Die Nacht der Erinnerungen von

Buchvorstellung und Rezension

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Originalausgabe erschienen 2009 unter dem Titel „La noche de los tiempos“, deutsche Ausgabe erstmals 2011 , 1008 Seiten. ISBN 3421044996. Übersetzung ins Deutsche von .

Kurzgefasst:

Madrid 1935/36, am Vorabend des Spanischen Bürgerkriegs: Ignacio Abel, ein erfolgreicher Architekt, beginnt eine leidenschaftliche Affäre mit der attraktiven Amerikanerin Judith Biely. Als Ignacios Frau das Verhältnis entdeckt, versucht sie, sich umzubringen. Judith, geschockt und geplagt von Gewissensbissen, verschwindet spurlos. Auf der Suche nach ihr irrt Ignacio durch die Straßen von Madrid, in denen die politische Lage sich zuspitzt. Wie durch ein Wunder gelingt es ihm, einem Erschießungskommando zu entkommen und nach Amerika zu fliehen. Dort trifft er überraschend Judith wieder, mit der er eine letzte Nacht verbringt, die große „Nacht der Erinnerungen“.

Das meint Histo-Couch.de: „Krieg und Liebe“

von Almut Oetjen

Ignacio Abel, ein erfolgreicher Architekt Mitte vierzig, Sozialist, proletarischer Herkunft, ist verheiratet mit der älteren Adela, einer von ihm als langweilig empfundenen Frau aus der konservativen katholischen Oberschicht. Adelas Familie bereitet ihm Unbehagen, ist aber von Vorteil für seine Karriere.

Ignacio ist stilistisch beeinflusst von Walter Gropius und dem Bauhaus in Dessau, er arbeitet als Bauleiter der Universitätsstadt in Madrid. Darüber vernachlässigt er seine Familie. Während eines Vortrags im Juli 1936 lernt Ignacio die amerikanische Studentin Judith Biely kennen und verliebt sich in die Tochter jüdischer Emigranten aus Russland. Adela will sich das Leben nehmen, als sie von der Affäre ihres Mannes erfährt. Der Selbstmordversuch zeigt Judith, welches Leid sie Adela verursacht hat. Sie trennt sich von Ignacio, der wiederum seine Familie verlässt und sich auf die Suche nach der Geliebten begibt. Er gerät in die Wirren des Bürgerkrieges, der gerade begonnen hat.

Wer ist Antonio Muñoz Molina?

Antonio Muñoz Molina, der in Spanien zu den bekannten und anspruchsvollen Schriftstellern zählt, ist in Deutschland eher unbekannt. Einige seiner Bücher sind inzwischen in deutscher Übersetzung erschienen. Muñoz Molina ist kein leicht zu lesender Autor, und so mag Die Nacht der Erinnerungen anfangs durchaus abschreckend wirken. Da sind zum einen die etwas mehr als tausend Seiten. Freunde des mehr oder weniger gepflegten Dialoges müssen sehr lange warten, bis sie die ersten Anführungszeichen als Ausweis folgender direkter Rede zu sehen bekommen. Bisweilen mögen auch lange Satzkonstruktionen eine Herausforderung darstellen. Und nicht zuletzt mäandert der Ich-Erzähler in seinen reflektierenden Erinnerungen bisweilen auf das Heftigste.

Der politische und der private Mensch

Seit ein paar Jahren gibt es in Spanien eine Auseinandersetzung mit der faschistischen Vergangenheit, an der auch die Literatur beteiligt ist. Der Bürgerkrieg ist das für Spanien wichtigste historische Ereignis des 20. Jahrhunderts. Muñoz Molina verwendet ihn als Hintergrund für seinen Roman, entwirft ein Gesellschaftsbild der 1930er Jahre und platziert darin eine Geschichte der großen Gefühle. Diese Liebesgeschichte erzählt er jedoch nicht als überbordendes Drama, sondern aus der Innensicht seiner Hauptfigur. Detailliert beschreibt er das Madrid dieser Zeit, den Alltag der Menschen und ihre Lebensentwürfe, das politische Klima.

Wo das Private das Denken bestimmt, da hat das Öffentliche keinen Platz. Zwar gerät Ignacio in die Kriegswirren, kann aber dennoch nur an seine entschwundene Geliebte denken. Gleich, ob der Mensch politisch ist oder nicht, er wird in der Maschine zerrieben, wie der Autor in teils erschreckenden Szenen zeigt. Die Szenen, in denen der Autor sein Zeitbild entwickelt, sind akkurat recherchiert. Muñoz Molina lässt historische Persönlichkeiten auftreten, unter anderen die Politiker Manuel Azana und Juan Negrin, sowie die Dichter Rafael Alberti und Federico Garcia Lorca.

Eine der wenigen anderen Hauptfiguren des Romans ist Ignacios Professor aus Deutschland, der Jude Karl Theodor Rossmann, der erst aus Russland, dann aus Deutschland fliehen musste. Der einstmals international anerkannte Rossmann durchlebt während seiner Stationen des Exils einen sozialen Abstieg zum Straßenhändler. In der Beziehung zwischen Ignacio und seinem alten Professor verschmelzen das Private und das Öffentliche. Aber Ignacio, dessen Wahrnehmung durch seine Gefühle für Judith völlig verstellt ist, ist nicht gewillt, Rossmann und dessen Tochter zu helfen. Stattdessen versucht er sie bei jeder Gelegenheit abzuwimmeln. Weitere Schuld lädt Ignacio auf sich, als eines Nachts sein Schwager, der Falangist Victor, Schutz suchend vor seiner Tür steht. Das dritte Element der Schuld Ignacios wird offenbar in Briefauszügen seiner Frau.

Abstrahiert man von Gestaltungsmomenten wie den zwei Zeitebenen, zwischen denen die Erzählung wechselt – im historischen Gegenwartsroman mittlerweile Standard – lässt sich Die Nacht der Erinnerungen durchaus als ein altmodischer Liebesroman vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Umwälzungen bezeichnen.

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