Die Hexengabe von Beatrix Mannel

Buchvorstellung und Rezension

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Originalausgabe erschienen 2010 unter dem Titel „Die Hexengabe“, , 576 Seiten. ISBN 3-453-35425-7.

Kurzgefasst:

Nürnberg 1697: Die schöne Rosa gilt als Hexe, denn sie hat sechs Finger an ihrer linken Hand. Als ihr Vater ums Leben kommt, will man sie und ihre Familie daher nur allzu gerne loswerden. Doch Rosa ringt dem Rat der Stadt ein Ultimatum ab: Gelingt es ihr, binnen zwei Jahren ihren Neffen, den einzigen männlichen Erben, aus Ostindien zu holen, darf die Familie die Spielkartendruckerei des Vaters weiterführen. Auf der gefahrvollen Reise leistet ausgerechnet ihr sechster Finger wertvolle Dienste – denn mit seiner Hilfe kann Rosa erkennen, wenn jemand lügt …

 

Das meint Histo-Couch.de: „Innovativ, farbenprächtig und spannend, besser als der Titel vermuten lässt“

von Daniela Loisl

 

Rosa, Tochter eines Spielkartenherstellers, hat an einer Hand sechs Finger und gilt deshalb als verhext und verflucht. Als ihr Vater, den sie über alles liebt, stirbt, ordnet der Rat der Stadt Nürnberg an, dass ihre Mutter die Kartendruckerei nicht weiterführen darf und sie mit Rosa und deren jüngeren Zwillingsschwestern ausziehen muss, da es keinen männlichen Erben gibt. Der einzige männliche Verwandte der für eine Erbschaft infrage käme, ist Rosas noch kleiner Neffe Kaspar. Das Problem ist nur, dass Dorothea, Rosas Schwester und Kaspars Mutter, mit ihrem Mann nach Indien ausgewandert ist. Rosa macht in ihrer Verzweiflung dem Rat den Vorschlag, ihren Neffen binnen zweier Jahre zurück nach Nürnberg zu holen und bittet bis dahin um einen Aufschub. Da der Rat ohnehin nicht glaubt, dass Rosa diese Reise begeht und wenn doch, es dann niemals schafft rechtzeitig zurück zu sein, wird ihr diese Bitte gewährt. So macht sich Rosa, die in ihrem Leben noch nicht einmal Nürnberg verlassen hat, alleine auf nach Indien.

Spannend von der ersten Seite bis zum Schluss

Der Titel Die Hexengabe suggeriert eine klischeebeladene, schon oft da gewesene Geschichte: Einer junge Frau, zu Unrecht als Hexe verrufen und vom Mob gejagt, macht Schlimmes mit. Aber glücklicher Weise gibt es einen tapferen jungen Helden, der sie aus den Gefahren rettet – einige Hürden, manche Gefahr, aber zu guter Letzt siegt die Liebe und alle sind glücklich...
Nun, so vorhersehbar und platt wie in leider unzähligen anderen Romanen dieses Genres verläuft die Geschichte von Beatrix Mannel nicht.

In einfacher, aber keineswegs flacher, Sprache erzählt die Autorin die Erlebnisse einer jungen Frau, die alles andere als stark und von sich überzeugt ist. Schon auf der ersten Seite gelingt es Mannel, den Leser zu fesseln und den Spannungsbogen bis zum Schluss straff zu halten. Beatrix Mannel wählt drei Erzählstränge, die dem Leser Abwechslung bieten und durch geschickten Szene- und Schauplatzwechsel kommen nie Längen auf. So begleitet man Rosa im Hauptstrang bei ihrer ereignisreichen und nicht immer einfach verlaufenden Reise nach Indien und in den beiden weiteren Erzählsträngen lässt sie je den Ratsherrn Dobkatz und die Haremsfrau Rihana selbst ihre Erlebnisse, Beweggründe und Pläne schildern.

Bunte Vielfalt an Charakteren und ein dickes, unsympathisches und nerviges Kind

Überzeugen kann die Autorin auch mit ihren Figuren. So ist Rosa nicht die perfekte und stets rein denkende Protagonistin, der bei Gefahr immer ein Retter zu Hilfe eilt, sondern ein mitunter sogar selbstsüchtiges und manchmal sogar naives Wesen. Mannel gewährt Rosa eine große Menge an Bekanntschaften; viele interessante Leute, die allesamt lebendig und absolut authentisch gezeichnet sind, lernt sie auf ihrer Reise kennen. Ob der kleine, mitfühlende Kapitän des Schiffes Amalberg, der tumbe und hinterhältige Profo des Schiffes, die exzentrische aber weichherzige Armenierin Sinush und der zwielichtige aber sympathische „Priester“ Luis, jedem wurde mit sehr viel Feingefühl Leben eingehaucht.

Die Figuren sind vielschichtig und mit allen guten und schlechten Eigenschaften des menschlichen Charakterspektrums gezeichnet. Ungewöhnlich, aber absolut in die Geschichte passend, ist die Darstellung von Rosas Neffen. Dieses Kind, das der Schlüssel für die Zukunft ihrer Familie ist, ist alles andere als nett und artig, so dass nicht nur Rosa oft das Bedürfnis hat, diesen kleinen, fetten Quälgeist einfach sich selbst zu überlassen. Dieses Herausholen der Figuren von all den oft schon vorgegebenen Schablonen, macht die Geschichte lebendig und glaubhaft, so dass sich der Leser sehr gut mit der Protagonistin identifizieren kann.

Auch dass Rosa nicht aus allen gefahrvollen Situationen gerettet wird, sondern so manches Leid am eigenen Körper erfährt oder sich auch selbst durch ihre Naivität in bedrohliche Situationen bringt und dafür bezahlen muss, überzeugt und fesselt den Leser. Rosas „Hexengabe“, dass ihr sechster Finger kalt wird wenn jemand lügt, wurde auf sympathische Weise in die Geschichte mit eingebaut und wirkt weder übertrieben noch irgendwie unglaubwürdig. Eine außergewöhnliche, aber auch interessante Gabe die die Autorin ihrer Protagonistin gegeben, aber auch verstanden hat, diese nur in passenden Momenten in das Geschehen mit einzuflechten.

Einige Fragen bleiben offen

Ist die Geschichte im Großen und Ganzen kompakt erzählt, bleiben am Ende doch einige Fragen offen. So verlaufen die beiden Nebenerzählstränge einfach ins Leere und so aufregend und schwierig sich die Reise nach Indien für Rosa gestaltet hat, so einfach und unkompliziert scheint die Rückreise gewesen zu sein, den diese erstreckt sich über auffällig wenig Seiten, so dass der Eindruck entsteht, die Autorin habe es nun eilig gehabt das Buch zu beenden. Man erfährt auch nicht, was aus Sinush oder Carlo wurde oder wie es mit Rihana weitergeht. Oder ist gar eine Fortsetzung geplant? Vieles deutet zumindest darauf hin.

Ihre Meinung zu »Beatrix Mannel: Die Hexengabe«

Sophia zu »Beatrix Mannel: Die Hexengabe« 22.11.2010
Ein tolles Buch! Dank ihres sechsten (Hexen-)fingers besitzt Rosa eine besondere Gabe: Sie merkt, wenn jemand lügt. Das kommt ihr sehr zustatten, denn nach dem Tod ihres Vaters droht die Familie das Erbe, eine Spielkartenmanufaktur, zu verlieren. Kurz entschlossen macht sich Rosa auf, den nötigen männlichen Erben aufzuspüren, der in Indien lebt. Zwei Jahre Zeit bleiben ihr, die kaum je aus Nürnberg herausgekommen ist. Es werden zwei mehr als aufregende Jahre, in denen sie nicht nur spannende Abenteuer zu überstehen hat, sondern auch mit der Liebe konfrontiert wird. Beatrix Mannel erzählt das alles so anrührend, dass man Rosa schnell ins Herz schließt und meint, direkt an ihrer Seite die vielen Herausforderungen bestehen zu müssen. Ein sehr gut zu lesendes Buch, gerade jetzt vor Weihnachten ein hervorragendes Geschenk für Liebhaber von historischen Abenteuerromanen.

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