Die Kriegerin von Annette Imort

Buchvorstellungund Rezension

Die Kriegerin von Annette Imort

Originalausgabe erschienen 2016unter dem Titel „Hasgers Hunde 3: Die Kriegerin“,, 250 Seiten.ISBN 3943531562.

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Kurzgefasst:

Trier im Spätsommer 504 n. Chr. – Sie nennen sich „Hasgers Hunde“, sie sind Söldner und ihr zweifelhafter Ruf eilt ihnen im gesamten fränkischen Reich voraus. Sie machen die Drecksarbeit für die hohen Herren und werden dafür nicht einmal in den Heldensagen erwähnt. Und sie haben eine zum Söldner ausgebildete Frau in ihren Reihen ... Für Thurudhild wird es ernst: Ihre erste Schlacht steht bevor, und die Fränkin erkennt schnell, dass auch die beste Ausbildung sie nicht auf alles vorbereiten kann. Welche selbstgesetzten Grenzen kann und muss sie überschreiten, um am Leben zu bleiben, um zu siegen? Wie weit ist sie bereit zu gehen? Und auch Hasger, der Anführer der Söldnertruppe, steht vor einer schweren Entscheidung...

Das meint Histo-Couch.de: „Schwacher Abschluss der Hasger-Trilogie“45

Rezension von Jörg Kijanski

Im zweiten Teil der Hasger-Trilogie stand das umfangreiche Trainingsprogramm der Söldnertruppe im Vordergrund. Zu Beginn des dritten und letzten Teils ist es nun soweit, der Kampf und damit der erste große Ernstfall für Thurudhild stehen bevor. Es gilt, unter Führung von König Chlodwig das Heer der Sachsen zu schlagen. Aber so schnell wie die Schlacht bevor steht, so schnell ist sie auch wieder zu Ende. Man(n) reibt sich verwundert die Augen und fragt sich, was denn jetzt noch auf den folgenden zweihundert Seiten passieren soll, ging es doch vordringlich um die Frage, ob eine Frau als Söldnerin und Kriegerin damals hätte bestehen können?

Einen Abort gab es hier wohl nicht, jedenfalls roch es überall grässlich. Regin sah, wie sie die Nase rümpfte, und grinste: „Ja, das ist der Geruch des Krieges: Scheiße. Und später kommt noch Blut und Verwesung dazu.“

„Wunderbar. So was wird in den Heldensagen natürlich nie erwähnt.“

Man kann es abkürzen: Die Grundidee, die vorgenannte Fragestellung, ob ein Leben als Söldner für eine Frau zu Beginn des Mittelalters (der dritte Teil spielt maßgeblich 504 n. Chr.) denkbar gewesen wäre, ist sicher interessant. Aber sie wird – spätestens mit der erwähnten Schlacht – beantwortet. Apropos Schlacht: Leser von Bernard Cornwell werden sich mit Grausen abwenden. Dabei ist Annette Imort (laut Buchangaben) begeistert in der „reenactment combat fighting“-Szene aktiv. Hierbei geht es um den mittelalterlichen Schwertkampf als Kampfsport. Warum dann die Kampfhandlungen nur wenige Seiten umfassen bleibt völlig schleierhaft, denn die Autorin hätte ja aus ihren eigenen „Kampferfahrungen“ schöpfen können. Schlimmer noch: Ja, eine Frau hätte es womöglich so oder ähnlich als Söldnerin schaffen können (wenngleich historisch betrachtet höchst unwahrscheinlich), aber hier zeigt sich das Dilemma des Plots. Die Geschichte ist an dieser Stelle durch, aber ein Buch kann ja schlecht nach gerade einmal dreißig Seiten enden. Hätte man den zweiten Teil, der bereits einige Längen aufwies, um diese Seiten ergänzt, es wäre ein respektabler Zweiteiler geworden.

„Stümper! Los, bevor alle richtig wach sind und hier die Hölle losbricht!“

„Wir sind die Hölle!“

Was passiert denn noch? Die Rückkehr nach Treveris, Langeweile in der Stadt, eine Aufnahmeprüfung bei Hasgers Hunden, eine kurze Rückkehr in Thurudhilds altes Dorf welche Erinnerungen weckt sowie die gewalttätige Beendigung einer Blutfehde in der nur eine junge Frau nebst zwei Säuglingen überlebt, wodurch Thurudhild sich wieder an ihre eigene Geschichte erinnert. Erinnerungen und Dopplungen plagen den Leser, aber es kommt noch ärger. Eine ungewöhnliche, da wenig glaubhafte Liebesgeschichte (die fehlte noch) folgt und ein langatmiger Plot über eine ebenso gelangweilte Tochter aus hohem Haus (die, na klar, auch noch zu verheiraten ist, wo wir schon mal bei der Liebe sind). Das Rollenverständnis zwischen Frauen und Männern wird erneut durchgenudelt (gab es in den beiden Vorgängern allerdings schon zur Genüge) und am Ende man mag es kaum glauben gibt es noch mal eine Schlacht. Auch diese ist sehr kurz (sie findet de facto nur indirekt statt) und dient lediglich dazu, doch noch ein paar von Hasgers Hunden über die Klinge springen zu lassen (deren Auswahl durchaus vorhersehbar ist).

Und die Moral von der Geschicht': Söldnerleben lohnt sich nicht.

Fazit: Insgesamt ist das Thema – wie erwähnt – interessant und (vor allem im ersten Teil) gut umgesetzt. Dass man aber unbedingt einen Dreiteiler machen musste ist, von reinen Marketinggründen abgesehen, kaum begreiflich. Zwei Bände oder auch nur ein (!) straffes Buch wäre hier mehr als ausreichend gewesen und hätte das Preis-Leistungs-Verhältnis sehr deutlich verbessert. So plätschert im letzten Band die Handlung wie beim Vorgänger erneut dahin, da die Liebeskapriolen nur bedingt interessieren dürften. Es ging ja um ein ganz anderes Thema. Sprachlich bleibt das Niveau überschaubar und beinhaltet nicht selten Allgemeinplätze.

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