Sharpes Sieg von Bernard Cornwell

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 1998unter dem Titel „Sharpe's Triumph“,deutsche Ausgabe erstmals 2009, 463 Seiten.ISBN 3-404-15982-9.Übersetzung ins Deutsche von Joachim Honneff.

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Kurzgefasst:

Richard Sharpe wird Zeuge eines Massakers an einem britischen Außenposten – verantwortlich ist ein englischer Offizier, der zur verfeindeten Marathen-Konföderation übergelaufen ist. Sharpe begibt sich auf die Jagd nach dem Verräter. Dabei muss er tief ins Feindesland vordringen und wird bald selbst zum Gejagten. Sein Weg führt ihn zu dem kleinen Dorf Assaye, wo die englische Armee sich einer gewaltigen indischen Übermacht stellen muss. Unter den Reihen des Feindes ist auch der Überläufer. Sharpe wittert die Chance, ihn ein für alle Mal zu stellen.

Das meint Histo-Couch.de: „Sharpe kehrt zurück – noch besser als vorher!“93Treffer

Rezension von Christina Wohlgemuth

Indien, im Jahre 1803. Vier Jahre nach der Eroberung von Seringapatam hat Sharpe noch immer Probleme damit, ein Seargent zu sein. Seinen alten Feind Hakeswill wird er nicht los, seine Beute kann er nicht unbemerkt zu Geld machen. Doch dann wird Sharpe Zeuge eines blutigen Massakers an einer englischen Garnison und schwört Rache an diesem Deserteur, der jetzt in der feindlichen Armee dient. Gemeinsam mit Colonel McCandless soll Sharpe den Mann finden, festnehmen und ihn der Gerechtigkeit zuführen – doch Sharpe schliddert erneut in eine Schlacht, diesmal bei Assaye. Und der Feind ist zahlenmäßig weit überlegen, der junge Kommandeur Wellesley gilt trotz seiner Fähigkeiten als unerfahren. Wie soll Sharpe das nur überleben?

Ein alter Anti-Held kehrt zurück

Wer Richard Sharpe bereits aus Band 1 Sharpes Feuerprobe kennt, weiß, was er von ihm zu erwarten hat – und was nicht. Sharpe ist nicht glorreich, Sharpe ist nicht selbstlos, Sharpe ist nicht heldenhaft. Sharpe denkt in erster Linie an sich selbst. Und dennoch – oder gerade deswegen? – wächst der Haudegen dem Leser ans Herz, ist die Wiederbegegnung mit ihm herzlich und freudig.

Das gilt auch für andere wiederkehrende Charaktere – selbst Sharpes Nemesis Hakeswill darf wieder mitmischen und „Sharpie“ nach dem Leben trachten. Natürlich dürfen auch historische Figuren nicht fehlen – Arthur Wellesley, der spätere Duke of Wellington, bekommt dieses Mal eine deutlich größere Rolle als im Vorgänger. Die Figurenzeichnung gelingt erneut ganz ausgezeichnet, bedient zwar in gewisser Weise Stereotypen und überzeugt dennoch.

Insbesondere das Verhältnis zwischen Sharpe und seinem Kommandeur Wellesley ist für den Leser eine Freude. Sharpes widerstreitende Empfindungen – seine Ablehnung der arroganten Offizierskaste, seine Ablehnung des förmlich-unterkühlten Wellesley ebenso wie sein Streben nach Anerkennung – spielen eine wichtige Rolle im Roman und auch für die Weiterentwicklung von Sharpe.

Ein sehr gut recherchierter militärhistorischer Roman

Wie bei Cornwell nicht anders zu erwarten spielt der militärische Aspekt wieder eine sehr große Rolle. Die Schlacht bei Assaye wird detailverliebt rekonstruiert, ebenso der Alltag unter britischem Kommando. Der Leser sollte hier ein gewisses Interesse an diesem Bereich der Geschichte mitbringen, idealerweise sogar Vorkenntnisse – denn sonst erschlägt Cornwell den Leser schnell. Wer sich jedoch darauf einlässt und das Interesse hat, vor dessen Auge ersteht die damalige Epoche lebendig und farbenfroh wieder auf.

Auch dieser „Sharpe“ macht Lust auf mehr!

Nicht zuletzt macht Cornwells Schreibe einfach Spaß: seine actionintensiven Schlachtenszenen, sein stellenweise schwarzer Humor, seine lebendige Erzählweise machen auch Sharpes Sieg wieder empfehlenswert und unterhaltsam. Und wer das Buch mit Interesse liest, wird sich am Ende fragen, wie es denn mit Dick Sharpe weitergeht in Indien – und beruhigt feststellen, dass der Lesestoff noch lange nicht zu Ende ist.

Ihre Meinung zu »Bernard Cornwell: Sharpes Sieg«

Hannes zu »Bernard Cornwell: Sharpes Sieg«24.01.2016
Mir waren die geschilderten Schlachten und Schlachtenorte völlig unbekannt. Ich nehme an, dass ich mit diesem Unwissen nicht allein bin. Aber das Internet macht es möglich mehr zu erfahren, wobei diese Erfahrung nur auf englisch möglich ist. Der Text im Internet zeigte deutlich, wie gewissenhaft der Autor recherchiert hat.
Ich kann mich der Meinung meines Vorredners nicht anschliessen, dass es in diesem Band erst rechz ruhig zu geht. Es ist das einzigartige Können Bernard Cornwells konsequent auf ein Ereignis wie der Schlacht von Assaye zu zusteuern, so dass eine ständige Spannung vorhanden ist.
Es zeichnet sich in Sharpes Beute auch ab, dass wohl die geschichtliche Hauptperson Sir Arthur Wellesly ist.
wampy zu »Bernard Cornwell: Sharpes Sieg«18.10.2015
Buchmeinung zu Bernard Cornwell – Sharpes Sieg

„Sharpes Sieg“ ist ein militärhistorischer Roman von Bernard Cornwell, der 2009 als Taschenbuch bei Bastei-Lübbe erschienen ist. Die Originalausgabe erschienen 1998 unter dem Titel „Sharpe's Triumph“. Der Roman spielt um 1803 in Indien und hat die Schlacht von Assaye zum Thema.

Klappentext:
Richard Sharpe wird Zeuge eines Massakers an einem britischen Außenposten – verantwortlich ist ein englischer Offizier, der zur verfeindeten Marathen-Konföderation übergelaufen ist. Sharpe begibt sich auf die Jagd nach dem Verräter. Dabei muss er tief ins Feindesland vordringen und wird bald selbst zum Gejagten. Sein Weg führt ihn zu dem kleinen Dorf Assaye, wo die englische Armee sich einer gewaltigen indischen Übermacht stellen muss. Unter den Reihen des Feindes ist auch der Überläufer. Sharpe wittert die Chance, ihn ein für alle Mal zu stellen.

Meine Meinung:
Wie schon bei dem Vorgänger Sharpes Feuerprobe ist Richard Sharpe als Unteroffizier in Indien unterwegs. Er ist ein knallharter Typ, dem es vor allem um sein Auskommen geht. Er verachtet die Offiziere, die ihre Untergebenen wie Dreck behandeln. Und trotzdem will er ein Offizier werden. Er sucht seinen Vorteil und setzt dennoch sein Leben für die britische Armee ein. Wie ein Offizier s sinngemäß ausdrückt: Er ist kein guter Mensch, aber er ist ein sehr guter Soldat.
Vielleicht sind es diese Grautöne, die den Leser Gefallen an Richard Sharpe finden lassen. Der Autor beschreibt die britische Armee mit all ihren Mängeln und wie überall gibt es gute und weniger gute Leute. Eine der übelsten Personen darf auch in diesem Roman nicht fehlen – Sergeant Hakeswill. Wie Sharpe ist auch Hakeswill ein Überlebenskünstler, nur fehlt ihm jede positive Eigenschaft.
Generell geht es jedoch in diesem Band zuerst recht ruhig zu. Bei der Verfolgung eines ehemaligen britischen Offiziers gerät Sharpe zusammen mit seinem Mentor Colonel McCandless in die Hände des Gegners. Dort erhält er einen Überblick über die gewaltige nahezu übermächtige Streitmacht und ein Angebot, als Offizier die Seiten zu wechseln. Aus Treue zu seinem Colonel lehnt er dieses Angebot ab und so zieht er auf der britischen Seite in die Schlacht von Assaye.
Bei der Schilderung des Kampfverlaufs und der ganzen Grausamkeit des Kampfes entfaltet Cornwell sein ganzes Potential. Man begleitet die Soldaten auf ihrem schweren Weg und fragt sich, wie es sein kann, das diese Soldaten unbeirrt voranschreiten, obwohl es für viele den Tod bedeutet und sie sich vorerst noch nicht einmal wehren können.
Aus militärischer Sicht beschreibt Cornwell die Taktiken beider Seiten und welche Fehler letztendlich den Ausschlag gegeben haben. Dabei verzichtet er auf jede Form der Schwarzweissmalerei. Auch das Verhalten der europäischen Offiziere auf der indischen Seite wird in seiner ganzen Zweifelhaftigkeit hinterleuchtet. Wenn eine Niederlage droht, setzt man sich ab und versucht sein Hab und Gut zu retten. Und beim Leser bleibt das Gefühl, das es Sharpe in einem solchen Fall ganz genauso machen würde, wenn man ihn denn lassen würde.

Fazit:
Dieser Band hat mich nicht so begeistert wie sein Vorgänger. Trotzdem fiebert man mit Richard Sharpe mit und bewundert fasziniert das Schlachtengemälde, das Cornwell in unvergleichlicher Art und Weise zeichnet. Doch gerade im ersten Teil des Buches gibt es einige Längen und der Spannungsbogen kommt erst langsam auf Touren. Insgesamt reicht es aber zu guten vier Sternen und einer Leseempfehlung für alle, die mit der teilweise grausamen und brutalen Schilderung zu recht kommen.
M.Reinsch zu »Bernard Cornwell: Sharpes Sieg«31.03.2011
Irgendwie ist es nicht meine Zeit, das angehende 19te Jahrhundert...
Auch wenn Cornwell eine wunderbare Art hat uns in die Fänge der britischen Armee dieser Zeit zu ziehen, habe ich nicht den richtigen Biss für die Geschichte.
Es liest sich sehr flüssig und die Schlachtszenen sind wieder sehr herbe (aber das kennt man ja). Nun sind also 4 Jahre vergangen seid Sharps Feuerprobe (irgendwie frage ich mich, was war in dieser Zeit?) und endlich gibts wieder ein paar Schlachten zu schlagen. Wieder gibt es den (ekelig) fiesen Obedayha (der Mann ist wirklich nicht tot zu kriegen) und die versnobten Offiziere. Einmal mutiert Sgt.Sharp auch zum "Superman", aber ehrlich, man kann es sich recht gut vorstellen in dieser Szene.
Etwas verwirrend die ganzen Schlachtzugbeschreibungen (mir rauchte der Kopf und ich war dankbar über die Karte am Buchanfang) in Assaye.
Nun hat mich die Sache also doch etwas angefressen und ich habe mir den nächsten Sharp genommen....
75° Micha
Stefan83 zu »Bernard Cornwell: Sharpes Sieg«13.08.2009
Geschichte kann ziemlich dröge und langweilig sein. Es sei denn, man gerät an jemanden, der sie lebendig und spannend vermitteln kann. Bernard Cornwell ist so einer und schickt sich nebenbei an, zu einem meiner absoluten Lieblingsautoren zu werden.

Bereits der erste Band aus der Reihe um den jungen britischen Soldaten Richard Sharpe vermochte über lange Strecken zu fesseln. Mit dem Nachfolger "Sharpes Sieg" legt er die Latte nun noch ein Stückchen höher. Nicht nur, dass die Übersetzung, welche im ersten Teil doch streckenweise sehr grausig war, sich verbessert hat. Auch die Geschichte selbst brilliert mit einem Spannungsbogen, der nur eine Richtung kennt. Und zwar steil nach oben. Sooft ich es auch versucht habe eine Pause einzulegen, das Buch an die Seite zu legen, zu verschnaufen. Es war mir nicht möglich, der Plot einfach zu mitreißend.

Erneut spielen sich die Ereignisse im Rahmen der britischen-indischen Militärgeschichte ab. Genauer gesagt vier Jahre nach Sharpes Abenteuer bei Seringapatam. Der ehemalige Fußsoldat des 33. Regiments ist mittlerweile Sergeant und führt ein vergleichsweise ruhiges Leben als Hilfskraft in der Waffenkammer von Major John Stokes. Doch wie so oft im Leben von Richard Sharpe ist die nächste Schlacht nicht weit entfernt.

Während eines Besuchs in dem benachbarten britischen Außenposten von Chasalgaon wird er Zeuge eines schrecklichen Massakers. Major William Dodd, ehemaliger Soldat der East India Company und zum Tode verurteilter Deserteur, der zu der Marathen-Konföderation übergelaufen ist, lässt das Lager dem Erdboden gleichmachen, tötet jeden Mann, jede Frau und jedes Kind. Nur durch Zufall bleibt Sharpe am Leben und hat fortan nur noch ein Ziel: Rache. Die Chance diese zu erhalten, bietet sich ihm schneller als gedacht. Sein alter Freund Colonel McCandless wählt ihn aus, um Dodd, der sich mit seinen Truppen bei Ahmadnagar verschanzt hat, aufzuspüren und gefangen zu nehmen. Gemeinsam dringen sie tief ins Feindesland vor, nicht wissend, dass sie selbst zu Gejagten geworden sind. Denn der irre Sergeant Obadiah Hakeswill hat noch eine alte Rechnung mit seinem Erzfeind Sharpe offen. Bei Assaye sollen sich ihre Wege kreuzen ... und eine gewaltige Schlacht geschlagen werden.

Ich lasse mich selten zu Begeisterungsstürmen hinreißen, aber in diesem Fall bleibt mir einfach keine Wahl, denn der noch vergleichsweise ruhige Beginn entwickelt sich im weiteren Verlauf zu einer sich immer mehr zuspitzenden Story, die in einer Auseinandersetzung mündet, die schlichtweg sprachlos macht. Die Schlacht von Assaye ist ein Gemetzel sondergleichen, eine auf Papier gebrachte Collage der Gewalt und des Krieges, wie ich sie so nie zuvor gelesen habe. Man fühlt sich unwillkürlich an Filme wie "Gettysburg" oder "Der Patriot" erinnert, wenngleich selbst diese nicht an Cornwells epischen Stil heranreichen, der hier ein Porträt aus Blut, Rauch und Tod malt, das einem die Kinnlade runterklappen lässt. Regelrecht atemlos habe ich seine Schilderungen verfolgt, mich selbst als Fußsoldat inmitten heranmarschierender Schotten gefühlt. Und obwohl das Gefecht in diesem Dorf einen großen Teil des Buches umfasst, vermag an keiner Stelle Langeweile aufkommen.

Die Umgruppierungen von Bataillonen, das Aufpflanzen von Bajonetten und aufprotzen von Kanonen zieht genauso in den Bann, wie die persönlichen Konflikte der Figuren. Auch diese hat Cornwell hervorragend ausgearbeitet. So nimmt u.a. die Entwicklung Sharpes hier seinen Fortgang, der den Willen entwickelt weiterzukommen und insgeheim eine Karriere zum Offizier anstrebt. Und selbst neue Charaktere wie Dodd oder der Hannoveraner Pohlmann fügen sich gut ein, werden wie üblich nicht schwarz-weiß gezeichnet, sondern als Menschen dargestellt. Das Ende des Buches ist dann nicht nur prädestiniert für die Leinwand, sondern treibt einem förmlich zur Lektüre des nachfolgenden Bandes.

Insgesamt ist "Sharpes Sieg" ein eindrucksvolles, historisches Schlachtenepos mit Tiefgang, das einige emotionale und richtungweisende Momente für den weiteren Verlauf der Reihe enthält und mich auf allerbeste unterhalten hat. Ein absolutes Muss für alle Fans von militärhistorischen Geschichten. So steht's schon in der Bibel.
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