Feldherrnhalle von Barbara Bronnen

Buchvorstellungund Rezension

Feldherrnhalle von Barbara Bronnen

Originalausgabe erschienen 2016unter dem Titel „Feldherrnhalle“,, 288 Seiten.ISBN nicht vorhanden.

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Kurzgefasst:

Stolz und geheimnisumwittert ist die mitten im Stadtzentrum gelegene Feldherrnhalle so etwas wie die gute Stube Münchens. Die Loggia, die König Ludwig I. aus Trotz gegen jene, die die Monarchie abschaffen wollten, gleich eine Nummer größer als das Florentiner Original bauen ließ, hat Pracht und Niedertracht gesehen, Größe und heimtückische Gewalt. Wir begegnen König Ludwig I. und seiner langjährigen Geliebten Marianna Florenzi, Lola Montez, Ricarda Huch, Georg Elser, Bertolt Brecht, Léo Lang, Hannah Arendt, Walter Klingenbeck, Gerhard Roßbach, Oskar Maria Graf und der Terroristin Vera Sassulitsch.

span>Das meint Histo-Couch.de: „Vom bekanntesten Bauwerk König Ludwigs I.“64

Rezension von Carsten Jaehner

Seit 1844 steht sie da am Ende des Odeonsplatzes in München, die Feldherrnhalle. Erbaut durch Friedrich von Gärtner im Auftrag von König Ludwig I. von Bayern, sollte sie ein Denkmal zum Ruhme und zu Ehren bayerischer Heerführer sein, aus Kalkstein errichtet, mit den Statuen von Tilly und Wrede direkt in der Loggia.

Anhand von Geschichten um die Feldherrnhalle erzählt die Autoren deren Geschichte, immer umrahmt von Erlebnissen mit ihrer Großmutter, und so bekommt der Leser eine Ahnung davon, welche Bedeutung diese mächtige Bau für die Münchner hat und welchen Teil der Geschichte die Feldherrnhalle mit erzählen kann.

Keine Details

Allerdings fehlen dem Nicht-Münchener, der nicht täglich oder zumindest regelmäßig an ihr vorbefährt, einige nackte Zahlen, Daten und Fakten. Wie groß, wie lang, wie breit, wie lange erbaut, wofür genutzt, Probleme beim Bau, allein eine Skizze des Grundrisses – auf all dies wartet der geneigte Leser über die komplette Länge von 288 Seiten des Büchleins aus dem Hause Europa. Vor dem Auge des Lesers entsteht ein Mythos der Feldherrnhalle, die viel gesehen und ertragen hat. Die Loggia, die Stufen mit den Löwen und den Statuen der Generäle, wird zum Zentrum der Erzählung. Aber sonst? Besteht die Halle nur aus der Loggia? Man könnte das meinen, denn von nichts anderem ist in dem Buch die Rede.

„Roman“ steht auf den Buchcover, das eben eine Fotografie der Loggia mit dem Odeonsplatz zeigt, nicht „historischer Roman“, denn das ist der Roman auch eigentlich nicht. Es gibt keine wirkliche Handlung, die Autorin schweift immer wieder in großen Bögen vom Thema ab. Sie erzählt Geschichten, mal mehr und mal weniger ausladend, die irgendwo im Thema Feldherrnhalle verhakt sind, immerhin tut sie dies chronologisch.

Aus der eigenen Familiengeschichte

Da erfährt man über König Ludwig I., den Bauherrn der Feldherrnhalle, über seine Ausschweifungen mit Lola Montez, Begegnet diversen Militärmärschen, Ricarda Huch, Karl Valentin, Wilhelm Hoegner, Münchener Lokalgrößen, und immer wieder wird man durch Details an der Loggia an Geschichten erinnert, den Aufmarsch der Nazis natürlich, geplante Attentate, die Weltkriege. Am Ende Bertolt Brecht und der Vater der Autorin, Arnolt Bronnen, dem sie distanziert begegnet, ohne persönliche Empfindungen, sachlich und wenig pathetisch.

Barbara Bronnen erzählt in einem teilweise sehr ausschweifenden Stil, nimmt sich Zeit für ihre Beobachtungen und Geschichten, versucht, dem Mythos Feldherrnhalle auf den Grund zu gehen, ohne dabei allerdings eine Verbindung zur Aussenwelt herzustellen, die die Feldherrnhalle nicht kennt. Dies ist kein Buch für Menschen, die das Bauwerk kennen lernen wollen, denn die Autorin fängt eben nicht vorne an, sondern mittendrin, und leider vergisst sie dabei den Schritt zurück, um die Leser ins Boot zu holen, die sich vielleicht in dem Buch zunächst eine sachliche Vorstellung des Gebäude an sich erhofft hatten. Das ist schade und dürfte für den Großteil der Leserschaft ein Handycap sein, sich dieses Buch anzuschaffen. Es ist ein Buch für Fortgeschrittene in Sachen Feldherrnhalle, für Menschen, die die Loggia in- und auswendig kennen, jeden Stein der Häuserfront beim Vornamen kennen, die Geschichte der beiden Löwen (ein bayerischer und ein preußischer, wer hätte das gedacht?), der Statuen, der Säulen, der Stufen, des Vorplatzes und allem, was diese beobachtet haben und wer sie selbst beobachtet hat und zu ihren Füßen saß und Dinge geplant hat, groß oder klein. Einige der Geschichten kann man auch in einem bekannten Online-Lexikon nachlesen.

Dabei hätte die Baugeschichte der Feldherrnhalle bestimmt einiges hergegeben, was Leser interessiert hätte. Als „Geschwisterbau“  des Wittelsbacher Palais’ und des Siegestores, alle aus der Hand des Architekten Friedrich von Gärtner, hätte man einen interessanten baulichen Exkurs einfügen können, doch leider sucht man diesen vergebens.

Ausschweifender Erzählstil

Allerdings kann die Autorin erzählen. Auch wenn sie sich gelegentlich in Details verliert, verfolgt man doch ihre Geschichten, die geschichtlich interessant sind, siehe die Geschichten während Hitlers Dritten Reiches, oder auch amüsant, siehe die Geschichten um Karl Valentin, gerade auch während der Nazizeit. Man erfährt viel Neues, womit die Autorin versucht, sich der Halle anzunähern und die Faszination zu erklären, die diese auf sie ausübt. Dass sie dies nur bedingt ihren Lesern vermitteln kann, liegt nicht an ihrem Schreibstil, sondern an der bereits erwähnten Struktur des Romans. Dass sie dien Stadt München liebt, hat sie bereits in anderen Publikationen gezeigt und man wäre bei der Lektüre dieses Romans auch schnell von selbst drauf gekommen. Diese Liebe ging leider zulasten der Sachlichkeit. Vielleicht suggeriert ein Roman mit dem Titel „Feldherrnhalle“ und einem Foto derselben auf dem Cover ja nur beim Rezensenten ein Roman über das Bauwerk, angefangen beim ersten Stein über den Bau, die Fertigstellung, die beteiligten Menschen und schließlich deren Erlebnisse über mehr als eineinhalb Jahrhunderte.

Wer die Feldherrnhalle kennt, ist mit diesem Roman bestimmt richtig bedient. Wer einen Einstieg ins Thema erwartet, sollte lieber nach München fahren und sie sich selber anschauen (wobei da natürlich generell nichts dagegen spricht). Feldherrnhalle von Barbara Bronnen ist kein historischer Gebäudeführer, aber ein schöne Geschichtensammlung um die Halle. Leider kann man sich einiges nur bedingt vorstellen, weil einige bauliche Voraussetzungen fehlen. Schade.

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