Sharpes Trafalgar von Bernard Cornwell

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2000unter dem Titel „Sharpe\\\'s Trafalgar“,deutsche Ausgabe erstmals 2009, 402 Seiten.ISBN 3-404-16369-9.

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Kurzgefasst:

Nach seinen Abenteuern in Indien segelt Richard Sharpe an Bord eines englischen Handelsschiffes zurück nach Europa. Schon nach kurzer Zeit auf See überschlagen sich die Ereignisse. Sharpe gerät in die Hände der Franzosen und wird kurz darauf von dem englischen Kapitän Chase befreit. Dieser jagt das französische Kriegsschiff Revenant, das brisante Dokumente an Bord hat. Sharpe schließt sich der Jagd an. Doch am Kap von Trafalgar hat sich die Kriegsflotte der Engländer unter Admiral Nelson gesammelt – die größte Seeschlacht der englischen Geschichte steht bevor, und Nelson braucht jeden Mann.

Das meint Histo-Couch.de: „Eine der größten Seeschlachten der Weltgeschichte – mit einer Landratte als Held“94Treffer

Rezension von Christina Wohlgemuth

Irgendwo auf dem Atlantik, 1805. Richard Sharpe hat Indien den Rücken gekehrt. Sein Weg führt nach England, wo er sich seinem neuen Regiment anschließen will. Doch Sharpe wäre nicht Sharpe, wenn er nicht in ein großes Abenteuer geraten würde, und er wäre auch nicht er selbst, wenn er nicht wegen einer Frau in Schwierigkeiten geraten würde. Doch Sharpes Liebschaft wird schnell zu einem ganz kleinen Problem, denn am Horizont tauchen französische Schiffe auf – die Schlacht von Trafalgar beginnt. Und auch Sharpe muss seinen Teil dazu beitragen, dass England gegen die vereinte Flotte Frankreichs und Spaniens nicht im wahrsten Sinne des Wortes untergeht …

Sharpes Trafalgar ist der bereits vierte Band der Reihe – und ist quasi das Bindeglied zwischen den beiden großen Phasen, in denen sich die Sharpe-Romane abspielen. Die ersten drei Romane spielen in Indien, ab Band fünf verlagert sich die Handlung ins Europa der Napoleonischen Kriege. Doch dieser Roman ist weit mehr als nur ein Bindeglied – Cornwell erweist sich auch hier als großer Schlachtenerzähler und als Meister des historischen Abenteuerromans.

Neue Freunde und Feinde

Der geographische Bruch führt auch dazu, dass Sharpe alte Bekannte zurücklassen muss – und seine Feinde. Doch der mittlerweile liebgewonnene Protagonist würde enttäuschen, wenn er es nicht bereits binnen kürzester Zeit schaffen würde, zu polarisieren. Neue Sympathieträger wie Captain Chase, der die Leserherzen im Sturm erobert, wechseln sich ab mit neuen Antagonisten, die Sharpe das Leben schwer machen.

Das sind zwar neue Figuren, aber altbekannte Typen – es gibt sie in jedem Sharpe-Roman und sie führen zu altbekannten Konflikten. Doch das ist nicht langweilig, ganz im Gegenteil – Bernard Cornwell beherrscht dieses Schema so gut, dass es den Leser auf höchstem Niveau unterhalten kann. Es sind Cornwells Stärken, die er hier grandios ausspielt: spannende, entspannte Lektüre, die den Leser mitreißt und einfach pure Unterhaltung ist. Es drängt sich der Vergleich mit einem großen Helden der Filmgeschichte auf: auch die James-Bond-Filme laufen meist nach dem gleichen Schema ab und können trotzdem begeistern.

Flotter Stil, der die Erwartungen erfüllt

Cornwells weiteres großes Talent ist sein Stil – der Leser spürt nicht, wieviele Seiten dahinfliegen, ebenso wie er bei einem spannenden und unterhaltsamen Film nicht auf die Uhr schaut. Cornwells Romane sind spannende, leichte Kost, ohne den Leser zu unterfordern oder gar zu langweilen. Seine intensiven Schlachtenbeschreibungen geben dem Leser das Gefühl, mitten im Geschehen zu sein, den Pulverrauch zu riechen und das Holz der Schiffe splittern zu hören.

Und Sharpes Abenteuer auf See machen vor allem eines: Lust auf Sharpes Abenteuer in Europa, im Kampf gegen das Napoleonische Frankreich. Richard Sharpes Weg ist noch weit – doch er ist bereits in Europa angekommen, und nach Trafalgar stehen weitere große Schlachten an. Auf in den Kampf!

Ihre Meinung zu »Bernard Cornwell: Sharpes Trafalgar«

Hannes zu »Bernard Cornwell: Sharpes Trafalgar«30.01.2016
Ein neuer historischer Abenteuerroman um Leutnant Richard Sharpe in weiterhin permanenter Spannung. Auch angeblich ruhigere Abschnitte lassen darauf schließen, dass sie unvermindert auf neue Großereignisse zusteuern. Ich war gespannt, wie sich in die Schiffsreise die Gestalt Sir Arthur Wellesley einbringt. Und tatsächlich ist dies ist dem Autor gelungen. Wenn auch weit hinten herum. Für mich ist Wellesley die geschichtliche Hauptperson. Mal sehen wie es weiter geht.
M.Reinsch zu »Bernard Cornwell: Sharpes Trafalgar«07.04.2011
Das war für mich, das bisher beste Sharp-Buch!
Sicher fängt Alles relativ ruhig an, aber die Gechichte liest sich wie immer flüssig und auch nachdem der erste Spannungsbogen beendet ist liest man gerne weiter...
Sehr auffällig ist, dass es mal nicht nach (wie bisher) Schema F geht, sondern Mr.Sharp mal Gefühle zeigt, die sonst nicht vorhanden zu seien scheinen. Mit Capitain Chase und dem Ehepaar Hale sind endlich ein mal etwas tiefer gehende Charaktere erschaffen worden (sonst gibt es ja immer nur sehr oberflächliche Nebenfiguren.
Was mich wirklich vom Hocker gerissen hat, ist die Bechreibung der Seeschlacht. Hat mich sonst immer das viele Hin und Her beiden Landschlachten mächtig gefordert, war hier eine klare Linie und ich konnte endlich einen Bekannten verstehen, der nur "Marine-Literatur" verschlingt. Bei dieser Schlacht hatte ich endlich mal das Gefühl wirklich beteiligt zu sein (obwohl teilweise wieder recht brutal) und den Protagonisten an der Seite zu stehen.
Ein vage offenes Ende lässt mich auf Sharps Beute hoffen...
80° Micha
Ulli-und-keine-5-Tage zu »Bernard Cornwell: Sharpes Trafalgar«10.09.2010
Mein erster Sharpe-Roman - ich kannte bislang nur die wunderbare TV-Serie mit Sean Bean in der Titelrolle - aber wenn der Roman nunmal auf See spielt, kann ich nicht widerstehen. Interessant war die Sicht des "Landlubbers" Sharpe auf das Seemannsleben, eine wirklich prima Ergänzung zu anderen Seefahrerromanen.

Sprachlich schnörkellos, die Charaktere handfest, Sharpe trotz manch moralisch bedenklicher Züge ein durchaus sympathischer Kerl, eine wirklich spannende Geschichte und dann noch eine Begegnung mit Lord Nelson und die Schlacht von Trafalgar - was will man mehr? Mir hat dieses Buch jedenfalls Lust auf mehr Bücher rund um Sharpe gemacht.
Stefan83 zu »Bernard Cornwell: Sharpes Trafalgar«07.03.2010
Leinen los für den vierten Teil aus der Richard-Sharpe-Reihe. Nachdem Bernard Cornwell in den ersten drei Bänden seine Leser noch durch die Schlachten der Marathen-Kriege geführt und den Werdegang des britischen Fußsoldaten in Indien gezeichnet hat, lässt er nun seinen heldenhaften Protagonisten dessen erstes und (bisher) einziges Abenteuer auf See bestehen.

Indien im Jahre 1805. Seit knapp fünf Monaten hält sich Ensign Richard Sharpe in Bombay auf. Abkommandiert zu den neu gegründeten 95th Rifles, sucht er nach einer passenden und, da er die Überfahrt aus eigener Tasche bezahlen muss, günstigen Mitfahrgelegenheit. Er findet sie in dem Ostindienfahrer „Calliope“, einem Handelsschiff unter dem Kommando von Captain Peculiar Cromwell, das im Konvoi Richtung Heimat segeln will. Bevor er jedoch an Bord geht, hat er in Bombay noch Wichtiges zu erledigen, denn Nana Rao, ein gewiefter indischer Händler, der ihn bei einem Geschäft übers Ohr gehauen hat, soll seine wohlverdiente Abreibung bekommen. Als er an dessen Haus angelangt, kreuzen sich seine Wege mit denen von Joel Chase. Der Captain des Zweideckers „Pucelle“ hat ebenfalls eine Rechnung mit Rao offen, aber nicht mit dessen Skrupellosigkeit gerechnet. Gemeinsam können sie die bedrohliche Situation meistern, wodurch Sharpe Chase zum Freund gewinnt … etwas was ihm nur allzu bald von Nutzen sein soll.

Einige Tage später läuft die „Calliope“ aus. Neben Lord William und dessen bildhübscher Frau Grace befindet sich auch ein „alter Bekannter“ aus den Marathen-Kriegen an Bord. Sharpe versucht die ereignislose Überfahrt so gut es geht zu genießen, bis ein Sturm das Schiff vom Rest des Konvois trennt. Kurz vor Madagaskar wird die nun allein segelnde „Calliope“ von dem französischen Zweidecker „Revenant“ gesichtet und nach nur wenigen Stunden aufgebracht. Sharpe, der sich über den halbherzigen Fluchtversuch von Captain Cromwell wundert, wittert Verrat. Nun Gefangener der Franzosen, droht ihm eine dunkle Zelle auf Mauritius. Doch wie so oft ist das Glück auf seiner Seite. Captain Joel Chase, damit beauftragt die „Revenant“ zu versenken, kann die „Calliope“ abfangen und aus französischer Hand befreien. Gemeinsam macht man sich jetzt an die Verfolgungsjagd, welche beide Schiffe bis zum Kap Trafalgar vor der spanischen Küste führt. Dort soll am 21. Oktober 1805 eine der größten Seeschlachten in der Geschichte geschlagen werden. 27 britische gegen 33 französische und spanische Schiffe. Und Richard Sharpe mittendrin …

Bernard Cornwell weicht auch diesmal keinen Jota von seinem bewährten Erfolgsrezept ab und lässt den nur langsam an Tempo gewinnenden Roman mal wieder mit einer furiosen Schlacht abschließen. Bis dahin ist es für den Leser jedoch ein weiter und manchmal auch zäher Weg. Flaute herrscht nicht nur beim Wind, auch der Erzählfluss will sich nicht so recht einstellen. Sharpe, der sich sichtlich langweilt, erobert zwar das Herz einer weiteren Dame, sonst passiert jedoch wenig. Zudem kann Cornwell sehr viel, Liebesgeschichten beschreiben gehört allerdings nicht zu diesen Talenten. Je mehr sich die Handlung aber nach Trafalgar verlagert, umso besser fasst sie Fuß, denn von militärhistorischen Details lebt auch dieser Roman. Sharpe, welcher als Infanterist eigentlich auf dem Deck eines mit 74 Kanonen bestückten Schiffes so gar nichts zu suchen hat (Cornwell gesteht dies im Nachwort selbst und gibt dort eine Erklärung dafür), dient einmal mehr als Spiegel der napoleonischen Ära, in welcher der Leser bereits nach wenigen Seiten eintaucht. Mit viel Liebe zum Detail und doch ohne zu überfrachten, skizziert Cornwell das Leben an und unter Deck eines Segelschiffs der britischen Navy im frühen 19. Jahrhundert. Und wer bis dato dachte, der Autor wäre nur billiger Kopist von Forrester, O‘Brian und Co. sieht sich allerspätestens im letzten Drittel eines Besseren belehrt.

Um es auf den Punkt zu bringen: Cornwells Darstellung der Schlacht von Trafalgar ist einmal mehr ein Erlebnis ohnegleichen. Niemand anderes im Genre des militärhistorischen Romans schreibt so bildreich, kann derart eindringlich Worte zu Gegenständen im Geiste formen und seine Leser in einen erschreckenden Kampfestaumel versetzen. Kanonenqualm, vorbeifliegende Gewehrkugeln und Holzsplitter, Blut und Tod. All das meint man zu sehen, zu hören und zu fühlen. Ja, es ist viel Pathos dabei, viel glänzendes Heldentum. Aber es ist gleichzeitig auch die Abbildung der bitteren Realität des Krieges. Schiffe, die nebeneinander steuern, um sich dann gegenseitig zur Hölle zu schießen. Soldaten, die verbittert mit Entermesser und Säbel durch ihre Gegner hacken. Wer zart besaitet ist, klappt spätestens hier den Deckel zu. Selbst der Film „Master and Commander“ hat das Grauen eines Seegefechts nicht derart erschütternd wiedergegeben.

Richard Sharpe bleibt, wie natürlich immer, von all dem unbehelligt. Ihn passiert jede Kugel, verfehlt jeder Säbelstreich. Er ist unnahbar und augenscheinlich unverwundbar. Eine Ein-Mann-Armee ohne große Skrupel, die sich in diesem Band zudem an einer Stelle von der allerschlimmsten Seite zeigt. Trotzdem mag man ihn, diesen Dreckskerl, der immer wieder die Wege der Großen (erst Arthur Wellington, jetzt Admiral Nelson) kreuzt und von der oberen Gesellschaft wegen seiner barbarischen Art geächtet wird. Er bleibt unangepasst und das macht ihn sympathisch, lässt uns Leser nach neuen Abenteuern gieren. Möge bald das nächste kommen!

Insgesamt ist „Sharpes Trafalgar“ ein Buch wie ein Faustschlag. Es holt zwar ziemlich weit und lang aus, trifft aber am Ende nur umso fester. Wieder mal äußerst packender, spannender Lesestoff, in den Cornwell erstaunlich viele historische Fakten mit eingeflochten hat. Für alle Freunde militärhistorischer Romane eine echte Empfehlung. Für Sharpe-Fans ein unverzichtbares Muss!
maupe zu »Bernard Cornwell: Sharpes Trafalgar«03.12.2009
Drei Tage für dieses Buch war furchtbar lang, doch leider stört einen der tägliche Ablauf dabei dies Buch von Cornwell nicht aus der Hand zu legen.

Trafalgar, die Schlacht Nelsons. Vorher nur eine Randnotiz in den Geschichtsbüchern für mich. Doch auch hier schafft es der Autor den Hintergrund mit seinem Ensign Sharpe zu verbinden, welcher dort eigentlich nichts zu suchen hatte (des Autors eigene Worte ;-)).

Fesselnd bis zur letzten Seite mit nur einem Wermutstropfen, wenn man die englische Ausgabe gelesen hat. Der Verlag hat eine Szene zensiert. Ärgerlich! Ein Mann wird getötet und knackt, knirscht und röchelt es noch im englischen so ist er in der deutschen Ausgabe schlichtweg tot.

Wer diesen Autor liest, der weiß was einen erwartet. Die Gründe für diesen Eingriff bleiben mir ein Rätsel.

Jetzt heißt es warten auf "Sharpes Beute". Aber vielleicht erbarmt sich der Verlag wieder und zieht den Erscheinungstermin vor.
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