Stonehenge von Bernard Cornwell

Buchvorstellungund Rezension

Stonehenge von Bernard Cornwell

Originalausgabe erschienen 2000unter dem Titel „Stonehenge, 2000 BC“,deutsche Ausgabe erstmals 2001, 571 Seiten.ISBN 3-442-36416-7.Übersetzung ins Deutsche von Elke Bartels.

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Kurzgefasst:

Um die Macht in Ratharryn zu erlangen, wendet sich Lengar der Krieger gegen den eigenen Vater und raubt dem Bruder die Frau. Doch Clanführer wird sein jüngster Bruder, Saban der Baumeister, bis ihn Intrigen in die Sklaverei zwingen. Blutige, langjährige Kriege überziehen das Volk von Ratharryn – bis der Seher Camaban, der mittlere Bruder, eine Vision hat: Frieden ist nur möglich, wenn ein gewaltiger Steinkreis erbaut wird – eine neue Heimstatt für die Götter – Stonehenge …

Das meint Histo-Couch.de: „Das Geheimnis der berühmten englischen Steinkreise“80

Rezension von Carsten Jaehner

Im dritten Jahrtausend vor Christus: Lengar und sein jüngerer Bruder Saban streifen durch die Wälder, als ein Mann vor ihnen flieht. Lengar erschießt ihn mit einem Pfeil und entwendet ihm die Beute, die er bei sich hat: viele kleine Plättchen aus Gold in verschiedenen Größen. Widerwillig gibt Lengar sie bei seinem Vater ab, den er für einen schwachen Clanführer hält. Er stellt sich fortan gegen ihn und wird schließlich der neue Clanführer, womit in Ratharryn ein grausames Leben beginnt, denn Lengar ist mehr Krieger als Diplomat.

Lengar nimmt sich nicht nur Sabans Braut Derrewyn, sondern verbannt ihn auch noch in die Sklaverei, aus der Saban nur knapp entkommt. Der mittlere Bruder der beiden, Camaban, wird von seinem Klumpfuß geheilt und wird zu einem neuen Magier.

Um die Götter zu vereinen und zu beruhigen, befiehlt Camaban den Bau eines neuen Tempels und macht den wiedergekehrten Saban zum Baumeister. Sie nehmen sich Menschen aus anderen Dörfern als Sklaven und beginnen mit dem Bau des neuen Tempels, was sich jedoch als sehr langwierig herausstellt. Doch der Kampf der drei Brüder untereinander tobt weiter, und nicht nur die Götter werden allmählich ungeduldig.

Zwist dreier Brüder

Mit Stonehenge hat Bernard Cornwell einen Roman um die mysteriöse Steinformation in Südengland geschrieben, über die man immer noch nicht viel weiß. Wenig von seiner Geschichte ist belegt oder bewiesen, und so entspinnt er eine Geschichte um drei Brüder, die sich gegenseitig bekämpfen und doch mit dem Bau eines Tempels ein gemeinsames Ziel haben.

Cornwells Sprache ist flüssig und gut zu lesen und fesselt den Leser an den Roman. Die Beschreibungen der Zeit sind logisch und gut, mehr darüber zu sagen fällt schwer, denn es gibt ja keine Belege, wenngleich Cornwell in seinem aufschlussreichen Nachwort die neuesten Forschungsergebnisse präsentiert und erklärt, was davon wie in seinen Roman eingeflossen ist.

Gerade die drei Brüder Lengar, Camaban und Saban sind dann auch die bestimmenden Figuren des Romans. Angelehnt an Sabans Geschichte, der schließlich für den Bau zuständig sein wird, wird der Leser in eine Zeit entführt, wo Zauberei und der Glaube an Götter und Flüche den Alltag bestimmten. Cornwell schafft es, sie unterschiedlich zu charakterisieren und somit die Fehde untereinander plausibel zu erklären und als Ausgangsbasis für eine Zeit zu nehmen, die alles veränderte, was die Menschen des Clans bislang erlebt hatten.

Starke Frauenfiguren

Gerade Camaban erinnert dabei gelegentlich an Catweazle, wie er nackt und als Zauberer durch die Gegend streunt, ungewaschen und ungepflegt und mit Ideen, die eigentlich nur einem Verrückten entspringen können. Camaban zieht im Hintergrund die Fäden, und das beinhaltet nicht nur die Übernahme des Clans nach Lengars Tod, sondern auch die Priesterschaft und somit die Macht über den Clan.

Die Frauenfiguren des Romans sind ebenso ungewöhnlich wie die drei Brüder. Derrewyn ist eigentlich Sabans Braut und wird von Lengar beansprucht, ehe sie von ihm flieht. Aurenna ist ein von den Göttern zurückgewiesenes Opfer und schließlich Sabans Frau, ehe sie als eigentlich Göttin ihren Weg macht. Diese beiden Frauen bestimmen die Hintergründe, zumal auch Derrewyn zur Zauberin wird und somit noch mehr Parteien als nur die drei Brüder gegeneinander arbeiten.

Allerdings ist nicht immer klar, wer hier mit wem gegen wen und warum arbeitet. Darin liegt wohl das Hauptmanko des Romans, dass einige Dinge doch leicht durcheinander geraten, allerdings nicht im Sinne von Überraschungen, sondern mehr im Sinne von Unordnung. manches wirkkalt doch sehr konstruiert und hat nicht den Charme und die Stärke, die man sonst von Cornwell gewöhnt ist. Allzu vieles läuft nebeneinander her und wird wieder hervorgeholt, statt es stringenter und konsequenter durchzuhalten.

Atmosphärische Löcher

Die Handlungsstränge geraten ebenfalls bisweilen etwas durcheinander und sind nicht so klar und verständlich, wie man es von Cornwell sonst gewohnt ist. Auch gibt es größere Zeitsprünge innerhalb weniger Zeilen, wie wenn es heisst „in den nächsten fünf Jahren schlugen sie achtzehn Steine“ oder so ähnlich. Das schafft atmosphärische Löcher, in denen man sich fragt, ob denn wirklich nichts anderes im Bruder- und Dorfzwist passiert ist als dass man Steine behauen und transportiert hat. Hier geht Spannung verloren, die nachher nur mühsam wieder aufgebaut werden kann. Allerdings ist es natürlich schwer, über eine Zeit zu schreiben, aus der fast keine Belege existieren, so dass ein wenig Nachsicht durchaus angebracht ist.

Stonehenge von 1999 ist bestimmt nicht Cornwells grösster Wurf, lässt sich aber immer noch besser lesen als vieles andere, was den Buchmarkt historischer Romane überschwemmt. Das 15seitige Nachwort, das unbedingt auch gelesen werden sollte, rückt den Roman in den Fokus der Wissenschaft und erklärt, was aus dem Buch tatsächlich belegt ist, wenn auch nicht unbedingt für Stonehenge, sondern für ähnliche Tempelbauten oder Steinkreise. Karten der Siedlungen und Steinkreise erweitern das Verständnis für die Bauweisen. Letztlich bleibt ein Roman, der seine Schwächen hat, aber trotz allem gut erzählt ist und nicht nur lange Winterabende angenehmer zu ertragen erleichtert.

Ihre Meinung zu »Bernard Cornwell: Stonehenge«

anath zu »Bernard Cornwell: Stonehenge«23.07.2012
Naja...irgendwie war das nichts.Es ist mir ja selten pasiert, daß ich einen Roman einfach beiseite gelegt habe, aber "Stonehenge" ist so ein Ausnahmefall. Dabei habe ich mir ernsthaft Mühe gegeben und es auch bis auf Seite 409 geschafft. Dann war die Luft raus, ich sehnte mich danach, etwas anderes lesen zu dürfen, Schluß mit der Quälerei !

Dabei lese ich Cornwells Bücher sehr gerne und habe auch keine Probleme mit der oft kritisierten "Grausamkeit" und dem detaillierten Beschreiben diverser Metzeleien. Diesmal aber plagte mich nicht nur die Langeweile beim Lesen. Die Beiläufigkeit mit der hier getötet und das Töten akzeptiert wurde, mag man noch als realgeschichtlichen Hintergrund ansehen. Ich fand es trotzdem abstoßend.
Dazu kamen die ständigen Beschreibungen , die den Leser darüber informierten, welcher Zauberer sich womit beschmiert und behängt hatte...nerv !
Das größte Problem aber hatte ich mit den schier unendlichen Längen , die sich durch die gesamte Erzählung ziehen. Es wird und wird und wird einfach nicht spannend, immer wieder taucht ein neues Problem auf an dem endlos herumgebastelt wird, immer wieder noch eine Wende, und noch eine, und noch eine...

Nun wurde Stonehenge ,genau wie Rom, ganz sicher nicht an einem Tag erbaut und ich gehe sehr wohl mit Cornwell d'accord wenn er hier einen jahrelangen Prozeß beschreibt. Aber er erzählt seine Geschichte einfach so langatmig und detailverliebt, daß ich irgendwann gar nicht mehr wissen wollte, wie es weiter geht. Wozu auch ? Stonehenge steht ja, bis heute, also werden sie es schon irgendwie geschafft haben, ihre Hinkelsteine irgendwo her zu kriegen und aufzustellen.
Und genau das ist das Problem bei Büchern, die sich auf ein reales Ereignis beziehen, von dem der Leser genau weiß, was da pasiert ist. Wenn da nicht mitreißend und spannend erzählt wird, dann legt so ein ungeduldiger Mensch wie ich einfach das Buch zur Seite und sagt sich: O.K., kein Bock mehr, ich weiß ja daß sie irgendwann fertig werden. Und das, was eigentlich wichtig wäre, nämlich das Schicksal der Protagonisten, interessiert gar nicht mehr. Schade eigentlich.
Ein Buch, das ich nicht weiter empfehle.
ramibru zu »Bernard Cornwell: Stonehenge«16.12.2011
ich hatte bisher so ziemlich alle cornwell-bücher gierig verschlungen, die mir in die hände gekommen sind: die gesamte uthred-saga, die artus-chroniken und auch die sharpe-bücher...
allesamt boten sie kurzweilige, gute unterhaltung.
und nun also stonehenge: nach 150 seiten habe ich das buch ganz zuoberst auf den stapel für den nächsten flohmarkt gelegt, denn es ist zähflüssig, langatmig und langweilig. sorry mister cornwell, das war mist! geloben sie besserung!
Dracon zu »Bernard Cornwell: Stonehenge«29.09.2011
Stonehenge war mein erster Roman von Bernard Cornwell aber sicher nicht mein letzter .Der Autor beschreibt sehr genau welche mühen sich die Menschen in einer von Aberglauben und Furchtgeprägten Welt auf sich nehmen um ihre Götter gnädig zu stimmen , aber auch das Zusammenleben im Stamm und Nachbarn wurden von Mißtrauen und Machtgier bestimmt.
Stonehenge ist ein unterhaltsamer Roman der Lust auf Weitere Bücher des Autors macht.
Armin Burkart zu »Bernard Cornwell: Stonehenge«24.05.2011
Ende der Steinzeit – Übergang zur Bronzezeit. Von den Menschen die vor 4000 Jahren lebten, existieren keine schriftlichen Überlieferungen, sondern nur Ausgrabungen und Fragmente.

Wie lebten die Menschen, was dachten sie, nach welchen Werten lebten sie? Sie wurden mit der gleichen Intelligenz (oder Dummheit) und unterschiedlichen Charakteren wie wir geboren, aber in eine Welt ohne Schrift und Technik. Nach schwieriger Einstiegsphase und Kennerlernen aller Personen fesselte mich das Buch bis ans Ende. Ich konnten mich immer mehr in die einfache Welt der unterschiedlichen Brüder Lengar, Saban, Camaban, oder der anderen Personen hereinversetzen. Auch wenn ich wusste, dass alles nur Phantasie ist. Ich kann das Buch nur jedem empfehlen.

Bernard Cornwell hat hier seine unglaubliche Erzählkunst genutzt und sicherlich auch sorgfältig das uns wenig bekannte Wissen recherchiert, um uns in diese vergangene Welt einzuführen. Im Gegensatz zu anderen Büchern konnte er auf keine Schriften zurückgreifen, um die Gedanken der Menschen zu recherchieren. Das Leben damals war ein täglicher Kampf ums Überleben. Für die damaligen Menschen waren Geister, Götter und das Jenseits kein Glaube sondern Realität. Ihre Götter waren in der Natur allgegenwärtig. Die Götter wurden von den Menschen erfreut und mussten auch oft besänftigt werden. Ohne Wissenschaft und mit für uns primitivsten Werkzeugen schufen die Menschen mit ihren Tempeln Häuser für ihre Götter, so wie wir es auch noch heute in unseren heutigen Kulturkreisen kennen. Wenn wir uns vor Augen halten, das Kathedralen im Mittelalter über Jahrzehnte/Jahrhunderte unter größten Mühen errichtet wurden, dann ist es auch nachvollziehbar, welche Mühen, Opfer, Zeitaufwand und auch festen Glauben an einen Gott oder Götter die Errichtung eines solchen Steinkreises vor 4000 Jahren erforderte.

Vor vielen Jahren stand ich vor Stonehenge und konnte nicht viel damit anfangen. Falls ich noch mal davor stehe, werde ich das Monument noch mal mit anderen Augen sehen. Eine Auflockerung des Themas erlaube ich mir zum Ende. Eine Kindheitsfrage hat sich mir nun wohl beantwortet: Ich glaube nun zu wissen, warum und wofür Obelix 2000 Jahre später die vielen Hinkelsteine herstellte.
Piasol zu »Bernard Cornwell: Stonehenge«22.03.2011
Ich war sehr gespannt auf dieses Buch von Bernard Cornwell, bin ich doch ein eifriger Leser seiner historischen Romane.

Und wie unglaublich enttäuscht ich bin ob des Roman `Stonehenge´, kann ich kaum beschreiben.

Weder fesselte mich die Geschichte, noch ist die beschriebene Motivation zur Errichtung dieser heiligen Stätte nachvollziehbar.

Und dann dieses langatmige Beschreiben der Bauweise, als wäre dem Autor zwanghaft daran gelegen, seiner Vorstellung einen Beweis nachzuliefern.

Insgesamt ein nicht empfehlenswerter Roman.
Das Geld kann man in eine Leseprobe anderer Autoren investieren.
Ihr Kommentar zu Stonehenge

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