Sharpes Beute von Bernard Cornwell

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2001unter dem Titel „Sharpe\\\'s Prey“,deutsche Ausgabe erstmals 2010, 384 Seiten.ISBN nicht vorhanden.Übersetzung ins Deutsche von Joachim Honnef.

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Kurzgefasst:

England, 1807: Napoleon setzt alles daran, die dänische Flotte in seinen Besitz zu bringen ═ was für England fatale Folgen hätte. Um dies zu verhindern, wird Captain John Lavisser nach Kopenhagen entsandt. An seiner Seite: Richard Sharpe. Sein Auftrag: Lavisser lebend ans Ziel zu bringen. Keine leichte Aufgabe ═ zumal Sharpe angeschlagen ist: Nicht nur, dass er degradiert wurde, er muss auch noch den Tod seiner großen Liebe Grace verkraften. Zu allem Überfluss erkennt Sharpe bald, dass der Feind in den eigenen Reihen lauert …

Das meint Histo-Couch.de: „Wenn die Helden müde sind“70

Rezension von Sabine Bongenberg

Richard Sharpe durchlebt schwere Zeiten. Nach dem Tod seiner geliebten Frau Grace vergräbt er sich in seinem Kummer, seine Karriere stagniert und das Geld reicht hinten und vorne nicht. Daher ist es vermeintlich eine glückliche Fügung, als er als Leibwächter eines gewissen John Lavisser mit diesem nach Kopenhagen entsandt wird. Ein Leibwächter ist dabei wirklich von Nöten, reist Lavisser doch in geheimer Mission mit der Aufgabe, die Position der Briten bei den Dänen zu stärken und führt als „Anreiz“ die nicht unerhebliche (Bestechungs-)Summe von 43.000 Guineas mit sich. Damals wie heute würde der gesunde Menschenverstand dafür plädieren, mit dieser Aufgabe eine absolut vertrauenswürdigen Person zu beauftragen, doch wurde hier offensichtlich der Fakt außer Acht gelassen, dass der auserkorene Bote hoch verschuldet ist und bereits ein vorgesehener Leibwächter auf ungeklärte Weise ins Jenseits befördert wurde. Sharpe erhält immerhin durch das misstrauische Außenministerium für den Notfall noch die Adresse eines Mittelsmannes, der den Briten gewogen ist und muss dann schneller als es ihm lieb ist, auf diesen Kontakt zurück greifen. Womit seine Probleme allerdings noch lange nicht gelöst sind …

In seinem mittlerweile achtzehnten Buch der „Sharpe“-Reihe scheint sein Schöpfer Bernhard Cornwell mittlerweile genauso erschöpft zu sein, wie sein Held. Zwar sind die wichtigsten Schlachten geschlagen, doch hat der Held privat erheblichen Schiffbruch erlitten und versucht aus den letzten Trümmern sein Leben neu zu ordnen. Nur dieser Umstand kann eigentlich erklären, dass Sharpes Beute zwar grundsätzlich im Stil des Abenteuerromans gestaltet ist, aber nicht ehrlich zu fesseln vermag. Sharpes Aktionen wirken erschöpft und leidenschaftslos und auch die Liebesgeschichte, die ihn immerhin kurzfristig aus seiner Trauer zu reißen vermag, bleibt blass und seltsam kühl. Vielleicht ist auch diese Ruhephase der Grund, warum Bernhard Cornwell die Geschichte in die Bombardierung Kopenhagens 1807 einbaute, auf den die Briten – laut seiner Aussage – nicht sonderlich stolz sein müssen. Auch Sharpe leistet hier unverdrossen seine Pflicht gegenüber dem Empire und bleibt auch trotz erheblicher finanzieller Engpässe der Helfer von Witwen und Waisen, doch warten hier keine Überraschungen auf den Leser.

Sicherlich täte man Bernhard Cornwell aber Unrecht, würde man seinen Roman als langweilig und uninspiriert bewerten, aber mitreißend und fesselnd wäre ebenso überbewertet. Vielmehr muss Sharpe – wie der Autor in seinem Nachwort bemerkt – noch einen weiten Weg bis Waterloo zurück legen. Und da braucht auch einmal ein Held eine gewisse Atempause.

 

Ihre Meinung zu »Bernard Cornwell: Sharpes Beute«

Hannes zu »Bernard Cornwell: Sharpes Beute«31.01.2016
Eine der schwärzesten Episoden der britischen Geschichte. Auch wenn das die Briten natürlich anders sehen. Der Überfall auf die Hauptstadt eines kleinen Landes und somit die Bombardierung der Zivilbevölkerung.
Sharpes Beute ist mehr Spionage- als Abenteuerroman. Aber wieder spannend bis zur letzten Zeile.
Und wieder treffen die beiden Hauptprotagonisten aufeinander. Sharpe und Wellington.
Diesmal ist der Schauplatz Dänemark, denn Spanien ist ja noch nicht mit Großbritannien verbündet.
Jack Aubrey zu »Bernard Cornwell: Sharpes Beute«13.11.2013
Von Müdigkeit keine Spur!
Ich war total happy, dass es Cornwell nach den Schlachten und Belagerungen in Indien und den Höllenposaunen von Trafalgar wieder gelungen ist, Sharpe zu Höchstformen auflaufen zu lassen und - einmal mehr - einen tollen und fesselnden Abenteuerroman "vorzulegen". Sicherlich hadert unser Lieutenant wieder einmal mit seinem Leben bei der Armee, der ihm gezeigten Geringschätzung durch einige Vorgesetzte, aber er findet auch neue Verbündete und Freunde, verliebt sich erneut und legt den Feinden Englands das Handwerk. Ich habe das Buch über ein kurzes Wochenende verschlungen und freue mich auf den nächsten Band!
hinterwald zu »Bernard Cornwell: Sharpes Beute«24.06.2011
erschöpft?

machmal tue ich mir schwer - weniger mit einem autor als mit den kritiken. ich verstehe ja, daß man bei einer rezension so etwas wie einen "aufhänger" braucht und einem erst einmal eingeschlagenen weg dann auch folgt, auch wenn er in die irre führt.

"sharpes's beute", geschweige denn sein autor. sind alles andere als "erschöpft". wenn das "erschöpft" ist, dann hat bernard cornwell eine blase am fuss in diesem marathonlauf - kein problem, die anderen mitläufer haben nämlich nur ein bein und humpeln an stöcken richtung ziel.

cornwell ist eher auf der höhe seiner kunst, er kann wie immer ein äußerst farbenreiches panorama malen wo andere sich mit ein paar hingekritzelten bleichstiftstrichen behelfen müssen.

nicht nur die sprache, vor allem die kleinen tricks, mit dem es mal wieder gelingt, einen fiesen, hinterhältigen bösewicht etwa dadurch einzuführen, daß er zunächst einen "helden" zeichnet, nur um ihn dann ganz beiläufig wieder vom feld zu nehmen - und so eine spannung zwischen dem entschlossenen bösen und dem angeschlagenen scharpe zu erzeugen, die wie immer trägt, das ist es, was cornwell und in guten stunden autoren wie follett etwa ausmacht.

der rezensent ist opfer einer projektion. er überträgt die stimmung sharpes, die angesichts der ereignisse allen grund für heulksusereien hat, auf die aktuelle "fitness" von cornwell. das ist kaffeesatzleserei, dem die handwerkliche brillianz des autors sofort das kreuz bricht.

thema verfehlt. oder - wäre ja möglich - der rezensent hat so seine eigenen, holzschnittartigen erwartungen an sharpe und sieht sich in der erwartung eines haudrauf romans davon enttäuscht, daß sharpe nun mal das recht auf zwischentöne haben sollte.

alles in allem wieder einmal eine rezension, die sich spätestens nach der lektüre des buches als phrasendrescherei entpuppt.

schade.
M.Reinsch zu »Bernard Cornwell: Sharpes Beute«14.06.2011
Wieder schließt sich der Roman dierekt an seien Vorgänger (Sharps Trafalgar" an (was mir sehr gut gefällt).
Hier besteht von Anfang an ein Spannungsbogen, der im ganzen Roman aufrecht erhalten wird.
Der Grundstein zu Sharps späterem Werdegang wird gelegt (erster Kontakt mit Franzosen, dem Außenministerium und sein Eintretn bei den 95.er Rifels.
Wie imme gut und unterhaltsam geschrieben, so dass es sich schnell liest.
Hervorzuheben ist, das harp diesmal Schwächen zeigt (grüblerisch, traurig und mit dem Hang die Armee zu verlassen).
2 Karten von Dänemark/Kopenhagen runden die Sache gut ab.
Auffällig ist die , diesmal sehr kurze Frauengeschichte, die mir am Ende etwas sehr abgewürgt erscheind.
85° Micha
Stefan83 zu »Bernard Cornwell: Sharpes Beute«19.10.2010
Der Bastei Lübbe Verlag scheint in Bezug auf die „Richard-Sharpe“-Reihe tatsächlich Geduld und langen Atem zu beweisen, denn mit „Sharpes Beute“ ist nun bereits der fünfte Band um den treffsicheren Scharfschützen und Helden der napoleonischen Kriege erschienen. Mit „Sharpes Aufstieg“ steht sogar ein weiterer Teil für den Februar des kommenden Jahres in den Startlöchern. Kann man deshalb davon ausgehen, dass die Reihe bei den Freunden historischer Romane ankommt? Ich kann das persönlich für meine Wenigkeit nur mit einem großen „Ja“ beantworten, wenngleich ich im Falle des neuesten Abenteuers von Sharpe doch ein wenig enttäuscht worden bin, denn nach dem großen Paukenschlag mit der Schlacht von Trafalgar im Vorgänger, wirkt dieser Roman leider über lange Strecken wie eine arg unausgegorene Verlegenheitslösung. Aber erstmal zum Inhalt:

London, Anno 1807. Zwei Jahre sind seit Admiral Nelsons Sieg bei Trafalgar vergangen und Richard Sharpe, der an Bord der Fregatte „Pucelle“ unter Kapitän Joel Chase am Gefecht teilnahm, wurde seitdem vom Schicksal arg gebeutelt. Seine große Liebe Lady Grace ist mit dem gemeinsamen Kind verstorben, das in Indien mühsam ergaunerte Vermögen für ihn unerreichbar, da er als nichtverheirateter Mann kein Anrecht auf das Erbe besitzt. Und auch die Armee, der er jetzt bereits seit 14 Jahren angehört, bietet ihm keine aussichtsreiche Perspektive mehr. Als Quartiermeister des 95. Schützenregiments, den „Grünröcken“, tätig, sieht er in seinem langweiligen Posten eine unverdiente Degradierung. Sharpe denkt deshalb mal wieder über einen Abschied vom Soldatendasein nach. In dieser Situation winkt plötzlich Abwechslung in Form eines neuen Auftrags. Auf den Befehl von Generalmajor Sir David Baird und Lord Pumphrey wird Sharpe Captain John Lavisser, Gardist beim 1. Regiment of Foot Guards, als Leibwächter zur Seite gestellt. Dieser soll 43.000 Guineen zwecks Bestechung des dänischen Prinzen nach Kopenhagen schaffen, um den Regenten davon zu überzeugen, die in der Stadt vor Anker liegende Flotte den Engländern zu übergeben. Aus der auf den ersten Blick so simplen Geheimmission wird schnell ein Himmelfahrtskommando für Sharpe.

John Lavisser entpuppt sich schon bei seiner Landung in Dänemark als Verräter und Sharpes Kontaktmann, der fromme dänische Händler Ole Skovgaard, zeigt nur wenig Sympathie für den rabiaten Fußsoldaten und dessen englische Heimat. Während die Royal Navy die Stadt einkreist und britische Truppen rund um Kopenhagen landen, dessen Bevölkerung eine Bombardierung befürchtet, muss Sharpe auf eigene Faust einen Weg finden, um zu verhindern, dass die dänische Flotte in französische Hände fällt …

Der in England aufgrund der vielen toten Zivilisten in Vergessenheit geratene Angriff der Briten auf Kopenhagen im Jahre 1807 dient diesmal als Ausgangspunkt für Bernard Cornwells (auf Deutsch bisher) letzten militärhistorischen Roman. Und es wirkt ein bisschen so, als wären dem englischen Schriftsteller ein wenig die Ideen in Bezug auf einen möglichen geschichtlichen Handlungshintergrund ausgegangen. „Sharpes Beute“ liest sich bereits zu Beginn erstaunlich konstruiert, die sonstigen Stärken, wie der Aufbau einer landesspezifischen Atmosphäre, wollen diesmal nicht so recht auf den Leser überspringen. Während die Vorgänger, insbesondere die drei in Indien spielenden Bände, sich sehr lebensnah zeigten und auch neben den Schlachten für ein gewisses Flair sorgten (Das exotische Indien mit all seinen Düften und der Hitze schien man riechen und spüren zu können), bleiben sowohl die Unterwelt Londons als auch letztlich Kopenhagen selbst irgendwie recht farblos. Dabei hätten besonders die dunklen Gassen von Londons Vororten, wo unser Held aufwuchs, viel Potenzial geboten, um Sharpes jetziges Verhalten näher zu erklären bzw. nachzuvollziehen. Stattdessen geht Cornwell immer wieder auf Sharpes Trauer und innere Zerrissenheit ein. Und auch wenn der Autor viele gute Eigenschaften sein Eigen nennt – die Schilderung menschlicher Gefühle oder zwischenmenschlicher Beziehungen gehört leider nicht dazu.

Cornwell, der sich sonst strikt an das Aufbauschema „Kleines Gefecht-Affäre-Zwickmühle-Großes Gefecht“ hält, hat diesmal einen anderen Ansatz gewählt und so unter anderem den Verräter bereits direkt am Anfang enttarnt. Eine interessante Idee, aus der der Autor allerdings mehr hätte machen können und müssen. Stattdessen sorgt diese frühe Identifizierung nur dafür, dass das Buch auch im weiteren Verlauf eher wenig Überraschungen bereithält. Die Wendungen und Twists vorheriger Bände werden diesmal schmerzlich vermisst. Das macht den Plot, der eigentlich auch auf hundert Seiten weniger hätte erzählt werden können, besonders im Mittelteil extrem langatmig. Es fehlt der Geschichte an Substanz, um durchgängig zu unterhalten. Und das können dann auch ein paar kernige Sprüche und brisante Zweikämpfe nicht übertünchen.

Wenn es dann wieder darum geht, zur Attacke zur blasen, nimmt Cornwells Buch an Fahrt auf. Die Schilderung der Bombardierung Kopenhagens gerät sehr plastisch und stimmungsvoll, deutet allerdings auch an, dass der englische Schriftsteller mit dem Geplänkel verfeindeter Armeen mehr anfangen kann, als mit der Vermittlung von Gräueltaten an einer zivilen Bevölkerung. Im Vergleich zur Schlacht von Assaye („Sharpes Sieg“) oder Trafalgar („Sharpes Trafalgar“) geraten die Bombeneinschläge sowie das durcheinander in den Gassen Kopenhagens doch irgendwie recht zahn- und einfallslos. „Einfallslos“ ist dann auch leider diesmal wieder die Übersetzung, welche (und das zieht sich ja traurigerweise durch die ganze Reihe) vor Schreibfehlern, unpassender Wortwahl und schlicht falscher Wiedergabe nur so strotzt. Das zudem manch ein Name im Verlauf des Buches in drei verschiedenen Versionen geschrieben wird, erhöht die Verwirrung beim Leser noch. Der Bastei Lübbe Verlag muss hier dringend nachbessern!

Bei all den Kritikpunkten bietet aber auch „Sharpes Beute“ wieder das ein oder andere Highlight für Freunde der Serie. Cornwell bleibt seiner ökonomischen Schreibweise treu und bringt mit Kapitän Chase, General Arthur Wellesley sowie den Matrosen Clouter und Collier ein paar alte Bekannte und Freunde Sharpes in die Geschichte mit ein. Die neueren Figuren, wie Lavisser oder Lord Pumphrey, bleiben dagegen etwas blass. Ein diabolischer Bösewicht im Stile Hakeswills fehlt einfach. Und ohne gleichwertigen Gegenspieler ist halt auch ein Sharpe gleich nur so halb so gut. Wer jedoch in erster Linie Wert auf historische Genauigkeit und kurzweiliges Abenteuer legt, bekommt auch diesmal was geboten. Wie gewohnt erläutert Cornwell in seinen Anmerkungen noch einmal kritisch und objektiv den geschichtlichen Hintergrund. Zudem gewähren zwei Karten (Dänemark und Kopenhagen) einen genaueren Blick auf die militärischen Stellungen der Schlacht.

Insgesamt ist „Sharpes Beute“ dann aber trotzdem der bisher schwächste Band der Reihe, was wohl nicht zuletzt auch daran liegt, dass er als verbindendes Glied zwischen Sharpes Indien-Abenteuern und dem Feldzug gegen Napoleon konzipiert und dementsprechend inhaltlich gefüllt wurde. Für Cornwell-Fans ganz sicher kein Muss. Für Freunde der Sharpe-Reihe ein Band, den man auch getrost mal überspringen kann ohne Elementares verpasst zu haben.
maupe zu »Bernard Cornwell: Sharpes Beute«06.07.2010
Ein trauernder Sharpe. Diese Rolle ist ein wenig ungewöhnlich und passt doch wunderbar in die Kontinuität der Romane, bedenkt man deren Reihenfolge des Schreibens.

Diesmal also Dänemark. Bekannte Personen anderer Romane tauchen auf und neue, welche später noch wieder erscheinen werden. Harper hat seinen "ersten" Auftritt.

Man taucht ein in die Handlung und nimmt gerne das doch auftauchende stereotype der Romane auf. Sharpe hadert und ist knurrig oder frustriert und kann sich dann an den richtigen Stellen "abreagieren". Schlachten und Kämpfe sind detailliert gut geschrieben.

Zu kritisieren sind Fehler im Druck. Alleine drei welche mir aufgefallen sind.
Und ein gewisser Humor, welcher im englischen Original noch zündete, im deutschen dann doch leider versandete. Ob es nun an der Übersetzung lag oder es halt im Deutschen nicht klappt, kann ich nicht beurteilen.

Auf jeden Fall ist dieser Roman nun die angenehm geschlossene Lücke um endlich nach Portugal/Spanien auf zu brechen.
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