Sharpes Feuerprobe von Bernard Cornwell

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 1997unter dem Titel „Sharpe's Tiger“,deutsche Ausgabe erstmals 2008, 460 Seiten.ISBN 3-404-15862-8.Übersetzung ins Deutsche von Joachim Honneff.

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Kurzgefasst:

Indien, 1799. Die britische Armee bereitet sich auf die Belagerung der Inselfestung Seringapatam vor, als ein britischer Offizier in Gefangenschaft gerät. Der junge Soldat Richard Sharpe soll den Mann befreien. Um dem tyrannischen Sergeant Hakeswill zu entkommen und sich vor einer Auspeitschung zu retten, nimmt Sharpe den Auftrag an. Doch die Stadt des indischen Herrschers Tipu Sultan ist fremdartiger und gefährlicher, als er sich jemals hätte träumen lassen. Plötzlich liegt auch das Schicksal seiner Kameraden in Sharpes Händen.

Das meint Histo-Couch.de: „Ein heldenhafter Anti-Held erobert Seringapatam – und die Herzen der Leser“91Treffer

Rezension von Christina Wohlgemuth

Indien, 1799. Die britische Armee lagert vor der Inselfestung Seringapatam, in der Sultan Tippu herrscht. Unter den britischen Soldaten ist auch Private Richard Sharpe. Drangsaliert von Hakeswill, seinem tyrannischen Sergeant, denkt Sharpe immer häufiger ans Desertieren. Um sich vor einer lebensgefährlichen Auspeitschung zu retten, nimmt er daher dankend an, als er mit einem Geheimauftrag nach Seringapatam geschickt wird. Doch Sharpes Weg wird gefährlicher, als er es sich ausmalt, und bald liegt der Ausgang der Schlacht in Richard Sharpes Händen …

Der Auftakt einer langen Reihe mit interessanten Charakteren

Sharpes Feuerprobe ist der chronologisch erste Roman aus der Reihe um Richard Sharpe. Sharpe, hier noch Private, ist noch weit entfernt von dem Helden, den man aus späteren Romanen kennt. Ständig bereit, zu desertieren, verbindet ihn zunächst augenscheinlich wenig mit „seiner“ Armee. Dazu tragen auch Gestalten wie Sergeant Hakeswill bei, der die gemeinen Soldaten verachtet und in dem aufmüpfigen Sharpe ein Lieblingsopfer gefunden hat.

Cornwells Charaktere erscheinen auf den ersten Blick wie stereotypen, entwickeln sich jedoch Seite für Seite weiter und werden markanter, schimmern in Grautönen. Insbesondere Richard Sharpe ist alles andere als der klassische Held: seiner Liebsten nicht treu, pfeift er meist auf England und seinen König, mit dem ihn nichts verbindet. Dem Autor gelingt es dennoch, dem Leser Sharpe ins Herz zu schreiben. Interessante Nebencharaktere wie der französischen Colonel Gudin, der in Tippus Diensten steht, runden den Roman ab. Da stört es auch nicht weiter, dass Cornwell in einem einfachen, dennoch unterhaltsamen Stil erzählt.

Cornwell-typisch militärlastig

Wer auch nur einen Roman von Bernard Cornwell gelesen hat, weiß, dass die Schlacht, das Militär, das Kämpfen immer einen wichtigen Teil in seiner Geschichte einnimmt. Das mag nicht jeder mögen – doch Cornwell hat ein enormes Gespür für solche Geschichten. Trotz seiner Detailverliebtheit erzählt er lebendig, leidenschaftlich, intensiv – so sehr, dass der Leser meint, selbst die Kugeln pfeifen zu hören, die den Charakteren um die Ohren fliegen. Auch militärische Taktik gehört zum täglich Brot, allerdings wird auch diese interessant und lebendig dargestellt.

Historische Abweichungen mit Berechtigung

Wer nach dem Lesen des Romans zu Cornwells Nachwort gelangt, wird feststellen, dass manche Geschehnisse des Romans nicht zur Gänze den historischen Tatsachen entsprechen. Der Autor zeigt jedoch en detail auf, wo er vom aktuellen Forschungsstand abweicht und warum. Alle Abweichungen dienen der Dramatik der Geschichte und sind ohne Weiteres zu verschmerzen. Als historisches Gesamtpaket, als spannender Roman ist Sharpes Feuerprobe daher ohne Weiteres weiterzuempfehlen. Leser, die gar kein Interesse an Militärhistorie haben, sollten sich jedoch erst probeweise einlesen, ob Cornwell ihren Nerv trifft.

 

Ihre Meinung zu »Bernard Cornwell: Sharpes Feuerprobe«

Hannes zu »Bernard Cornwell: Sharpes Feuerprobe«22.01.2016
Dies ist mein erster Roman den ich von Bernard Cornwell gelesen habe.
Ich bin begeistert. Mit Akribie wird hier dem Leser ein Stück britischer Kolonalgeschichte näher gebracht, die in Deutschland mehr oder weniger unbekannt ist. Im Geschichtsunterricht kannte man zwar den Kampf Briten gegen Franzosen Mitte des 18. Jahrhunderts´, aber nur als Vorteil für Friedrich II., indem französische Armeen für den europäischen Krieg nicht zur Verfügung standen. Sonst war der indische Subkontinent ein weißer Fleck auf der Geschichtskarte. Genau so wie die Person des späteren Duke of Wellington, der plötzlich bei der Schlacht von Waterloo als Deus ex Machina erschien.
Und nun das ganze verpackt in einen atemberaubenden Abenteuerroman. Ich bin gespannt auf weitere Romane dieser Reihe.
M.Struppek zu »Bernard Cornwell: Sharpes Feuerprobe«15.05.2012
Gelungener und gut recherchierter Kolportageroman, der die Vorgeschichte des Richard Sharpe auf einem Feldzug in Indien erzählt.
Angenehm ist die Ambivalenz, mit der Cornwell seinen Sharpe zwar einen echten Helden sein läßt, ihm aber gleichzeitig einen schwierigen Charakter mitgibt und das Leben in der Armee keinesfalls glorifiziert.
Actionreiche, leicht verdauliche Kost.
Textor zu »Bernard Cornwell: Sharpes Feuerprobe«22.07.2009
Ein echter Jugenroman für Männer!
:-)
Abenteuer, Helden, Bösewichte - eine klassische Abenteuergeschichte.

Wird nicht jeder mögen.
Ich aber kann die "neuen" deutschen Erstauflagen der Romanreihe nur empfehlen.

Nachteil: Bisher hat sich der Verlag dazu leider nicht durchringen können, eine Neuauflage der bereits 1990/91 auf Deutsch erschienenen, nicht mehr im Buchhandel erhältlichen Bücher herauszubringen.
Stefan83 zu »Bernard Cornwell: Sharpes Feuerprobe«03.07.2009
Richard Sharpe ist wieder zurück.

Im Zuge des Erfolgs vom Rowohlt Verlag und Cornwells Sachsen-Saga, wagt sich jetzt auch Bastei Lübbe an die Wieder- bzw. Neuveröffentlichung der seit Anfang der 80er laufenden Sharpe-Reihe. Im englischsprachigen Raum ein Riesenerfolg und unter anderem von BBC mit Sean Bean in der Hauptrolle verfilmt, hat sie den Durchbruch in Deutschland nie so richtig geschafft. Es bleibt zu hoffen, dass es jetzt im zweiten Anlauf klappt und der Verlag sein Vorhaben, alle derzeit 21 Bände zu veröffentlichen, in die Tat umsetzen kann. Den Anfang macht man nun mit "Sharpes Feuerprobe". Eine sehr gute Wahl, ist er nicht nur storytechnisch ein guter Einstieg, sondern auch chronologisch gesehen der allererste Band. Die Story sei hier kurz angerissen:

Wir befinden uns im Indien des Jahres 1799. Genauer gesagt im Maisur-Gebiet nahe von Seringapatam. Nachdem vor knapp sieben Jahren die Festung unter der Herrschaft des Tipu Sultan im Verhandlungen mit Cornwallis einem Stillstandsabkommen zugestimmt hat, sieht sich nun die britische Armee erneut zum Angriff auf die Stadt gezwungen, denn Napoleon ist mittlerweile in Ägypten gelandet, um von dort seinerseits Indien zu bedrohen. Und auch im Maisur-Gebiet selbst wächst der Einfluss der Franzosen, mit denen sich der Tipu Sultan inzwischen offiziell verbündet hat. Mit dem Fall Seringapatams soll dieser Einfluss endgültig gebrochen werden. Inmitten der britischen Armee von knapp 50.000 Mann marschiert auch der junge Richard Sharpe, Fußsoldat im 33. Regiment unter dem Kommando von Colonel Arthur Wellesley (der spätere "Duke of Wellington", 1815 Sieger über Napoleon bei Waterloo), mit. Er trägt sich mit Gedanken an Desertierung, zumal er sich mit dem tyrannischen Sergeant Hakeswill einen Feind fürs Leben geschaffen hat. Als die Schikanen für ihn drohen lebensgefährlich zu werden, scheint ein riskanter Auftrag der einzige Ausweg zu sein:

Er soll in die Festung Seringapatam eindringen, um einen dort gefangen gehaltenen Offizier zu befreien, der die Verteidigungsanlangen ausgekundschaftet hat oder zumindest dessen gesammelte Informationen zurück zu Armee zu bringen. Ein Himmelfahrtskommando ... und die Feuerprobe für den späteren Held der napoleonischen Kriege.

Wie immer versteht es Bernard Cornwell meisterhaft, die tatsächliche Historie mit seinen fiktiven Romanfiguren zu verbinden. Zwar laufen auch hier, wie in der Sachsen-Saga, die Romane stets nach dem gleichem Schema (große Schlacht, Showdown am Ende, Sharpe rettet für Wellington den Tag) ab, aber Langeweile vermag an keiner Stelle aufzukommen. Dafür schildert Cornwell zu farbig, ist er wahrlich begnadet in der Beschreibung von Schlachten. Und die größte Leistung der Serie ist auch die Figur selbst. Ein interessanter, liebenswerter Romanheld, fehlbar, unmoralisch (nicht selten Dieb, Mörder oder Ehebrecher), der aber gleichzeitig von einem starken Ehr- und Loyalitätsgefühl beseelt ist. Ein Frauenheld sondergleichen, der für die Schönheit des weiblichen Geschlechts fast ebenso anfällig ist, wie für die Benutzung äußerst blumiger Schimpfwörter. Seine Herkunft wird er innerhalb der Reihe auch nie los. Er bleibt ein "son of a bitch", ein Bastard eines unbekannten Vaters und einer Dame des horizontalen Gewerbes, der in der London Unterwelt seine Kindheit verbracht hat.

Kein Zufall also, dass seine Feinde manchmal die gleiche Uniform tragen wie er selbst. Seine Nemesis ist Sergeant Hakeswill. Ein so fieser Mistkerl, den man schlichtweg hassen muss, dessen Bösartigkeit andererseits allerdings auch extrem fasziniert. Cornwell geht hier einmal mehr ein hohes Tempo, überrascht mit gelungenen Anspielungen auf die späteren Bände der Serie (so wird Sharpe hier u.a. von einem Franzosen ein Scharfschützen-Jagdgewehr in die Hand gedrückt) und unterhält auf ganzer Linie. Allein die streckenweise grausige Übersetzung verhindert eine höhere Wertung.

Insgesamt ist "Sharpes Feuerprobe" ein gelungener Einstieg in eine hoffentlich jetzt auch in Deutschland langlebiger Reihe. Ein Abenteuerroman voll Heldenpathos und Kampfeslärm, der richtig viel Lust auf mehr macht.
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