Der Wanderer von Bernard Cornwell

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2002unter dem Titel „Vagabond“,deutsche Ausgabe erstmals 2006, 463 Seiten.ISBN 3-499-25834-X.Übersetzung ins Deutsche von Claudia Feldmann.

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Kurzgefasst:

Thomas von Hookton hat die Schlachten in Frankreich überlebt. Nun wird er vom englischen König auf die Suche nach dem Heiligen Gral geschickt, in dessen Besitz zuletzt angeblich sein Vater war. So ist Thomas nicht nur der mächtigsten Reliquie der Menschheit auf der Spur, sondern auch seiner Familiengeschichte. Unterwegs trifft Thomas auf neue Freunde und auch auf neue Feinde. Grausam und brutal schrecken die dunklen Gestalten vor nichts zurück, um durch Thomas an den Gral zu gelangen. Zwischen den Ruinen seines Heimatortes entdeckt Thomas ein Buch seines Vaters. Könnte das der Schlüssel zum Gral sein? Die Suche führt ihn zurück nach Frankreich, wo er nach gefährlichen Abenteuern schließlich seinem Erzfeind, Cousin Guy Vexille, dem Schwarzen Ritter, gegenüber tritt. Thomas muss sich entscheiden: sein Leben oder der Gral.

Das meint Histo-Couch.de: „Die Gralssuche geht blutig weiter“82

Rezension von Carsten Jaehner

England, 1346. Der Bogenschütze Thomas von Hookton hat gemeinsam mit seinen Freunden die Schlacht von Crécy überstanden und macht sich auf den Weg nach Durham in England. Dort kämpfen die Engländer die Schotten, die von den Franzosen unterstützt werden. Es ist der Hundertjährige Krieg, und es geht blutig einher.

Bei Neville’s Cross treffen die Kontrahenten aufeinander, und die Engländer besiegen die Schotten vor allem mit Hilfe der nahezu unbesiegbaren Bogenschützen, gegen die kein Kraut gewachsen zu sein scheint. Doch Thomas hat noch einen anderen Auftrag: Er ist der uneheliche Sohn des Priesters Ralph, der eigentlich aus der Familie der Astarac stammt und als ein Vexille auch aus der Hüterfamilie des Heiligen Grals stammen soll. Thomas hat vom König den Auftrag erhalten, den Gral zu besorgen, und mit mehr oder weniger Überzeugung beugt sich Thomas seinem ungeliebten Auftrag.

Doch auch seine Feinde haben Wind davon bekommen. Bernard de Taillebourg, Inquisitor und Wanderprediger, daher auch „der Wanderer“ genannt, ist zu Ohren gekommen, dass jemand weiß, wo sich der Gral befinden soll und macht sich auf nach England, wo er in Durham die Spur aufnimmt. Zwangsläufig werden sich seiner und Thomas´ Wege kreuzen, doch sind die Spuren des Grals nicht leicht zu erkennen, und niemand weiß, wo er sich befindet. Während Freund und Feind auf der Suche sind (auch wenn manche nicht genau wissen, wonach sie eigentlich suchen), schreitet der Krieg voran und die Schlacht von La Roche-Derrien nimmt ihren dramatischen Lauf. Während Thomas immer mehr über seine Familie erfährt, begegnet er seiner Vergangenheit und seiner Zukunft, und noch ist der Gral nicht gefunden. Wenn er denn existiert …

Alte Bekannte und neue Böse

Im zweiten Teil von Bernard Cornwells Grals-Trilogie geht es wieder blutig und spannend einher. Gemeinsam mit Vater Hobbe und seiner Geliebten Eleanor begibt sich Thomas aus Hookton auf die Suche nach dem Gral und kommt dabei nach Durham, nachdem er bereits einige Kämpfe hinter sich gebracht hat. Dabei sind alte Freunde wie Will Skeat verletzt und können ihn nicht begleiten, weder mit Tat noch mit Rat, und genau letzteres hätte Thomas bitter nötig auf seiner ungeliebten Suche nach dem Gral.

Doch ist Thomas nicht der einzige, der den Gral sucht. Bernard de Taillebourg, Inquisitor und somit Angehöriger im Auftrag der Heiligen Kirche, sucht ebenfalls nach dem Gral und gerät durch Umwege auf die Spur von Thomas, dem letzten verbliebenen aus der Familie der Gralshüter, den Vexilles. Wenn man von Thomas Onkel Charles absieht, der ebenfalls auf der Suche nach dem Gral ist. Und dann ist da noch Geoffrey of Lackby, der mitbekommt, dass es auf eine Schatzsuche geht, aber nicht weiß, wonach genau. Aber man sollte dem Sucher auf den Fersen bleiben, denn es scheint ein sehr wertvoller Schatz zu sein …

Neben den genannten „Bösen“ des Romans gibt es noch ein handvoll weiterer wichtiger Figuren wie Jeannette de Chenier, einer Grafenwitwe, die ebenfalls die Kunst des Bogenschiessens beherrscht und die auf keinen Fall ihre Burg aufgeben will. Gedungene Schergen, die mal mit mehr, mal mit weniger Hirn ausgestattet sind, runden das bunte Personal ab, das Cornwell bunt und vor allem schillernd beschreibt.

Plastisches Mittelalter

Überhaupt ist Cornwell ein Meister der Erzählkunst. Er vermag mit wenigen Worten den Menschen Leben und Charakter einzuhauchen und sie in ihre jeweilige Lebenssituation zu stellen, wie es viele andere Autoren nicht vermögen. Dabei scheut er gerade auch vor den Grausamkeiten des Mittelalters nicht zurück. Ob es sich um Kriegsschauplätze oder eine besonders lange und intensive Folterung handelt (nichts für zarte Gemüter), alles wird sehr plastisch und führt dem Leser vor Augen, dass das Mittelalter wahrlich kein Zuckerschlecken war.

Eingebettet wird die Geschichte in den Hundertjährigen Krieg, und so sind alle Schlachten und grossen Ereignisse des Romans tatsächlich geschehen und auch in ihrem Ablauf verbürgt. Wenn am Ende eine handvoll Engländer gegen die übermächtigen Franzosen gewinnen, so ist das nicht der Phantasie des Autors entsprungen, sondern wirklich geschehen. Allerdings wiederholt sich hier ein Schlachtenbild David siegt gegen Goliath", das von Cornwell sehr gerne herangezogen wird. Da geht es letztlich nur noch darum, welcher der Bösewichte am Ende wie zur Strecke gebracht wird oder ob er sich noch bis in den dritten Teil der Trilogie wird retten können.

Leichte Schwächen

Leider hat der Roman zwischendurch ein wenig Leerlauf, und auch das ewige lamentieren Thomas´, dass er eigentlich gar keine Lust auf die Gralssuche hat, sich aber doch seinem unausweichlichen Schicksal fügt, kann leicht dazu führen, die eine oder andere Seite zu überblättern. Zudem gibt es in diesem Roman bis auf ein vierseitiges interessantes Nachwort keine Ergänzungen wie Karten oder einem schmerzlich vermissten Personenverzeichnis, wie es sonst bei Romanen Cornwells zu finden ist.

Insgesamt ist Der Wanderer eine würdige und spannende Fortsetzung von Der Bogenschütze und macht auch wieder deutlich, warum die Bogenschützen zu ihrer Zeit nahezu unbesiegbar waren. Der Roman macht Lust auf den Abschlussteil Der Erzfeind, hat aber doch einige Längen, die man aber gut überlesen kann. Fans von Cornwell-Romanen werden ihre Freude haben, sollten aber damit rechnen, hier (noch) nicht auf die Spannung der Sachsen-Reihe zu treffen. Dennoch bleibt die Vorfreude auf den dritten Teil, wo vielleicht geklärt wird, ob es den Gral überhaupt gibt und wer ihn dann bekommt oder auch nicht. Für Spannung ist gesorgt.

Ihre Meinung zu »Bernard Cornwell: Der Wanderer«

M.Reinsch zu »Bernard Cornwell: Der Wanderer«28.09.2010
Und wieder überrscht mich Cornwell...
Mittellter, so wie ich es mir vorstellen kann - hart, ungerecht und mittendrin die inquisition.
Schwachpunkte gibt es leider auch...
Ein Mensch der sowohl Zehen ls auch Finger stark gequetscht, ja eigendlich zerquetscht bekommen hat (hier ein Kompliment an die sehr relistischen Foltersequenzen - der "Hexenhammer" lässt grüßen), kann eigendlichmit damaligen Mitteln nicht wieder genesen, geschweige denn einen Bogen nutzen, dessen Zugkraft um 100 pfund beträgt! Nun j, wie auch im ersten Teil ist ja der hilfreiche, jüdische "Übermedicus" zur Hand. auffallend auch in diesem Buch: so sehr Cornwell die Kirche difamiert, hebt er das Ansehen der Juden...
Der Spannungsbogen ist da, mal schwächer mal stärker - lso wird man gut unterhalten. Nun vertiefe ich mich in den Dritten Teil - bin gespannt, wie es weiter geht...
Eine letzte Randbemerkung...
Die Geschichte um ein Buch zum "Heiligen Gral" htten wir irgendwie schon einmal - ich sage nur "Indiana Jones und der letzte Kreuzzug" :)
hoffmann9471 zu »Bernard Cornwell: Der Wanderer«26.07.2010
Sehr enttäuschend ! - Hatte vorher die Uthred-Saga gelesen und war begeistert. Und nun dieses schlechte Buch.
Cornwell ergeht sich fast nur in Schlachtengetümmel, Mord, Vergewaltigungen, Foltern u. blutrünstigen Szenen. Die Engländer sind immer siegreich, auch wenn der Feind in 3-facher Überlegenheit antritt. Die Franzosen u. Schotten (2.Band) sind immer nur Dummköpfe. Cornwells geliebte Engländer sind auch noch Helden, wenn sie übelst mordend u. vergewaltigend die Normandie plündern.
Das ist Alles unerträglich u. wirkt platt patriotisch.
Der Stil ist auch schlechter als in den Uthred-Romanen, und die Hauptfiguren bleiben blass.
Wirklich insgesamt schlecht.
Schade.
Martin zu »Bernard Cornwell: Der Wanderer«03.12.2009
Bis auf das Bromborium mit dem Gral ist die Trilogie ein plastisches Bild des späten Mittelalters in Europa ... Krankheiten, Hunger, Krieg, Elend und Not und der Leute ... Aber- und Irrglauben in und ausserhalb der Kirche, Intoleranz und Brutalität sind so gut dargestellt, als ob man mittendrin und nicht dabei ist ... ich stecke jetzt mitten in Teil zwei der Trilogie und freue mich jeden Abend aufs neue, weiterzuschmökern .... Bernard Cornwell ist schon viele Jahre einer meiner Lieblingsautoren und ich werde ihm garantiert so lange er schreibt und ich noch nicht alle Bücher von ihm durchhabe, treu bleiben.
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