Sharpes Mission von Bernard Cornwell

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2003unter dem Titel „Sharpe\'s Havoc“,deutsche Ausgabe erstmals 2011, 400 Seiten.ISBN 3-404-16088-6.Übersetzung ins Deutsche von Joachim Honnef.

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Kurzgefasst:

Portugal, 1809. Frankreich ist auf dem Vormarsch, die portugiesische Armee gnadenlos unterlegen. Auch die britischen Einheiten scheinen nicht mehr viel tun zu können, um die französische Invasion zu stoppen. Abgeschnitten vom Hauptfeld, schlägt sich Richard Sharpe durch ein Land, das kurz vor dem Kollaps steht. Seine Mission: die schöne Britin Kate Savage zu beschützen. Dabei wird er gejagt, von einem Feind, der alles daran setzt, ihm den Garaus zu machen. Sharpe kennt nur eine Antwort darauf: Widerstand leisten. Mit allen Mitteln und bis zum Tod.

Das meint Histo-Couch.de: „Spannende Verräterjagd im französisch besetzten Spanien“88Treffer

Rezension von Christina Wohlgemuth

Spanien, 1809. Während sich die Engländer immer weiter von der iberischen Halbinsel zurückziehen, wird Richard Sharpe mit seinen Rifles von den Truppen getrennt. Sein Auftrag: die Tochter eines Engländers zurück nach Hause holen. Doch die Suche nach der jungen Frau führt dazu, dass Sharpes Weg den eines Mannes kreuzt, der Hochverrat begeht, um sich zu bereichern. Sharpe weigert sich, den Befehlen zum Rückzug zu gehorchen – und erklärt dem Verräter seinen eigenen, persönlichen Krieg. Doch neben den Feinden in den eigenen Reihen muss Sharpe auch noch verhindern, dass die Franzosen die Engländer endgültig vertreiben.

Sharpes Mission ist mittlerweile der siebte Roman um den Engländer Richard Sharpe, der zweite, der auf der iberischen Halbinsel spielt. Mitten in den napoleonischen Befreiungskriegen der Spanier sieht sich Sharpe demnach nicht nur seinem persönlichen Feind gegenüber, sondern auch der französischen Übermacht unter Marschall Soult. Und mit seinen Rifles, für die Sharpe immer mehr Verantwortungsgefühl entwickelt, gerät Sharpe somit mehr als nur einmal in gefährliche Situationen.

Altbewährtes Konzept mit frischen Elementen

Wer einen Sharpe-Roman liest, weiß, worauf er sich einlässt. Sharpe – ein Antiheld wie er im Buche steht – befindet sich in einer unbefriedigenden Situation, erhält einen Auftrag oder wird in einen solchen verwickelt und läuft zur Höchstform auf. Das mag auf den ersten Blick langweilig und monoton klingen – der Autor jedoch würzt die Geschichten immer wieder auf andere Art und Weise: mal steht Sharpes persönliche Entwicklung im Vordergrund, mal der militärhistorische Hintergrund. Mal kämpft er seinen eigenen, privaten Krieg, mal ist er mitten im Hauptgeschehen. All das sowie die stetige charakterliche Entwicklung der Figuren machen die Romane immer wieder aufs Neue lesenswert.

Neben der inhaltlichen Abweichung ist es vor allem die Fähigkeit des Autors, spannend und lebendig zu erzählen, die die Bücher um Sharpe immer wieder überzeugen lässt. Der Leser wird mitten in das Geschehen hinein geworfen, liegt mit den Rifles bei Feindbeschuss in Deckung und hetzt mit Sharpe dem Feind hinterher. All das lässt sich schnell und mitreißend lesen, ohne dabei banal daher zu kommen.

Historische Bezüge unterhaltsam eingewoben

Nicht zuletzt die historischen Kenntnisse des Autors heben die Romane um Richard Sharpe aus der Masse hervor. Nicht nur militärhistorische Details zeichnen den Roman aus, sondern auch ein besonderes Gespür für den Zeitgeist. Die rebellische Stimmung in Spanien gegen die französischen Besatzer kommt ebenso zum Tragen wie die Frustration auf Seiten der Engländer, die in einem Krieg mitmischen, der sie nur entfernt betrifft. Dabei vermittelt Cornwell seine Informationen nicht losgelöst vom Romangeschehen, sondern webt sie geschickt ein und sorgt so nicht nur für ein unterhaltsames, sondern auch für ein lehrreiches Lesevergnügen.

Alte Fans von Richard Sharpe werden sich hier in bekannte Gefilde begeben und sich erneut gut unterhalten lassen. Doch auch für neue Sharpe-Leser ist dieser Roman gut geeignet, da er alles hat, was einen guten Sharpe-Roman ausmacht.

Ihre Meinung zu »Bernard Cornwell: Sharpes Mission«

Stefan83 zu »Bernard Cornwell: Sharpes Mission«13.11.2014
In Zeiten, wo – unabhängig von der geschichtlichen Genauigkeit – unter „historischem Roman“ so ziemlich alles abgedeckt wird, was länger als fünfzig Jahre her ist, stellt Bernard Cornwell quasi das gallische Dorf dar, welches tapfer Widerstand gegen die Übermacht an Wanderhuren, Goldhändlerinnen, Hebammen oder Apothekerinnen leistet. Sein Zaubertrank: Eine penible, akkurate und vor allem in seinen Büchern stets glaubwürdig verarbeitete Recherche, die dem Anspruch der Genrebezeichnung tatsächlich gerecht und inzwischen immer öfter (und mit zweifelhaftem Erfolg) kopiert wird. Der Erfolg, nicht nur in seiner Heimat England, gibt Cornwell Recht. Und das war, nachdem er bereits Anfang der 90er Jahre hierzulande wenig beachtet veröffentlichtet wurde, so kaum zu erwarteten. Inzwischen steht der Name des britischen Schriftstellers weltweit stellvertretend für kompromisslos bildreiche Unterhaltung und militärhistorische Detailverliebtheit – und damit im krassen Gegensatz zum romantisch-verklärten Geschichtsbild seiner vielzähligen Mitkonkurrentinnen. Während er sich in Deutschland in erster Linie aufgrund der Sachsen-Reihe ein großes Lesepublikum verschaffen konnte, war in der englischen Heimat vor allem die Serie um den Soldaten Richard Sharpe für seinen schriftstellerischen Durchbruch verantwortlich. Diese Tatsache scheint auch der Autor selbst nicht vergessen zu haben, weshalb er in der Vergangenheit immer wieder zurückkehrt ist, um die zeitlichen Lücken des inzwischen 24 Bände umfassenden Epos über die Napoleonischen Kriege zu füllen.

Nachdem er in den Jahren 1997, 1998 und 1999 noch die ersten Abenteuer des jungen Sharpe in dem indischen Marathen-Konflikt erzählte, kehrte Cornwell 2003 mit „Sharpes Mission“ auf die Iberische Halbinsel und den Kriegsschauplatz Europa zurück – und somit dorthin, wo zu Beginn der 80er Jahre mit „Sharpes Trophäe“ die Reihe ihren Anfang nahm. „Sharpes Mission“ komplettiert nun die dem Auftakt vorhergehende Lücke und setzt kurz nach Sir John Moores Rückzugsgefechten in Spanien (siehe „Sharpes Aufstieg“) an:

Die Stadt Oporto, 29. März 1809, Portugal. Die französische Armee unter der Führung von Marschall Soult ist auf dem Vormarsch, die portugiesischen Kräfte trotz Unterstützung durch britische Einheiten hoffnungslos unterlegen. Unter der Bevölkerung der belagerten Stadt macht sich Panik breit. Militär und Zivilisten versuchen den Douro auf der improvisierten Ponton-Brücke schnellstmöglich zu überqueren, um sich in Sicherheit zu bringen, während bereits zahlreiche Dragoner brandschatzend in den Gassen einfallen. Inmitten des Chaos befindet sich auch Richard Sharpe, Lieutenant beim zweiten Bataillon der 95th Rifles seiner Majestät, welcher, derzeit mit seinen vierundzwanzig Männern Captain Hogan unterstellt, dem Pionier zuletzt bei der Kartografierung des nördlichen Portugals als Eskorte gedient hatte. Nun erhält er kurzerhand von diesem einen neuen Auftrag: Die junge Britin Kate Savage ist von zu Hause ausgerissen. Sharpe soll sie suchen und in die Sicherheit der eigenen Linien geleiten. Doch bevor er mit seinen Rifles die Mission überhaupt antreten kann, widerruft Lieutenant Colonel Christopher diesen Befehl und weist ihn stattdessen an, gemeinsam mit dem Rest den Truppen über den Douro zu setzen. Aber als Sharpe das Ufer erreicht, ist die Brücke zerstört, zahllose Menschen ertrunken … und der Fluchtweg abgeschnitten.

Nur Dank der Hilfe von Vicente, einem Leutnant der portugiesischen Armee, entkommt Sharpe schließlich aus der Stadt. Getrennt von der Hauptstreitmacht ziehen sie sich in die abgelegenen Berge zurück. Sharpe ahnt nicht, dass bereits jemand die Jagd auf ihn eröffnet hat. Ein Feind aus den eigenen Reihen. Wieder einmal muss Richard Sharpe das tun, was er am besten kann: Widerstand leisten – bis zur letzten Kugel …

In der Retrospektive dieser Lektüre stellte sich mir vor allem eine Frage: Ist „Sharpes Mission“ jetzt nun das langersehnte fehlende Bindeglied oder – wie schon „Sharpes Beute“ – nur ein bemühter Lückenfüller, mit dem Bernard Cornwell seinen Helden Sharpe noch ein bisschen länger am Leben halten wollte. Die Antwort liegt wohl irgendwo dazwischen, da der vorliegende Roman zwar einmal mehr wenig Neues hinsichtlich der Hauptfiguren zutage fördert, mit der Zweiten Schlacht von Oporto (12. Mai 1809) jedoch ein wichtiges historisches Ereignis der Napoleonischen Kriege auf der Iberischen Halbinsel abhandelt, deren Ausgang vor allem hinsichtlich der späteren Karriere von Arthur Wellesley von Bedeutung ist. Der schmachvolle Rückzug der von den Briten verfolgten Franzosen gilt als Wendepunkt im Konflikt um Portugal und als erste herbe Niederlage für die Streitkräfte Napoleons, welche bis dahin all ihre Feinde vor sich hergetrieben hatten. Und was bietet sich schon besser an, als eine große Schlacht, um den Bastard Sharpe und seine Rifles in Szene zu setzen?

Bis es zu dieser kommt, überrascht „Sharpes Mission“ mit einer, zumindest für die Serie, äußerst ruhigen, reflektierten Erzählweise, in der zur Abwechslung neben dem Krieg auch noch andere Themen behandelt werden, welche sonst eher wenig Raum in den actionreichen Abenteuern des Richard Sharpe einnehmen. Auslöser der verhältnismäßig vielen Gespräche ist zumeist Leutnant Vicente, der in Friedenszeiten als Anwalt tätig, seine Neugierde kaum zügeln und nicht genug über seine britischen Verbündeten erfahren kann. Sharpe, der als Kind der Londoner Gossen von Rechtsverdrehern naturgemäß nicht viel hält, liefert sich einige Wortgefechte mit dem Portugieser, der sich im weiteren Verlauf jedoch immer mehr als wertvoller Waffenbruder herausstellt.

Noch wichtiger als die Verbündeten sind allerdings in der Sharpe-Serie die Antagonisten. Und leider muss man sagen: Ein Feind vom Format eines Obadiah Hakeswill (kongenial verkörpert durch Pete Postlethwaite in der Serie „Die Scharfschützen“) wird auch in „Sharpes Mission“ schmerzlich vermisst, da sich die Schwächen unseres Titelhelden einmal mehr in Grenzen halten und die Romane doch sehr oft ihre Spannung gerade aus der finalen Auseinandersetzung der Gegner ziehen. In diesem Fall ist jener Sharpe nicht mal annähernd ebenbürtig, was wiederum das ohnehin schon selten bemühte Gefahrenmoment – an Richard Sharpe scheint jede Kugel vorbeizufliegen – zusätzlich niedrig hält. Das scheint auch Bernard Cornwell bemerkt zu haben, der den Zweikampf dadurch würzt, dass Sharpe sein von Wellesley erhaltenes Fernrohr gestohlen wird. Mehr noch als die übliche Pflichterfüllung, ist es dieses Motiv, welches unseren Schützen dazu bewegt, dem Dieb und Verräter bis in die Menge einer marschierenden französischen Armee hinein zu verfolgen. Hier kommt es zum serienüblichen, aber auch erneut äußerst atmosphärischen und packenden Showdown, in dem der Gewinner natürlich von vorneherein feststeht.

Nichtsdestotrotz – mit „Sharpes Mission“ gelingt Bernard Cornwell ein routiniert-guter, aber auch wenig spektakulärer Brückenschlag zum nachfolgenden (und einstmals erstveröffentlichten) Band „Sharpes Trophäe“, in dem Sharpe, Harper, Tongue, Hagman und die anderen Rifles wieder ihre Baker-Gewehre schultern, um für Georg III. gegen die Franzosen ins Feld zu ziehen.

„To 'list and fight the foe today
Over the Hills and far away.“
M.Reinsch zu »Bernard Cornwell: Sharpes Mission«04.07.2012
Von der britischen Armee abgeschnitten, fällt Sharpe mit seinen Männern auf einen britischen Verräter herein, der ihm auch noch sein Fernglas stielt. Erst bei der Befreiungsschlacht um Oporto können sich Sharpe und seine Männer wieder der britischen Armee (nun unter Sir Arthur Wellesley) anschließen. Nun gilt es Jagd auf den Verräter und sein gestohlenes Fernrohr zu machen....
Dies ist das bisher fehlende Bindeglied zwischen den beiden wichtigen Romanen "Sharpes Aufstieg" und "Sharpes Adler". Das erste Aufeinandertreffen von Engländern und Franzosen hat schon stattgefunden doch nun übernimmt Sir Arthur Wellesley, das Oberkommando der britischen Armee. Dieser ist nicht gewillt Frieden mit den Franzosen zu schließen und geht zum Angriff auf General Soult und seien Truppen über. Die erste Befreiung Portugals beginnt ...
Durch das abgetrennt sein der Schützen, von der Hauptstreitmacht, nimmt sich Cornwell die Zeit, mehr auf seine Protagonisten einzugehen. So erfährt man etwas mehr über Hagman (der wohl von der Fernsehserie inspiriert das erste Mal "Over the Hills" pfeift) und seine Kunst, als der beste Schütze zeigen kann...
Liebevoll geht er auf den ewigen Konflikt der iren mit den Briten ein (Hogan und Harper haben wunderbare Wortgefechte mit Sharp und einem portugiesischen Leutnant). Und auch an Sharp zeigen sich neue und interessante Seiten - zumal er endlich, einmal nicht, als der "Supermann" dargestellt wird!
Fazit: eher ein ruhiger Sharp, aber wunderschön zu lesen und mit vielen wichtigen Zwischentönen!
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