Der Duft des Teufels von Birgit Jasmund

Buchvorstellungund Rezension

Der Duft des Teufels von Birgit Jasmund

Originalausgabe erschienen 2017unter dem Titel „Der Duft des Teufels“,, 464 Seiten.ISBN 3-7466-3295-1.

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Kurzgefasst:

Köln 1695: Ein Duftwasser versetzt die Stadt in Hysterie. Die enthemmende Wirkung seines Aromas wird dem Teufel zugeschrieben. Und die junge Witwe Kathrina gerät unter Verdacht, als dessen Handlangerin unschuldige Jungfrauen in seine Arme zu treiben. Um sie zu retten, ruft ihr Geliebter, der Kaufmannssohn Daniel, den Parfümeur Giovanni Paolo Feminis zu Hilfe. Aber gelingt es dem Erfinder des Aqua mirabilis, Kathrinas Unschuld zu beweisen und Köln von dem Fluch zu befreien?

Das meint Histo-Couch.de: „Geschichte um das Kölnisch Wasser“74

Rezension von Alexandra Hopf

1695 gerät das beschauliche Leben in der freien Reichsstadt Köln aus den Fugen. Es taucht ein wundersames Duftwasser auf, dem nachgesagt wird, Wasser des Teufels zu sein. Der betörende Duft macht die Männer den Hexen, die das Wasser anwenden, gefügig. In der Stadt lebt auch der italienische Kramhändler Giovanni Paolo Feminis mit seiner Frau Sophia und seinen vier Kindern. Tagsüber zieht er mit seinem Handkarren durch die Stadt und verkauft allerlei Kram wie Knöpfe, Borten und dergleichen. Abends zu Hause brütet er an der Herstellung eines edlen Duftes, dem sogenannten Aqua mirabilis. Er besitzt eine alte Familienrezeptur. Doch noch ist es dem Parfümeur mit der sensiblen Nase noch nicht gelungen den besonderen Duft akkurat nachzumischen.

Feminis tatsächlich Erfinder des bekannten Duftes?

Die Hebamme Kathrina Obladen hat gerade so ihr Auskommen. Nachdem ihr protestantischer Ehemann gestorben ist, wird sie nicht mehr zu Geburten gerufen. Sie selbst gehört nicht dem Protestantismus an, sondern ist gläubige Katholikin. Doch auch die katholische Gemeinde akzeptiert sie nach der Ehe mit der anderen Glaubensgemeinde nicht mehr in ihrer Mitte. So hält sie sich mit Näh- und Flickarbeiten über Wasser und hat in ihrem kleinen Häuschen gerade so ihr Auskommen.

Eines Tages tritt der Weber Fritz Haan an sie heran, und macht ihr einen Heiratsantrag. Diesen jedoch lehnt Kathrina ab. Fritz will die Zurückweisung nicht akzeptieren und wird immer zudringlicher. Als Haan Kathrina gerade wieder einmal massiv bedrängt, kommt ihr der junge Daniel Mensing, Sohn eines Getreidehändlers, zur Hilfe. Obwohl nicht standesgemäß, verliebt Daniel sich in die junge Witwe und sie werden ein heimliches Liebespaar. Der zurückgewiesene Weber, der mittlerweile auch seine Anstellung verloren hat, macht Kathrina für seine ganze Misere verantwortlich und sinnt auf Rache.

Ebenfalls ein Bewohner der Stadt Köln ist der fanatische Dominikanermönch Martin. Er ist entsetzt über die fröhliche unbeschwerte Lebensweise der Menschen und wettert gegen alle Annehmlichkeiten. Er selbst geißelt sich und erwartet diese Konsequenz von der ganzen Menschheit. Das Auftauchen des verruchten Teufelswassers spielt Martin in seine Karten und das Wettern und Schimpfen gegen die gottlosen Weiber, bzw. Hexen wird immer lauter. Die feurigen Reden des Dominikanermönchs bringen Fritz Haan darauf, Kathrina als Hexe zu denunzieren. Als treuer Gefolgsmann schließt er sich mit einigen anderen dem Mönch an.

Obwohl die Menschheit aus der Geschichte der schlimmen Hexenverfolgung früher gelernt hat, lassen sich doch Teile der Bevölkerung aufwiegeln. Und so kommt es, daß Kathrina und viele andere Frauen als Hexen beschuldigt und in den Frankenturm geworfen werden. Doch Daniel kämpft für die Freiheit seiner Kathrina. Hilfe bekommt er von dem Kramhändler Feminis. Der kämpft wegen anderer Motive gegen den Wahnsinn an. Das verdammte Teufelswasser, welches in Umlauf ist, bringt schließlich auch ihn und die Entwicklung seines Aqua mirabilis in Gefahr. Wird es den beiden gelingen den Schwindel um das Aqua Diavolo aufzudecken und die Menschheit wachrütteln, dass es keine Hexen gibt??

Reale Komponente geschickt verstrickt mit Erfundenem

Birgit Jasmund liefert mit Der Duft des Teufels bereits ihren dritten historischen Roman ab. Die Kombination zwischen tatsächlichem Geschehen und künstlerischer Freiheit ist in diesem Werk sehr gut gelungen. So bemüht sie sich, die Gegebenheiten der Stadt Köln um 1695 möglichst wahrheitsgetreu wiederzugeben. Die zweite historische belegte Tatsache ist die Existenz des Parfümeurs Giovanni Paolo Feminis. Er lebte zu dieser Zeit tatsächlich als Kramhändler in Köln und arbeitete tatsächlich an der Herstellung einer wohlriechenden Essenz mit Namen Aqua mirabilis. Ob es sich dabei letztlich wirklich um die Entwicklung des bekannten „Kölnisch Wasser“ handelt, ist nicht erwiesen.

Um diese Tatsache spinnt die Autorin die Geschichte des Teufelswassers, das mit seinem Auftauchen die ganze Stadtbevölkerung aufwiegelt. Eindrucksvoll schildert sie, wie leicht es ist, Menschen mit Gerüchten zu beeinflussen und anderen Böses zu unterstellen.

Hexenverfolgung ohne die reale Brutalität 

Obwohl die Geschichte sich um Hexenverfolgung dreht, fehlen hier typische Komponenten wie peinliche Befragungen oder Hexenverbrennungen. Es handelt sich eher um die zensierte Version der tatsächlichen Geschichte um Hexenverfolgung. Neben diesem Handlungsstrang läuft die Geschichte um die Entwicklung eines Parfüms nebenher. Würde die Geschichte um die Hexen nicht so viel Platz einnehmen, hätte man dazu sicher gerne mehr erfahren.

Kathrina und Daniel sind durchaus sehr sympathische Hauptprotagonisten. Daniel erscheint dem Leser als echter Held, der sich stets für Kathrina einsetzt, egal welche Gefahr es für ihn selbst birgt. Auch Feminis fällt durch den gesamten Roman hindurch positiv und liebenswürdig auf. Seine Geschichte als Parfümeur, ausführlicher gestaltet, wäre sicher auch ohne die Sache um das Teufelswasser unterhaltsam gewesen. Den Gegenpart dazu bildet eindeutig der fanatische Dominikanermönch Martin. Obwohl er ein Diener Gottes ist, hat man das Gefühl, daß dieser Mensch durch und durch schlecht ist. Dieser Wahn nach gottgefälligem Leben kann nur noch mit der Tat eines Wahnsinnigen gleichgesetzt werden.

Der Roman ist kurzweilig geschrieben und lässt sich flüssig lesen. Wer aber ein Buch rund um die Hexengeschichte erwartet, wird hier enttäuscht werden. 

Jasmunds Werk ist im Aufbau Verlag erschienen. Sowohl Titel als auch Coverbild sind sehr gelungen gewählt. Am Ende des knapp 440-seitigen Werkes schließt sich eine kurze Seite mit Worterklärungen und ein kurzes Nachwort zur Legende des Kölnisch Wassers an.

Ihre Meinung zu »Birgit Jasmund: Der Duft des Teufels«

venatrix zu »Birgit Jasmund: Der Duft des Teufels«08.08.2017
Köln 1695: Die verwitwete junge Hebamme Katharina weist den hartnäckigen Verehrer Fritz Haan ab. Haan, der wegen schlechter Arbeit als Weber nun auch noch seine Arbeit verloren hat, zeigt Katharina aus Rache wegen Hexerei an. Da die weltliche Obrigkeit diese Anzeige nicht weiterverfolgt, schließt er sich dem Dominikanermönch Martin an, der mit Hetzreden die Bürger aufstachelt, wieder Jagd auf Hexen zu machen.
Auslöser dafür ist das Gerücht, dass ein teuflisches Duftwasser im Umlauf sei, das Frauen dazu treibt, eine Buhlschaft mit dem Höllenfürsten einzugehen. Das Parfum wird tatsächlich verteilt und verhilft so mancher eingeschlafener Beziehung zu neuen Höhenflügen. Aber ist es wirklich teuflischer Herkunft?
Doch der Mönch heizt mit seinen Hassreden die Stimmung der Stadtbewohner an und so werden willkürlich Frauen und Mädchen verhaftet und in das Dominikanerkloster gebracht.
Um Katharina aus den Fängen des Mönches zu befreien, setzt ihr Geliebter Daniel alle Hebel in Bewegung. Er arbeitet mit dem Parfumeur und Krämer Giovanni Paolo Feminis zusammen, der das Duftwasser nachbauen will, um die menschliche Herkunft zu beweisen.
Wird es Daniel und Giovanni gelingen die festgenommenen Frauen zu befreien?
Meine Meinung:
Die Autorin macht es wirklich spannend. Fehlschlag um Fehlschlag bei der Rekonstruktion des Wässrchens lassen Feminis beinahe aufgeben, aber nur beinahe. Die Zweifel an seiner Nase und seinem Können kann ich gut nachvollziehen. Auch die Angst, die ihn und seine Familie in Bann hält, ist deutlich spürbar. Er ist ja nur ein „zugereister Italiener“ und denen traut man alle Böse zu.
Gut beschrieben ist wie die Stadt in zwei Lager geteilt ist: In jene, die an den Fortschritt glauben und in jene, die – aus welchen Gründen auch immer – engstirnig sind, und nach wie vor an die Existenz von Hexen und Teufeln glauben. Bruder Martin und ein Teil der Mönche aus dem Kloster gehören leider zu den Hetzern und Uneinsichtigen.
Die Standesunterschiede, die eine Heirat zwischen Katharina und Daniel unmöglich scheinen lässt, die Zivilcourage, die einige Bewohner Kölns doch an den Tag legen und die Hysterie, die unter den Menschen ausgebrochen ist, sind authentisch dargestellt.
Wer der Teufel in Menschengestalt ist, lässt sich unschwer aus dem Prequel „Das Rezept des Bösen“ erkennen. Bis ihm das Handwerk gelegt werden kann, rinnt einiges Wasser den Rhein hinunter.
Für Spannung sorgen die verschiedenen Charaktere, die sich auch manchmal ambivalent verhalten sowie das Schwanken zwischen altem Glauben und neuem Wissen.
Fazit:
Ein fesselnder historischer Roman, der mich auf den 464 Seiten sehr gut unterhalten hat. Gerne gebe ich 5 Sterne.
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