz und Gefühle besitzt, seine Tochter aus dem Haus wirft, nur wegen dem unehelichen Kind. Viel besser ging es auch der herzensguten Berta nicht, die Kindermädchen ist und ebenfalls von ihrer Herrin vor die Tür gesetzt wird. Berta ist von ihrem gefallenen verlobten Schwanger, schon hart wie die beiden sich mit nichts durchschlagen müssen. Die von Webern ein wirkliche nette Familie, wird auch vom Schicksal heimgesucht. Alle hier haben eins gemeinsam, sie erleiden Verluste, Wunden und Narben, die der Wandel der Zeit und Gesellschaft verursachte. Eine Geschichte die mir zu Herzen ging und nachdenklich machte. Ich habe Österreich und seine Vergangenheit von einer anderen Seite kennengelernt.
venatrix zu »Birgit Mosser: Der Sturz des Doppeladlers«17.09.2016
Österreich-Ungarn befindet sich 1916 im dritten Kriegsjahr. Der Doppelmonarchie gehen Menschen, Material und Lebensmittel aus – sowohl auf den vielen Kriegsschauplätzen als auch in der Heimat.
Stellvertretend für die vielen Leidtragenden präsentiert Autorin Birgit Mosser fünf unterschiedliche Menschen und ihre Familien.
Da ist zum einem Berta Sogl, das böhmische Dienstmädchen im gräfliche Haushalt derer von Webern, Felictas von Webern, die als Krankenschwester in Lazaretten die Kriegsgräuel kennenlernen wird, Südtiroler Hotelerbe Julius Holzer, der in den Dolomiten gegen Verwandte kämpfen muss, Lois Obernosterer aus Kärnten sowie die Familie des Architekten August Belohlavek.

Jede dieser Familien hat ihr eigenes Schicksal, das sie mit der sterbenden Donaumonarchie verbindet. Sei es, dass die Welt des Adels zerbricht oder sei es, dass Südtirol und das Trentino durch den Friedensvertrag von St. Germain an Italien gehen. Mit jeder Figur kann der Leser die Geschichte aus deren Perspektive erleben. Wer glaubt, dass es in der sogenannten „guten Gesellschaft“ einfacher war, wird eines besseren belehrt.

Der Roman startet am 30. November 1916 in Wien mit dem für die Habsburger üblichen, pompösen Begräbniszeremonien für Kaiser Franz Joseph. Wir begleiten diese Menschen, die aus verschiedenen Gegenden der totgeweihten Monarchie und unterschiedlichen Gesellschaftsschichten stammen, bis hin in das Jahr 1921. Wir erleben das zähe Ringen um Kärnten (Kärntner Abwehrkampf 1920) und das Burgenland (damals Westungarn 1921).

Der Autorin ist ein grandioses Porträt dieser Zeit des Umbruchs gelungen. Das Buch ist atmosphärisch dicht und menschlich berührend. Für mich hätte der Roman auch gut doppelt so viele Seiten zählen können.

Fazit:

Birgit Mosser ist eine brillante Erzählerin, die die Leser in eine Episode Österreichischer Geschichte entführt, die an Dramatik kaum zu überbieten ist.
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