Jakobsblut von Barbara Pope

Buchvorstellung

Jakobsblut von Barbara Pope

Originalausgabe erschienen 2010unter dem Titel „The Blood of Lorraine“,deutsche Ausgabe erstmals 2010, 523 Seiten.ISBN 3-548-60833-7.Übersetzung ins Deutsche von Uta Rupprecht.

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Kurzgefasst:

1894, auf dem Höhepunkt der Dreyfus-Affäre, muss Untersuchungsrichter Bernard Martin in Lothringen einen heiklen Fall lösen. Ein toter Säugling wurde grausam verstümmelt gefunden, die Eltern sprechen von einem jüdischen Ritualmord. Kurz darauf werden ehrbare jüdische Bürger umgebracht, eine antisemitische Hetzjagd scheint im Gange. Doch Martin ahnt, dass sich hinter den Ereignissen ganz andere Geheimnisse verbergen.

 

Ihre Meinung zu »Barbara Pope: Jakobsblut«

anyways zu »Barbara Pope: Jakobsblut«22.08.2011
Im Jahre 1894 wird im französischen Teil Lothringens, in der Stadt Nancy die grausam zugerichtete Leiche eines männlichen Säuglings gefunden. Dessen Eltern behaupten, ein jüdischer Hausierer hätte das Kind gestohlen, umgebracht und ausgeweidet. Genügend politischer Zündstoff, befindet sich Frankreich doch mitten in der so genannten Dreyfus-Affäre in der ein jüdischer Offizier verdächtigt wird, für die Deutschen spioniert zu haben.

Der Richter, dem der Fall des Säuglingsmordes übertragen wird ist ebenfalls Juden und schreckt zu Recht vor dieser Aufgabe zurück. Er bittet seinen Freund, Richter Martin, um Übernahme des Falles. Nach anfänglichen zögern willigt dieser ein, trotz der prekären Zwickmühle in der er sich privat befindet. Aber nicht nur die Schwangerschaft seiner Frau und der baldige Geburtstermin des Kindes, sondern auch die Blockaden seines Freundes, der wider erwarten möglichst wenig Hintergrundinformationen über seinen jüdischen Glauben preisgeben will, lassen Martin schier verzweifeln an seinem neuen Fall. Für seinen Freund steht hingegen nur fest, „Ein Jude bringt keinen Juden um“. Und dann werden doch zwei hoch angesehene und reiche Juden ermordet. Ein antesemitisches Pulverfass…





Ein wirklich sehr explosiver (nimmt man das Beispiel der Deutsche Geschichte nur rund 40 Jahre später) aber auch sehr langatmiger Kriminalroman. Die Rolle des jüdischen Richters gefiel mir nicht ganz so, enthebt die Autorin in doch von jedem Verdacht, dass auch Juden zu Untaten fähig sind. Dabei sind Juden, wie wir alle, Menschen mit Schwächen und Fehlern und auch unter ihnen gibt es schwarze Schafe. Wie in jeder Religion, denn im Namen derer mussten schon viele Menschen ihr Leben über Jahrhunderte hinweg lassen. Die Szenen in der der Mob wahllos auf Juden (oder hier noch als Israeliten bezeichnet) vorgeht, ist erschreckend realistisch dargestellt. Geradezu beängstigend, wie sich die Massen durch gezielte Provokationen, gestreute Lügen und Unwahrheiten aufwiegeln lässt.

Eine Sache, die mir an historischen Romanen immer schwer zu vermitteln ist, ist die Rolle der Frau. Auch in diesem Roman hat sich die Frau nur ums Heim, ums Kinder bekommen und Krankheiten zu lindern, zu kümmern. So etwas ist halt Sache der Frauen, damit sich die Männer fast gleichgültig was Familientragödien angeht, wieder in die Arbeit stürzen können. Wobei hier die Frau des Richters Martin fast schon eine Feministin ist, ist sie doch Lehrerin für die höheren Töchter. Geradezu fortschrittlich und deshalb von allen Nur- Ehefrauen fast geächtet. Eine klaustrophobisch wirkende Szene ist hierbei das geschäftliche Abendessen, das die Martins besuchen. Sehr gut beschreibt die Autorin wie die damaligen Frauen noch sehr von ihren Männern abhängig waren, und diese Abhängigkeit auch gar nicht störend empfanden. Ein sehr interessanter Kriminalroman, der bis auf ein paar zähe Stellen und der eher willkürlichen Fahndung nach dem Täter, in einem durchaus plausiblen Finale endet.

Ein kleines Manko ist in meinen Augen die Illustration des Buches, sie sagt so gar nichts über dessen Inhalt aus.
KimVi zu »Barbara Pope: Jakobsblut«27.09.2010
Frankreich, Nancy 1894

Aufgeregt betritt der Untersuchungsrichter David Singer das Büro seines Kollegen Bernard Martin. Singer ist Jude und verzweifelt über seinen neuen Fall. Er hat die Aufgabe zugeteilt bekommen, einen angeblichen Ritualmord, bei dem ein Jude einen christlichen Säugling verstümmelt und umgebracht haben soll, zu untersuchen. Da sich, aufgrund der Dreyfus-Affäre, der Antisemitismus in der Bevökerung ausbreitet, hat Singer Angst davor, dass dieser brisante Fall sein Verhängnis werden könnte. Deshalb bittet er seinen Kollegen Martin inständig darum, den Fall zu übernehmen.

Martin übernimmt den Fall mit gemischten Gefühlen. Schon bald stellt sich heraus, dass sein Misstrauen nicht unbegründet war, denn kurz nacheinander werden zwei angesehene Mitglieder der jüdischen Gemeinde ermordet aufgefunden. Treibt etwa ein vom Judenhass zerfressener Mörder sein Unwesen? Bernard Martin weiß nicht, wo er mit seinen Ermittlungen ansetzen soll, doch in ihm erhärtet sich der Verdacht, dass sich viel mehr dahinter verbergen könnte...

Meine Meinung

Der Kriminalroman beginnt mit einer historischen Vorbemerkung, in der die Dreyfus-Affäre und ihre Bedeutung für den jüdischen Teil der Bevölkerung kurz erklärt wird. Damit wird der Grundstein zum besseren Verständnis der Handlung gelegt. "Jakobsblut" ist bereits der zweite Band einer Bücherserie, in deren Mittelpunkt der Untersuchungsrichter Bernard Martin steht. Beide Bände sind in sich abgeschlossen und können unabhängig voneinander gelesen werden. Ich habe den ersten Teil nicht gelesen und hatte trotzdem keine Schwierigkeiten mich mit dem Hauptprotagonisten und seinem beruflichen und privaten Umfeld vertraut zu machen. Dennoch wurde meine Neugier auf den ersten Fall, durch kurze Rückblicke auf das Schicksal seines verstorbenen Freundes, geweckt.

Die Beschreibungen der Handlungsorte und der agierenden Personen im aktuellen Fall sind sehr detailliert, sodass man sich die jeweiligen Situationen gut vorstellen kann. Ausserdem gelingt es der Autorin, die antisemitische Stimmung in der Bevölkerung zu beschreiben und dem Leser die bedrohliche Atmosphäre zu vermitteln. Sie lässt jüdische Gebräuche und Gepflogenheiten in die Handlung einfliessen und liefert so eine gut recherchierte und lehrreiche Hintergrundkulisse. Aufgrund der zahlreichen Informationen sollte man das Buch konzentriert lesen. Kleine, aber wichtige Details könnten sonst leicht übersehen und nicht in die Handlung eingeordnet werden. Das Buch lässt sich dadurch nicht durchgehend flüssig lesen, aber dennoch bleibt die Erzählung interessant und schlüssig.

Bei der Suche nach dem Mörder tappt man fast bis zum Schluss im Dunkeln, da Untersuchungsrichter Martin verschiedenen Spuren nachgehen muss und dabei mehrere Verdächtige in das Visier der Ermittlungsarbeiten geraten. Deshalb ist die Kriminalhandlung spannend und die Auflösung überraschend. Neben der Suche nach dem geheimnisvollen Mörder und der Aufdeckung der Hintergründe, verfügt das Buch ausserdem über interessante Nebenhandlungen. Denn Martins Frau Clarie wird von den Ehefrauen der anderen Untersuchungsrichter skeptisch betrachtet, da sie an einer Schule unterrichtet, die von Mädchen aus allen Bevölkerungsschichten besucht wird. Claries fortgeschrittene Schwangerschaft und die bevorstehende Geburt des ersten Kindes, lassen den angesehenen Richter menschlich wirken und hauchen seinem privaten Hintergrund Leben ein.

"Jakobsblut" überzeugt durch eine spannende und gut recherchierte Handlung, die ohne romantische Verwicklungen und herzzerreißende Liebesszenen auskommt. Dennoch kommen die Gefühle nicht zu kurz, da das Ehepaar Martin ein einschneidendes Erlebnis verarbeiten muss und die bedrohliche Stimmung in der Bevölkerung beim Lesen spürbar ist. Anmerkungen zum historischen Hintergrund der Erzählung runden das Leseerlebnis ab.
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