Das Fort von Bernard Cornwell

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2010unter dem Titel „The Fort“,deutsche Ausgabe erstmals 2011, 608 Seiten.ISBN nicht vorhanden.Übersetzung ins Deutsche von Karolina Fell.

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Kurzgefasst:

Sommer 1779: Der Kampf um die Unabhängigkeit der USA von der britischen Krone hat sich in den Süden verlagert. Da nutzt eine britische Infanterieeinheit die Gunst der Stunde: Die Rotröcke segeln in drei Kriegsschaluppen zur nebligen Küste Neuenglands, um dort auf einer Landzunge ein Fort zu errichten – den weit über das Meer sichtbaren Machtanspruch der Krone. Eine Kriegserklärung an die junge Regierung der USA! Als Antwort schicken sie eine riesige Kriegsflotte und mehr als tausend Infanteristen, um die Eindringlinge zu vertreiben. Doch zum Sieg gehört mehr als nur ein großes Heer; zum Sieg gehören ein Plan und Männer, die das Handwerk des Krieges beherrschen …

Das meint Histo-Couch.de: „Vom Unvermögen, ein Fort zu erobern“91Treffer

Rezension von Carsten Jaehner

Sommer 1779, im Norden des US-Staates Massachusetts. Den heutigen Staat Maine gibt es noch nicht, und die Vereinigten Staaten von Amerika sind erst drei Jahre alt. Engländer besetzen auf der Landzunge von Majabigwaduce die Halbinsel, um den Machtanspruch der englischen Krone aufrecht zu erhalten. Daraufhin versuchen die Amerikaner, den Stützpunkt zurück zu erobern.

Während die Engländer beginnen, auf der hohen Halbinsel ein Fort zu bauen und mit drei Schiffen die Einfahrt in den Hafen von Majabigwaduce blockieren, rückt die amerikanische Flotte näher und erobert die Steilküste, um das unfertige Fort angreifen zu können. Zudem erobern Sie den Stützpunkt Cross Island, der auf der anderen Seite der Hafeneinfahrt liegt und aufgrund dessen die drei englischen Schiffe weiter in den Hafen hineinmüssen.

Doch leider steht und fällt eine gute und erfolgreiche Belagerung mit den ausgefeilten Taktiken der Angreifer, und daran mangelt es den Amerikanern von Anfang an. So jedoch droht ihnen eine peinliche Niederlage gegen viel zu wenige Engländer, die allerdings einfach durchhalten und abwarten, wie die Gegner es einfach nicht verstehen, das unfertige Fort einzunehmen …

Alles, was schief gehen kann, geht schief

Mit Das Fort hat der Militärhistoriker Bernard Cornwell einen Roman vorgelegt, der für seine Verhältnisse ungewöhnlich ist, dennoch durchweg spannend und unterhaltsam ist. Und obwohl die amerikanische Armee letztlich alles falsch macht, was man nur in einem Kampf falsch machen kann, ist dies ein lustiges oder gar amüsantes Buch. Der Grund dafür ist, dass der Roman auf realen Zeugnissen und Dokumenten beruht und sich das Geschehen so zugetragen hat, wie Cornwell berichtet.

Wo die Engländer ein Fort oben auf der Halbinsel errichten, das noch völlig in der Anfangsphase seiner Entstehung ist und es daher ein leichtes sein sollte, es einzunehmen, stellen sich die Amerikaner unglücklich an, wo es geht, und das beginnt schon in der Vorbereitung. Es gibt keinen wirklichen Oberbefehlshaber, die Truppen sind zu einem Großteil aus Milizionären zusammengestellt, die gezwungen wurden zu kämpfen und die aber eigentlich keine Lust dazu haben, weil sie zum Teil eigentlich Engländer sind. Es gibt weder genügend Nahrung noch Waffen, und was an Waffen da ist, ist nicht immer das, was man eigentlich braucht:

 

„Die Kanonenkugeln? Falsches Kaliber?“ Der Sergeant führte es vor, indem er eine Kugel in das Rohr einer der beiden Achtzehnpfünder schob. Dann drückte einer seiner Männer die Ladung mit dem Stock tiefer in das lange Rohr hinein, das, weil die Kanone auf dem höchsten Punkt von Cross Island stand, etwas nach unten auf den Bug der Nautilus ausgerichtet war. Der Kanonier zog den Ladestock zurück und trat einen Schritt zur Seite. (Captain) Hacker vernahm ein leises Geräusch aus der Kanone. Das dumpfe Rollen von Metall auf Metall wurde lauter, als die Kugel durch das Rohr lief, bis sie schließlich mit einem jämmerlichen Plumps aus der Mündung des Rohrs auf den Kiefernnadelteppich fiel, der hier den Boden bedeckte. „O Gott“, sagte Hacker.

 

Zudem sind sich die Offiziere auch über das Vorgehen nicht einig, und das schlechte Wetter vor Ort, vor allem der immer wieder aufkommende Nebel, tun ihr Übriges dazu. Kommandeur der Schiffe ist Commodore Saltonstall, und Solomon Lovell war für die Eroberung des Forts zuständig. Da das Fort oberhalb des Hafens gebaut wurde, behauptete Saltonstall, dass er nicht in den Hafen fahren könne, da er sonst beschossen würde und er so seine Schiffe und deren Mannschaften opfern würde, abgesehen davon, dass es im Hafen keine Möglichkeit zum Wenden gebe. Lovell wollte nicht angreifen, ehe die Gefahr der angreifenden Schiffe gebannt war.

Zu all dem kommt ein widriger Lieutenant Colonel Paul Revere, der wegen einer anderen Heldentat von den Amerikanern als Held verehrt wird, hier aber alles tut, um nicht kämpfen zu müssen und schließlich eher ein Feigling, noch dazu ein sehr frecher, sein wird. Auf der anderen Seite machen die Engländer das einfachste, was sie machen können: Abwarten, was die Amerikaner machen, und einfach das Fort weiterbauen.

Die Geschichte ist die Hauptperson

Cornwell hat in diesem Roman keine Hauptfigur, der man durch die Geschichte folgt, sondern er wechselt immer wieder die Erzählperspektive zwischen den Engländern und Amerikanern, so dass man die Ereignisse immer aktuell aus mehreren Blickwinkeln mitverfolgen kann. Vor allem ist dies interessant, wenn die eine Seite etwas tut (oder lässt), was die anderen Seite dann irgendwie interpretiert. Das ist dramaturgisch geschickt aufgebaut, und man liest dies alles mit großem Vergnügen.

Cornwell versucht nicht, die Parteien zu werten, er verhält sich und seine Erzählung neutral, was dem Roman gut tut. Weder die Amerikaner noch die Engländer sind die Guten oder die Bösen, es geht hier rein um Taktik, wenn man das unter diesen Verhältnissen überhaupt sagen kann. Die Offiziere charakterisieren sich gegenseitig, so dass man ein gutes Bild der Zeit, der Taktiken und der Menschen bekommt. Auch die Geburtswehen der noch jungen USA werden dargestellt, und so wird hier ein unbekannter und unbeachteter Teil der amerikanischen Geschichte eindrucksvoll zum Leben erweckt.

Großartiger Anhang

Man mag das Gefühl haben, der Roman bleibe an der Oberfläche, aber das ist nicht so. Immer wieder werden kleine persönliche Geschichten erzählt, von den Träumen und Sorgen der Beteiligten, und auch eine Begegnung mit weißer Flagge zwischen zwei Offizieren der beiden Parteien auf der Fortebene bietet einen hervorragenden Einblick in die Zeit. Cornwell beherrscht das große wie auch das kleine Erzählen, und er tut dies wie aus einem Guss.

Die Karte im Einband erweist sich als sehr nützlich für die Leser, lohn sich der Blick darauf doch immer wieder, um das Geschehen vor Ort zu verstehen. Der 40(!)-seitige Anhang ist so spannend und aufregend wie der Roman selbst und bietet ebenso viele Überraschungen. Cornwell erzählt hier ausführlich, was mit den Menschen weiter passiert ist und wie es historisch weiterging. Nett ist auch der Hinweis zu Beginn, dass alle fiktiven Personen mit demselben Buchstaben („F“ wie „fiktiv“) beginnen (bis auf eine). Mit diesem Wissen, dass Cornwell noch nie so viele reale Personen verwendet hat, liest sich so ein Roman gleich ganz anders.

Einzig vermissen tut man, und das recht schmerzlich, ein nach Nationen geordnetes Namensverzeichnis. Teilweise springt Cornwell doch schnell hin und her, und es dauert eine Weile, bis man weiß, auf welcher Seite die Erzählung gerade vonstatten geht. Das ist aber nur ein kleiner Wermutstropfen in einem ansonsten rundum gelungenen, unterhaltsamen Roman, der nicht nur für Freunde nautischer Literatur geeignet ist. Cornwell bleibt ein Meister der Erzählkunst.

 

Ihre Meinung zu »Bernard Cornwell: Das Fort«

M.Reinsch zu »Bernard Cornwell: Das Fort«28.04.2016
Im Sommer 1779 versucht das englische Empire noch einmal Stärke, in den südlichen amerikanischen Kolonien zu zeige. Sie errichten in dem eher unbekannten Landesteil Majabigvaduce (heutiges Main), ein kleines Fort um so diesen sicheren Hafen für amerikanische Freibeuter auf der Jagd nach englischen Handelsschiffen, unbrauchbar zu machen. Da der Landstrich zu damaliger Zeit Massachusetts zugehörig war, fühlten sich die Mächtigen in Boston verpflichtet die Engländer wieder nach New Scotland zurück zu treiben. Was folgte war eine der eher unbekannten See/Landschlachten im amerikanischen Befreiungskrieg, in denen die Amerikaner nicht nur Ansehen verloren…
Bernard Cornwell bleibt seiner Linie treu, egal in welchem Jahrhundert er seine Geschichten ansiedelt, steht er auf der Seite der Engländer. Zwar lebt er schon sehr lange in seiner Wahlheimat den USA, aber seine Liebe gilt immer noch seinem Geburtsland. So nimmt er eine eher als „Nebengeschichte“ an zu sehende Schlacht um eine englische Besetzung zum Anlass ein Buch über das fast schon klägliche Versagen der sogenannten Kontinentalarmee gegen das englische Empire zu schreiben. Mit knapp 800 Soldaten, 3 mittelgroßen Schiffen, einer halbfertigen Festung und ein paar Kanonenstellungen, nimmt es General Francis McLean mit über 100 Amerikanern und 37 (belegten) Schiffen auf! Das ihm neben seinem militärischen Geschick, vor allem die Unentschlossenheit des amerikanischen Generals Lovell, die Engstirnigkeit eines als Volkshelden gefeierten Colonel Revere, die Zwistigkeiten zwischen Lovell und dem Commander der Gesamtflotte Commander Saltonstall den Sieg schenken steht auf einem anderen Blatt. Sicher hätte das Buch um gut 200 Seiten gekürzt werden können, den die vielen Nebenschauplätze, die Cornwell beleuchtet, sind nicht für jeden Leser interessant, aber anhand einiger, wichtiger Figuren zeigt er auf, was der Krieg aus Menschen machen kann. Manch einer Figur hätte etwas mehr Tiefe gut getan, aber dafür gab es wohl zu viele von Ihnen. Dazu kommt seine, häufig mit verschmitztem Blick betrachteten Detailszenen aus dem einfachen Geschehen, die einem die längeren Passagen ohne Spannungsbogen überstehen lassen. Auch sind es wieder die sehr brutal, blutig und detailgenauen Schlachten die eine gewisse Faszination auslösen. Wirklich interessant wird das Buch aber eigentlich erst, wenn man die beiden Nachworte gelesen hat und ersehen kann aus was für kleinen Puzzleteilchen Cornwell da seine Geschichte zusammengebastelt hat. Wie immer spart er nicht mit historischer Genauigkeit, auch wenn dabei so manch anerkannter Held Federn lassen muss! Auch die Übersichtskarte am Buchanfang war für mich recht hilfreich, um manchen Schachzug der beteiligten Armeenteile nachvollziehen zu können.
Fazit: Ein typischer „Cornwell-Geschichts-Unterhaltungsroman“, der aus einer kleinen Geschichte einen unterhaltsamen, leicht zu lesenden Roman macht und dem Leser etwas Geschichte in angenehmer Form nahe bringt.
85°
Daniel Wilkowski zu »Bernard Cornwell: Das Fort«12.01.2016
Als ich mir den Roman "Das Fort" gekauft habe, so in Erwartung eine Geschichte zu lesen, in der Soldaten eine haushoch überlegenen Feind bezwingen und als Helden nach Hause zurückkehren.
Doch dem war nicht so. Vielmehr ist es der Feind (die englischen Rotröcke), der sich als unterlegen erweist und einem überlegenen Gegner (den amerikanischen Freiheitstruppen) standhalten kann.
Für mich war dies eine Überraschung, da ich bisher so sehr daran gewöhnt war, in Cornwalls Roman gewinnen immer die "Guten", schlicht ausgedrückt.
Doch das ist es, was "Das Fort" von anderen Romanen Cornwalls abhebt, eben dass er über eine der schmachvollsten Niederlagen des amerikanischen Unabhängigkeitskampfes schreibt. Der Roman ist spannend, sehr realistisch gehalten und sehr gut recherchiert. Cornwall beschreibt sehr eindringlich die Probleme und Mißstände innerhalb der amerikanischen Truppen und führt immer wieder vor Augen, warum die Rotröcke als professionelle Soldaten einer Übermacht standhalten konnten. Seine Version der Geschehnisse und Gründe für die Niederlage sind sehr nachvollziehbar und durchaus denkbar. Ob es so geschah, dass kann heute niemand mehr sagen...

Meiner Meinung nach ist "Das Fort" ein typischer Cornwall: Teuflisch spannend, lehrreich, interessant und sehr gut geschrieben. Die zusätzlichen Materialien, wie das historische Nachwort und ein Kommentar Cornwalls, tun ihr übriges , um den Roman auch nachher sehr interessant zu halten.
Fazit: Für Cornwallfans, nicht zu verachten, am besten: Sofort lesen!!!
Cornwall soll mehr über den amerikanischen Unabhängigkeitskrieg schreiben.
Sender zu »Bernard Cornwell: Das Fort«06.10.2013
Mein erstes Buch von B. Cornwell.
Kein heroisches Epos von einem großen Sieg oder eine bittere Niederlage. Das Buch beschreibt Menschen, die im Krieg leben, sterben, verrecken, ihre Pflicht tun, Angst haben, tollkühn sind, Verräter sind usw.
So kann es wirklich gewesen sein und das macht das Buch so interessant.
In jedem Fall regt es den Wunsch an, sich näher mit dem Thema und der Epoche zu beschäftigen.
sechsundvier zu »Bernard Cornwell: Das Fort«25.09.2011
Habe das Buch nur auf Englisch gelesen, hat mir aber sehr gut gefallen. Die Darstellung ist dicht und die Handlung läuft auf vielen Ebenen ab, allerdings ohne dabei den Leser zu verwirren. Es gibt zwar keine Hauptfigur im eigentlichen Sinne, dafür aber eine ganze reihe sehr gut ausgebauter Charaktere. Insbesondere der Versuch, die verhaltensweisen der Personen anhand der historischen Überlieferung zu rekonstrukieren gibt dem Buch eine gewisse Tiefe. Klar, es ist kein Drama, das eine höhere Botschaft vermittelt, und wohl auch kein Erziehungsroman, der den Leser zum besseren Menschen machen soll. Und gerade das hat mir so gut gefallen: "Das Fort" ist eben einfach "nur" ein sehr packend geschriebener Roman, der eine fast vergessene Geschichte aus dem Sommer 1779 erzählt ohne darüber hinaus eine Absicht zu haben. Das macht das Buch ehrlich und erfrischend.
Bratmax zu »Bernard Cornwell: Das Fort«17.09.2011
Der neue Roman von Bernard Cornwell handelt vom Amerikanischem Unabhängigkeitskrieg. Die Briten bauen im heutigen Maine ein Fort um den Handel zu schützen, der durch amerikanische Kaperfahrer bedroht wird. Doch schon rücken die Amerikaner mit einer Flotte an und es beginnt ein langer Kampf um Fort Georg.
Der Roman hat keine richtige Hauptfigur, man weiß nicht wer die Guten und wer die Bösen sind, die Amerikaner oder die Briten. Sowohl der General der Briten als auch der General der Amerikaner sind vielschichtig gezeichnet. Der Schreibstil von Bernard Cornwell ist wieder super zu lesen und man fühlt sich als wenn man mitten auf dem Schlachtfeld ist. Die Karte ist sehr hilfreich.

Ein toller Roman, der mir sehr, sehr gefallen hat.
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