Der Erzfeind von Bernard Cornwell

Buchvorstellungund Rezension

Der Erzfeind von Bernard Cornwell

Originalausgabe erschienen 2003unter dem Titel „Heretic“,deutsche Ausgabe erstmals 2007, 464 Seiten.ISBN 3-550-08642-3.Übersetzung ins Deutsche von Claudia Feldmann.

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Kurzgefasst:

1347: Die Engländer erobern in einer blutigen Schlacht Calais und der Hundertjährige Krieg mit Frankreich wird durch einen Waffenstillstand ausgesetzt. Nur für den furchtlosen Thomas von Hookton gibt es keine Rast, denn seine Suche nach dem Heiligen Gral geht weiter. Sie führt ihn in die Gascogne, wo er das Schloss von Astarac zurückerobern will, das einst seinen Vorfahren gehörte. Heute lebt hier Guy Vexille, der Schwarze Ritter, der seinen Vater brutal erschlagen hat. Genau an diesem Ort war der Heilige Gral zum letzten Mal gesehen worden. Aber als Thomas das Schloss erreicht, wird er Augenzeuge einer Tragödie: Eine fromme junge Frau wird der Ketzerei beschuldigt und soll verbrannt werden. Thomas kann sie vor dem Scheiterhaufen bewahren, doch sie müssen fliehen, durch ein Land, das von Blut getränkt ist – einer Schlacht entgegen, die nicht nur über Leben und Tod entscheiden wird, sondern auch über die Zukunft des Christentums.

Das meint Histo-Couch.de: „Das Ende der spannenden Gralssuche“80

Rezension von Carsten Jaehner

1347. Die Engländer haben Calais erobert und der Bogenschütze Thomas von Hookton wird vom Earl of Northampton ausgeschickt, seine Suche nach dem Heiligen Gral weiterzuführen und somit seinen Eid zu erfüllen. Widerwillig macht sich Thomas auf dem Weg nach Astarac, dem Ort seiner Vorfahren und dem Ort, wo sein Cousin Guy Vexille, sein Erzfeind, lebt. Hier wurde vor Jahren der Gral zum letzten Mal gesehen.

In Astarac rettet er die schöne Geneviève vor dem Scheiterhaufen und gerät darüber in Streit mit Robbie, einem seiner Kumpanen, der sich ebenfalls in sie verliebt hatte. Robbie, Schotte und somit eigentlich nicht auf der Seite der Engländer, verlässt die Gruppe, und Geneviève bleibt bei Thomas. In der Zwischenzeit lässt Kardinal Bessières eine Art Ersatzgral herstellen, den er notfalls vorweisen will, sollte der echte Gral nicht gefunden werden.

Zur gleichen Zeit versucht Joscelyn, Erbe des Grafen von Berat, ebenfalls, Reichtümer und Macht zu erlangen und gerät auf die Spur des Heiligen Gral. Doch muss er rechtzeitig erben, ehe sein Onkel es schafft, einen eigenen männlichen Nachfolger in die Welt zu setzen, und so wird er neben Guy Vexille zu einem weiteren Gegner von Thomas. Und der weiß immer noch nicht, ob er an die Existenz des Grals glauben soll. Die Suche erweist sich als schwierig und tödlich, und schließlich stehen sich die beiden verwandten Erzfeinde gegenüber.

Freundschaften in Gefahr

In seinem Abschlußteil der Gralstrilogie kehrt Erfolgsautor Bernard Conrwell nach Frankreich zurück, wo zunächst in einer blutigen Schlacht die strategisch wichtige Hafenstadt Calais von den Engländern erobert wird und somit zumindest eine kleine Ruhephase im Hundertjährigen Krieg beginnt. Mit dabei ist Thomas of Hookton, der bereits in den vergangenen beiden Romanen nach dem Gral sucht, der einst von seinem Vater bewacht wurde. Begleitet wird er dabei von seinen Freunden, dem Schotten Robbie Douglas und Guillaume d’Evecque, einem Ritter, dem sein Gut gestohlen wurde.

Die Freundschaft der drei wird den gesamten Roman über auf die Probe gestellt, und Schuld ist – wie so oft in Cornwells Romanen – ein Frau. In diesem Fall ist es die junge und erst auf den zweiten Blick schöne Geneviève, die Thomas vom Scheiterhaufen rettet und in die sich auch Robbie verliebt. Doch Thomas hat das „Vorrecht” auf sie und gibt sie nicht her. Robbie wird daraufhin, auch um Konflikte zu vermeiden, das Heer verlassen, doch wird er in die Fänge von Thomas’ Feinden geraten. Verführerisch für einen Schotten, der eigentlich gegen die Engländer kämpft.

Gut und Böse

Thomas’ Befreiung von Geneviève hat allerdings nicht nur den Bruch der Freundschaft mit Robbie zur Folge. Zum einen kommt er auf der Suche nach dem Gral nicht voran und zweifelt immer noch an dessen Existenz. Doch was noch schlimmer ist: Geneviève wurde von der Kirche zum Tode verurteilt, und da Thomas sie gerettet hat, bedeutet dass für die Kirche, dass er exkommuniziert wird und für vogelfrei erklärt wird. Ein schweres Schicksal, das für ihn einer Katastrophe gleichkommt.

Alte Feinde und neue Gegner geben sich die Klinke in die Hand, und jeder will den Gral haben, der angeblich grosse Macht verleiht. Da ist schnell klar, wer die Bösen und wer die Guten sind, und zwar weiß Cornwell sie alle auf seine bekannte Art bunt und interessant zu beschreiben und jeden mit ein paar Macken und Kräften auszustatten, letztlich bleibt aber von Anfang an deutlich, wer auf wessen Seite steht und wer Gut und wer Böse ist. Hier hätte man sich etwas mehr Differenzierung und vielleicht auch mehr List und Überraschung gewünscht, die ja immer die Würze in solchen Romanen sind.

Schlachtengetümmel

Wer am Ende wen tötet oder auch nicht, und wer nahe am Gral ist oder auch nicht und ob es ihn überhaupt gibt, das soll hier natürlich nicht verraten werden. Aber soviel sei mitgeteilt, dass Thomas auf jeden Fall überlebt, denn er ist auch der Held des aktuellen Cornwell-Romans “1356”, der aber nichts mit der Grals-Trilogie zu tun hat und ein für sich stehender Roman ist.

Cornwell bleibt seinem Erzählstil treu, er ist flüssig zu lesen und durchweg spannend und actionreich. Zwar gibt es vergleichsweise wenige Schlachten, gemessen an anderen Cornwell-Romanen, aber die Beschreibungen des Schlachtengetümmels und die Angriffstaktiken sind immer noch interessant und fesseln den geneigten Leser an die Lektüre. Typisch für Cornwell sind auch die eingestreuten humorigen Gedankengänge der Protagonisten, die den Leser gelegentlich aufatmen und aufhorchen lassen.

„Es gibt doch noch Ehre, oder etwa nicht?”, empörte sich d’Evecque. “Ich meine, wir plündern, stehlen, vergewaltigen und töten, aber wir würden uns nie gegenseitig übers Ohr hauen. Gütiger Jesus! Wenn es so weit käme, könnte man ja niemandem mehr vertrauen.”

Am Ende wird Thomas seinem Erzfeind gegenüberstehen und die Geschichte wird ihren Lauf nehmen, und diejenigen Leser, die ihn durch drei Romane begleitet haben, haben eine vielfältige Schar an Bösewichten durch Schwerter und andere Umstände sterben sehen und auch mit den Guten viel gelitten und ausgehalten. Die gesamte Trilogie ist stimmig und sollte in einem Rutsch gelesen werden, doch versteht es Cornwell zu Beginn eines jeden Romans, den Leser kurz in die Handlung einzuführen, indem er ganz grob die bisherigen Ereignisse erwähnt. Dies jedoch, ohne zu ausschweifend zu werden. Eine Gesamtlektüre sei jedoch allein aus Unterhaltungsgründen empfohlen.

Auch wenn "Der Erzfeind” nicht mehr so spannend wie seine beiden Vorgänger ist, ist er doch ein würdiger Abschluß der Trilogie, die in das Regal jedes Cornwell- und Mittelalter-Fans gehört. Leider sind wie bei den beiden Vorgängern weder Karten noch Personenverzeichnis (schmerzlich vermisst) vorhanden, ein kurzes Nachwort klärt aber über die wahren Begebenheiten im Roman auf.

Und der Gral? Cornwell erläutert im Nachwort seine Vermutung. Wenn Sie mal eine Weile nichts zu tun haben, können Sie ihn ja suchen. Sie wären nicht die ersten und bestimmt nicht die letzten, aber vermutlich wird es heutzutage weniger brutal zugehen als im von Cornwell treffend geschilderten Mittelalter. Eine gelungene Trilogie mit hohem Kampf- und Unterhaltungswert und gerne eine Empfehlung, wenngleich nicht der stärkste Teil der Trilogie, in der der Gral letztlich keine so grosse Rolle spielt, wie der Titel vermuten lässt.

Ihre Meinung zu »Bernard Cornwell: Der Erzfeind«

M.Reinsch zu »Bernard Cornwell: Der Erzfeind«06.10.2010
Für mich der schwächste Teil der Triologie, das mag aber daran gelegen haben, das ich das buch in längeren Abschnitten gelesen habe (einfach nicht die Zeit gefunden).
Interessant (auch hier wieder), die verblendung der Menschen (gerade der Kirche) in Sachen Heiligtümer und Glaube.
Die rühmliche Ausnahme (wohl die erste, die ich bei Cornwell gefunden habe) ist Abbé Planchard, der sich ein kirchliches Weltbild gebaut hat, wie ich mir auch gerne die Kirche wünschte.
Wiederum auffällig, das die Charaktere echte Tiefe besitzen und nicht nur einfach Gut/Böse sind, sonder gemäß Ihrer Gesinnung agieren.
Das Ende ist etwas schnell geschrieben und leider auch ein schneller Sieg dank Pestilenz...
Gefreut hat mich, dass sich meien Vermutung (in Bezug auf den Gral) aus dem ersten Band bestätigt hat, und Cornwell dieses Thema nicht noch mehr ausgeschlachtet hat (siehe erster Absatz).
80° sind geworden...
Micha
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