Sharpes Aufstieg von Bernard Cornwell

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 1988unter dem Titel „Sharpe\\\'s Rifles“,deutsche Ausgabe erstmals 1990, 432 Seiten.ISBN 3-404-16547-0.Übersetzung ins Deutsche von Bernd Müller.

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Kurzgefasst:

1809. Bitterer Winter beherrscht den Norden Spaniens. Die britischen Truppen ziehen sich nach La Coruña zurück. Lieutenant Richard Sharpe und eine versprengte Abteilung Schützen sind auf sich allein gestellt, eingekreist von der siegreichen Armee Napoleons. Sie haben nur eine Chance: Wenn sie sich Major Blas Vivar und seinen spanischen Aufständischen anschließen. Doch das hat seinen Preis, denn Vivar will die heilige Stadt Santiago de Compostela befreien, die von französischen Truppen besetzt ist. Sharpe und seinen Männern bleibt nichts anderes übrig, als einmal mehr ihren unbeugsamen Willen zu beweisen, um sich gegen die feindliche Übermacht durchzusetzen.

Das meint Histo-Couch.de: „Unterhaltsames Schlachtenepos“75

Rezension von Jörg Kijanski

Die Armee von Sir John Moore konnte bis in das Innere Spaniens vordringen, wo man Napoleons Nachschubwege kappen wollte. Doch dieser schlägt vernichtend zurück, dem englischen Heer bleibt nur der Rückzug. So folgt auch Major Dunnett mit rund dreihundert Schützen seiner Armee hinterher, verfolgt von den Franzosen. Als es zu einem Kampfgefecht zwischen den beiden Seiten kommt, erleiden die Engländer herbe Verluste und so ist plötzlich Lieutenant Michael Sharpe von den 95th Rifles, einer Eliteeinheit von Scharfschützen, der einzige Offizier der arg dezimierten Truppe. Doch Sharpe genießt kein großes Ansehen bei seinen Männern, da er aus niedrigeren Mannschaftsgraden nach oben befördert wurde. So verweigern sie ihm zunächst die Gefolgschaft und finden in dem Iren Patrick Harper ihren eigentlichen Anführer.

Als es zwischen Harper und Sharpe zu einer handfesten Streitigkeit kommt, kann der spanische Major Blas Vivar gerade noch rechtzeitig die beiden Streithähne trennen. Wohlwissend, dass die Rifles auf sich allein gestellt kaum eine Chance haben, nach Lissabon zu gelangen, wo sie eine britische Garnison vorzufinden hoffen, schießen sie sich zunächst Major Vivar und seinen Cazadores an. Doch dieser hat einen wahnsinnig anmutenden Plan, denn er will unbedingt die von den Franzosen besetzte Stadt Santiago de Compostela erobern. Ein scheinbar unmögliches Unterfangen angesichts einer erdrückenden Übermacht des Feindes …

Wichtiger Eckroman der Reihe

Von den über zwanzig Romanen der Sharpe-Reihe wurden bis heute nicht alle Bücher übersetzt. Von diesen wiederum könnte der vorliegende Band einer der wichtigsten sein, klärt sich hierin immerhin das stark angeschlagene Verhältnis zwischen Sharpe und Harper sowie zwischen Sharpe und den Rifles insgesamt. Sharpe ist nicht beliebt, doch durch seine Erfolge folgen ihm die Männer zunehmend. Die bevorstehende Eroberung von Santiago de Compostela spielt im Winter des Jahres 1809, der von den Soldaten hohe Entbehrungen fordert. Selbst die vom Militär zugestandene tägliche Ration an Alkohol kann nicht immer gewährleistet werden, so dass es an anderen Abenden schon mal zu unkontrollierten Besäufnissen kommt.

Die Figurenzeichnungen sind denkbar überschaubar, allein die Figur des Protagonisten wirkt recht lebendig, wenngleich nicht immer sympathisch. Sharpe kommt aus einfachsten Verhältnissen, seine Mutter arbeitete als Hure, sein Vater ist unbekannt. Nur einem glücklichen Umstand hat er es zu verdanken, dass er es bis zum Offizier brachte. Sharpe ist Soldat durch und durch und so besticht die Reihe mit seitenlangen Gefechten in all ihren martialischen Einzelheiten und ebenso langen militärischen Überlegungen. Wer mit detaillierten Schilderungen der unterschiedlichsten Formationen und Waffengattungen nichts anzufangen weiß, der sollte es mit dieser Reihe erst gar nicht versuchen. Wer ein Faible für Abenteuer und große wie kleine Schlachten hat, bei der es noch „Mann gegen Mann“ heißt, der findet hier eine durchaus spannende Serie, wenngleich die Reihenfolge der Romane beachtet werden sollte. Dies ist allerdings nicht ganz einfach, da deren Entstehungsgeschichte nicht chronologisch den Geschichtsablauf wiedergibt. So entstand beispielsweise Sharpes Sieg, welches 1803 in Indien spielt, im Jahr 1998, der vorliegende Roman, der sechs Jahre später angesiedelt ist, aber schon 1988. Sprachlich sollte man ebenfalls einige Abstriche machen, denn auf Dauer nerven die (französischen) „Schweinehunde“ und „Froschfresser“ ein wenig. Auch einige andere, kleinere Wiederholungen fallen negativ auf.

Wer übrigens nach den bisherigen Romanen noch nicht genug von den Rifles haben sollte und nicht auf die englischen Originale zurückgreifen möchte, kann sich bis zur nächsten Übersetzung eines Sharpe-Romans mit der Verfilmung der Serie Die Scharfschützen begnügen. Die „Komplettbox“ mit 15 DVD erschien 2010 mit Sean Bean in der Hauptrolle. Laufzeit über 1.500 Minuten.

 

Ihre Meinung zu »Bernard Cornwell: Sharpes Aufstieg«

Stefan83 zu »Bernard Cornwell: Sharpes Aufstieg«17.11.2012
Bernard Cornwell ist ein Phänomen. Obwohl ich mittlerweile viel weniger Zeit und Gelegenheit für eine Lektüre habe als noch vor ein paar Monaten, sind seine Werke bei mir doch immer in derselben Windeseile durchgelesen. Da wird aus dem späten Abend gern tiefste Nacht. Und das Pausenbrötchen bleibt einfach mal unangetastet liegen. Worin besteht diese Faszination? Was macht dieser Autor anders, als die Konkurrenz? Eine Antwort fällt schwer, zumal sich die Sucht nach Cornwell erst langsam, nach und nach einstellt. Es ist ein bisschen wie mit den Erdnüssen in der Tüte. Wo man anfangs noch behutsam nascht, schlingt man sie irgendwann chließlich mit vollen Händen in sich hinein. Und Fakt ist: Auch der sechste Band der Reihe um den englischen Schützen Richard Sharpe knüpft nahtlos an die Qualität seiner Vorgänger an, hat diese süchtig machende Wirkung auf den Leser. Mehr noch: „Sharpes Aufstieg“ (verfilmt als Pilotfolge der Fernsehserie „Die Scharfschützen“ mit Sean Bean) ist nicht nur einer der spannendsten, sondern auch inhaltlich wichtigsten Titel dieser Serie, werden hier doch die Weichen für die späteren Abenteuer der „Rifles“ gestellt, die schließlich bis zur Schlacht von Waterloo führen werden.

Im Jahre des Herrn, 1809. Richard Sharpe ist nach seinen Spionage-Tätigkeiten in Dänemark mittlerweile auf der iberischen Halbinsel gelandet. Genau gesagt in Galicien, im Norden Spaniens. Hier ist es der kleinen englischen Armee unter Sir John Moore gelungen, die Nachschubwege der französischen Truppen zu stören, welche sich, nach ihrem Feldzug in Portugal, nun gegen ihre ehemaligen spanischen Verbündeten gewandt haben. Moores Erfolge sind aber nur von kurzer Dauer, denn unter dem Kommando Napoleons schlagen die Franzosen unerbittlich zurück. Dem arg gebeutelten englischen Heer bleibt nur ein hastiger Rückzug, dessen Ende rund dreihundert Schützen unter Major Dunnett bilden. Unter ihnen ist auch Sharpe, als Quartiermeister verantwortlich für die Versorgung der Truppe, und damit auf die unbeliebteste Postion im Offiziersrang abgeschoben. Seine kämpferischen Fähigkeiten werden aber allzu bald auf die Probe gestellt. Bei einem Rückzugsgefecht in den verschneiten, nebligen Bergen wird Sharpe, gemeinsam mit einem Trupp der 95th Rifles, einer Eliteeinheit von Scharfschützen, vom Rest der Armee getrennt. Und was noch schlimmer ist: Als einziger überlebender Offizier hat er nun das Kommando über die Männer.

Diese verweigern dem Emporkömmling aus den niedrigeren Mannschaftsgraden kurzerhand den Gehorsam und folgen stattdessen dem Iren Patrick Harper. Sharpe, der sich mit dieser Niederlage nicht abfinden will, gerät mit dem Hünen aneinander und wird erst in letzter Sekunde von dem spanischen Major Blas Vivar gestoppt. Dieser bietet den Rifles eine Zusammenlegung der Kräfte an. Sharpe, der keine andere Chance sieht, die britische Garnison in Portugal zu erreichen, stimmt schweren Herzens zu. Bereits nach kurzer Zeit muss er jedoch feststellen, dass der ehrgeizige Vivar ganz andere Pläne mit den Rifles hat. Im Zentrum dieser Pläne steht eine Truhe, dessen Inhalt die Waagschale des Krieges zugunsten der Spanier kippen soll. Sharpe muss all seine Trümpfe ausspielen, um am Leben zu bleiben und das Vertrauen seiner Männer zu gewinnen. Ein schwerer Aufstieg beginnt …

Nach dem doch etwas zäheren „Sharpes Beute“ ist der sechste Band wieder ein echter Cornwell von Schrot und Korn. Er ist der eigentliche Beginn der Reihe, dessen vorherige Bände, allesamt später geschrieben und erschienen, inhaltlich eher als Einleitung und näheren Vorstellung der Figur Richard Sharpe dienten. Hier beginnen die wirklichen Napoleonischen Kriege und mit ihnen die Schlachten der „Rifles“, einer grünberockten Eliteeinheit, welche den Kern der Serie bilden, und deren Mitglieder in späteren Büchern noch gewichtige Rolle zu spielen haben. Ein Soldat, und vielleicht DER wichtigste neben Sharpe selbst, ist Patrick Harper. Ein grober, roher, Engländer-hassender Ire mit großem Herz, der, anfänglich noch ärgster Widersacher Sharpes, bald dessen engster Freund wird. Auch wenn Cornwell in der Figurenzeichnung damit einem durchaus üblich Schema folgt, ist es, neben den episch und detailliert geschilderten Schlachten, gerade diese, welche den Reiz der „Sharpe“-Reihe ausmacht. Offiziere und Gentleman sucht man hier vergebens. Stattdessen marschiert man inmitten fluchender, saufender und vögelnder Soldaten, denen die Politik vollkommen egal ist und die in erster Linie eins wollen: Überleben.

Dafür sorgt Richard Sharpe. Und das in fast jedem Buch. Wer nun meint, das wäre sterbenslangweilig, irrt aber gewaltig. Im Gegenteil: Bernard Cornwell versteht es wie kein Zweiter die Spannung aufzubauen, mit der Erwartung eines Gefechts zu spielen und die letztliche Konfrontation in einem martialischen Gemetzel zu entladen, das den Krieg in einer Art und Weise auf Papier bringt, wie das sonst selbst Filme nicht vermögen. Dabei meistert er die Kunst, das Töten nicht zu verherrlichen, wenngleich er sich das ein oder andere soldatische Pathos natürlich nicht verkneifen kann. Aber wen störts, wenn dabei so ein Wurf herauskommt.

Und ein richtig guter Wurf ist „Sharpes Aufstieg“ allemal. Gespickt mit allerlei Überraschungen und einmal mehr in Punkto Geschichte haargenau recherchiert kommt hier jeder Freund militärhistorischer Romane wieder voll auf seine Kosten. Ein überzeugender, packender Roman und ein zweiter Beginn dieser Reihe, welche ich ganz sicher bis zu ihrem Ende treu verfolgen werde.
M.Reinsch zu »Bernard Cornwell: Sharpes Aufstieg«17.06.2011
Für mich der bisher Beste Sharp (da er mehr zu den Älteren gehört, verstehe ich das die Sharpserie so beliebt ist).
Wieder hat der Quartiermeister Sharp Glück und kann mit den 95er Rifels ausziehen...
Diesmal besteht der Spannungsbogen vom Anfang bis fast zu den letzten Seiten und wird auch nicht durch eien Liebesgeschichte getrübt (ok, Mr.Sharp verliebt sich zwar wieder einmal, aber das wars dann auch schon). Getragen wird die Geschichte wirklich durch geniale Schlachtbeschreibungen und einen Ltd.Sharp, der über sich hinaus wächst!
Sehr schön sind auch die Interaktion (Sharp/Harper) und Sharp/Manschaft, endlich kommt Ihm die Anerkennung zu, auf die der Leser so lange gewartet hat = hier beginnt die Geschichte der "Scharfschützen" (unter diesem Titel ist die Serie auf DVD erhältlich).
Kleines Manko: Bastei hätte den engl.Titel übernehmen sollen - hätte besser gepasst!
Gelungene Unterghaltung : 92°
Sorgenvoller Vorrausblick zu »Bernard Cornwell: Sharpes Aufstieg«14.06.2011
Ausgezeichnetet Überlieferung der Waffenkunde und Angriffstaktiken (z.Bsp. die Beschreibung der französischen "Marschsäulen", anstatt Angriffslinien der britischen Rotröcke), jener Zeit, die in vollem Umfang zur Beschreibung kommt. Die beinahe unglaublichen (aber symphatischen) Unterschiede zum Gegenteil eines Zerstörungskrieges im 21. Jhdt.-da gäbe es nicht mehr viel worüber man noch schreiben könnte.....
maupe zu »Bernard Cornwell: Sharpes Aufstieg«19.04.2011
Endlich ist Sharpe in Spanien/Portugal angekommen. Dieses Buch gewinnt an Fahrt, waren die Handlung in Indien, Trafalgar und Dänemark doch eher als Prequel zu verstehen.

Sharpe trifft hier auf "seine" Rifles - und das verläuft alles andere als glücklich. Doch gerade das zusammen raufen ist die Thematik des Buches. Sharpe bekommt dafür Hilfe anderer Offiziere und es fällt ihm nicht gerade leicht diese anzunehmen.

Und natürlich kommt endlich Harper hinzu. Noch kein Sergeant und auch wenig Interesse es zu werden. Doch die Freundschaft der beiden Männer beginnt in diesem Buch und am Ende möchte man sofort das nächste lesen um zu wissen, wie es denn nun weiter geht.
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