Starbuck - Der Verräter von Bernard Cornwell

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 1994unter dem Titel „The Starbuck Chronicles: Copperhead“,deutsche Ausgabe erstmals 2013, 560 Seiten.ISBN nicht vorhanden.Übersetzung ins Deutsche von Karolina Fell.

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Kurzgefasst:

Auf Seiten der Konföderierten kehrt der gefeierte Kriegsheld Captain Nate Starbuck an die Frontlinien zwischen Nord und Süd zurück. Im Sommer 1862 bewährt er sich aufs Neue in der Schlacht von Balls Bluff. Sein alter Widersacher Washington Faulconer neidet ihm indes den Ruhm. Und Faulconer ist nur einer von Nates Gegnern, die alle nicht vergessen haben, dass er aus dem Norden stammt. So ist es nur eine Frage der Zeit, bis gewisse Leute ihn des Verrats an der Sache der Konföderation zeihen. Denn da ist jemand, der Geheimstes an den Feind weitergibt. Nate wird, brutal verhört. Und er erkennt, dass es für ihn nur einen Ausweg gibt: Er muss wirklich zum Spion werden, zum Spion für den Süden. Es beginnt eine gefährliche Odyssee, mitten hinein ins Feindesland.

Das meint Histo-Couch.de: „Spannende Geschichtslektion oder Warum der Sezessionskrieg doch länger als ein Jahr dauerte“88Treffer

Rezension von Carsten Jaehner

1862, während des Amerikanischen Bürgerkriegs. Captain Nate Starbuck, ein Nordstaatler, der aus Seiten der Südstaaten kämpft, ist bei seinen Kameraden beliebt und bei seinen Vorgesetzten bestenfalls umstritten, vor allem bei seinem unmittelbaren Chef Colonel Washington Faulconer. Nates Freundschaft mit dessen Sohn Adam ist daher ein wenig problematisch, wobei Adam mehr zur Freundschaft mit Nate tendiert.

Nach einem unerwarteten Sieg bei Balls Bluff für die Südstaatler, bei dem Nate eine entscheidende Rolle gespielt hat, wird er wegen wiederholter Befehlsverweigerung der Armee verwiesen. Nate schlägt sich in den Norden durch, wo er Kontakt zu seinem Bruder James sucht und ihn auch findet. Hier trifft Starbuck auch auf Allan Pinkerton, der zur Aufklärung feindlicher Truppenbewegungen eingesetzt wird und durch ein Netz an Spionen und Doppelspionen versucht, den Krieg zugunsten der Nordstaaten mit zu entscheiden.

Starbuck erfährt, dass ein Spion in den Reihen der Südstaatler für den Norden aktiv ist, aber aufzufliegen droht. Er ahnt und befürchtet, dass dieser Spion sein Freund Adam sein könnte, und wird von Colonel DeAth als Doppelspion eingesetzt. Kann er Adam retten und zudem seine eigene Haut? Währenddessen gewinnt der Norden scheinbar an Übermacht und könnte in Kürze den Krieg entscheiden. Doch eine kleine Fehlinformation kann den Krieg unendlich verlängern.

Gewinner oder Verlierer?

Der zweite Teil von Bernard Cornwells Starbuck-Tetralogie, die erstmals auf Deutsch erscheint, ist spannender als der erste Teil Starbuck Der Rebell. Wurde Nathaniel Starbuck im ersten Band zum Helden, scheint er nun endgültig die Sympathien seiner Vorgesetzten zu verlieren. Nach einem erneuten Alleingang, was die Befehlskette angeht, den Südstaatlern aber trotzdem den Sieg bringt, wird Starbuck aus der Kompanie K herausgeworfen verantwortlich ist natürlich sein Feind und Vater seines besten Freundes, Colonel Washington Faulconer.

Für Spannung wird hauptsächlich dadurch gesorgt, das Starbuck einen Spion finden soll, und dafür muss er selbst zum Spion werden als Spion des Nordens, um im Süden, für den er bislang gekämpft hat, vor allem gegen den Willen seines strengen Vaters, einem frommen Pastor aus dem Norden, den Gegenspion auszumachen, der gerade den Süden an den Norden verrät. Alles klar? Eingesetzt vom nordstaatlichen Colonel DeAth, wird ihm sein Auftrag klar gemacht:

„Ihr Ziel ist es, durch die feindlichen Linien zu kommen und möglichst nicht für einen Schleuser gehalten zu werden. Gehen Sie unbewaffnet, heben Sie Ihre Hände hoch und lügen Sie wie ein Anwalt.“

„Und wie lügt ein Anwalt, Sir?“

„Mit Inbrunst, Mr. Starbuck, und nachdem er sich selbst, wenn auch nur für eine begrenzte Zeit, davon überzeugt hat, dass die Sachverhalte, die er da herunterleiert, der reinste Stoff für die göttliche Wahrheit sind. Sie müssen an die Lüge glauben, und um zu diesem Glauben zu kommen, müssen Sie sich selbst davon überzeugen, dass die Lüge nur eine Abkürzung auf dem Weg zum Guten ist. Wenn die Wahrheit einem Klienten nicht hilft, dann sagt ein Anwalt nicht die Wahrheit. Das Gute ist das Überleben des Klienten, und die Lüge ist die Dienerin des Guten. Und Ihre Lügen dienen dem Überleben der Konföderation, und ich bete zu Gott, dass Sie sich dieses Überleben ebenso sehr wünschen wie ich.“

Cornwell beeindruckt in seiner Erzählung nicht nur durch seine Kenntnisse der Militaria, die man kennen lernt. Er kennt sich in Rangabzeichen beider Seiten gut aus, in deren Bewaffnung, Hierarchie und auch in deren Strategie, nach denen sich die beiden Parteien östlich von Richmond belagern. Dabei beschreibt er die eine oder andere Schlacht oder auch nur kleinere Gemetzel, als wäre man persönlich dabei gewesen, und man kann hervorragend nachvollziehen, warum ein Angriff geklappt hat oder vielleicht auch nicht. Da Starbuck die Fronten wechselt, besteht auch nicht die Gefahr, dass man als Leser für eine der beiden Seiten eingenommen wird. Die Spione verraten ihre Armee, um den Krieg und damit das Morden abzukürzen, und das ist Grund genug für sie und rettet vielleicht unendlich viele Leben. Doch Verrat bleibt Verrat und macht nicht beliebt, weder in der Armee, noch in der eigenen Familie.

Krieg und Etikette

Neben den militärischen Herausforderungen warten auch vielleicht noch kompliziertere Herausforderungen auf Nate und Adam: Die Frauen. Beide mehr oder weniger liiert, ist es immer die Frage, ob sich eine Frau an einen Mann binden will, den sie weder richtig kennt, noch von dem sie weiß, ob er nach oder in den Kriegswirren überhaupt nach Hause kommt. Das kann Männer wie Frauen nicht kalt lassen, und hier steht nicht nur der jeweilige Charakter, sondern auch die damalige Etikette irgendwie im Weg. Seinerzeit war das Leben komplizierter als heute, und auch diese Nuance weiß Cornwell treffend zu beschreiben.

Interessant ist übrigens, sich zu überlegen, wer überhaupt mit dem Verräter aus dem deutschen Romanuntertitel gemeint ist. Man kann ins Philosophieren kommen und sich angesichts der vorhandenen Situation fragen, wie man den Begriff „Verrat“ überhaupt definieren will. Ein ungewöhnlicher Aspekt für einen historischen Roman, aber durchaus reizvoll.

Geschichte und Fiktion

Cornwell hat sich erzählerisch vom ersten zum zweiten Starbuck-Roman gesteigert, und somit ist der Roman eine gelungene Fortsetzung, die nicht von den Schlachtenbeschreibungen lebt, für die Cornwell bekannt und von seinen Fans geliebt wird, sondern vor allem vom Zeitgeschehen, den Taktiken, dem Leben und Denken im Norden wie im Süden und schnürt somit ein gelungenes Gesamtpaket, das über den Amerikanischen Bürgerkrieg erzählt. Dass der eine oder andere berühmte Name Starbucks Wege kreuzt, dürfte selbstverständlich sein, zudem hat der spätere Detekteigründer Allan Pinkerton eine wichtige Rolle im Roman.

Eine Karte der betreffenden Gegend im inneren Einband sowie ein interessantes Nachwort des Autors ergänzen einen gelungenen Roman, der Vorfreude auf die beiden ausstehenden Teile macht. Nicht nur Cornwell-Fans, sondern generell für Freunde der Geschichte Amerikas und sonstigen gut erzählten Romanen werden ihre Freude an diesem Roman haben. Hier werden reale Geschichte und Fiktion sehr spannend miteinander verquickt. Sehr gelungen und packend.

Ihre Meinung zu »Bernard Cornwell: Starbuck - Der Verräter«

kevin26 zu »Bernard Cornwell: Starbuck - Der Verräter«11.01.2014
Cornwell versteht sein Handwerk geniale Romane zu schreiben, zeitgemäß und realistisch die historischen Ereignisse wiederzugeben und den Leser von Anfang bis Ende in seinen Bann zu ziehen. Neben einer spannenden und authentischen Geschichte, in die man eintaucht lernt man noch das ein oder andere zu der jeweiligen Zeit in dem die Handlung des Romans spielt. Wie von den bisherigen Romanen von Cornwell bin ich auch von diesem hier mehr als nur beeindruckt. Verdiente 10 Punkte von 10 hat dieses Buch verdient.
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