Das verbotene Haus von Annette Dutton

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2016unter dem Titel „Das verbotene Haus“,, 400 Seiten.ISBN 3-426-52006-0.

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Kurzgefasst:

Melbourne, 19. Jhd.: Als ihr adliger Ehemann sie verlässt, scheint es für die mittellose deutsche Auswanderin Caroline nur einen Ausweg zu geben, um nicht zu verhungern die Prostitution. Doch mit Geschäftssinn und Mut gelingt ihr stattdessen, was keine deutsche Frau vor ihr bisher gewagt hat: Sie wird zu Madame Brussels, der wohlhabendsten Bordellbesitzerin der Stadt, die die Moral ihrer Zeit herausfordert. Erst durch die Begegnung mit Mary MacKillop, die die erste Heilige Australiens werden wird, stellt Caroline ihren Lebensweg infrage. 

München 2016: Die junge Journalistin Nina stößt auf ein merkwürdiges Detail ihrer Familiengeschichte: Eine ihrer Vorfahrinnen, eine in Australien geborene Waise, erhielt Anfang des 20. Jahrhunderts eine kostspielige Ausbildung in Deutschland. Doch wer hat dafür bezahlt? Nina steht schon bald ganz im Bann dieser geheimnisvollen Geschichte ...

Das meint Histo-Couch.de: „Die Hure und die Heilige“85Treffer

Rezension von Rita Dell'Agnese

Mit großen Hoffnungen reist die junge Caroline Ende des 19. Jahrhunderts mit ihrem Ehemann nach Melbourne. Sie wollen beim Bruder des Ehemanns unterkommen und eine neue Existenz aufbauen. In Australien angekommen müssen sie aber erkennen, dass der Bruder und dessen Familie sich in einem verwahrlosten Zustand befinden. Caroline erkennt mit Entsetzen, dass ihre Schwägerin weder in der Lage ist, einen Haushalt zu führen, noch ihre beiden Kinder zu betreuen. Die junge Deutsche versucht, den Zerfall aufzuhalten, kann aber nicht verhindern, dass die beiden Kinder im Waisenhaus landen. Verzweifelt sucht sie nach einer Möglichkeit, Nichte und Neffe zu sich zu holen. Sie nimmt dabei zunächst nicht wahr, dass sich ihr Ehemann immer weiter von ihr entfernt und sie schließlich verlässt. Sie ist auf sich alleine gestellt und bald schon sieht sie keinen anderen Ausweg, als sich zu prostituieren. Allerdings zeigt sich hier auch Carolines praktische Seite: Die junge Potsdamerin arbeitet sich verwegen und mit viel Geschäftssinn zur Bordellbesitzerin hoch. Als Madame Brussels wird sie zu einem Stachel in der Gesellschaft, denn sie ist nicht nur wohlhabend, sie weiß auch viel über die Menschen von Melbourne. Da begegnet Caroline Mary MacKillop, eine Frau, die sich nicht nur um verlassene Kinder, sondern auch um die Ärmsten der Stadt kümmert. Die Begegnung bringt Caroline dazu, sich Gedanken über ihr Leben zu machen. Über hundert Jahre später macht sich die Journalistin Nina auf, um die Geschichte der beiden Frauen zu ergründen. Denn sie ist auf ein geheimnisvolles Erbstück gestoßen und recherchiert nun ihre eigene Familiengeschichte.

Reale Figuren

Annette Dutton hat in ihrem Roman zwei Figuren zusammen gefügt, deren historischer Hintergrund viel Stoff bietet. Sowohl Caroline Hodgson, die später als Madame Brussels bekannt wurde, als auch Mary MacKillop, die bisher einzige Frau in Australien, die heiliggesprochen wurde, haben Spuren hinterlassen. Fiktiv ist die Geschichte, die die beiden zusammen geführt hat. Doch Annette Dutton hat sie so erzählt, dass die Leserinnen und Leser den Eindruck bekommen, dass es sich genau so zugetragen haben könnte. Die Autorin haucht den beiden historischen Persönlichkeiten, die weit voneinander entfernt sind, Leben ein. Sowohl Caroline als auch Mary sind so skizziert, dass sie dem Leser sehr nahe kommen. Sie sind spannende und facettenreiche Persönlichkeiten, die von Annette Dutton umsichtig charakterisiert worden sind. Anders verhält es sich mit Nina, der Figur aus der Gegenwart. Sie bleibt eher farblos und uninteressant, ihre Handlungsweise wirft immer mal wieder Fragen auf. Generell stellt sich die Frage, ob die Verknüpfung der Gegenwart mit der Vergangenheit tatsächlich sein muss. Die Geschichte der beiden historischen Figuren ist stark genug, ohne Verbindung in die Gegenwart bestehen zu können, zumal sich Ninas Geschichte immer wieder hinzieht und die Geduld der Leserinnen und Leser etwas strapaziert. Es will der Autorin nicht ganz gelingen, diesen Spannungsbogen zu bilden, der bei einer auf zwei Zeitebenen spielenden Geschichte durchaus entstehen kann.

Interessanter Hintergrund

Mit dem Schauplatz Melbourne hat Annette Dutton durchaus einen spannenden Schauplatz gewählt, zumal hierzulande nicht so viel über die gesellschaftliche Entwicklung dieser Stadt im 19. Jahrhundert bekannt ist. Überraschend sind auch die beiden Protagonistinnen und ihr Verhältnis zueinander. Mit dieser Wahl beweist die Autorin, dass ihr das Genre des historischen Romans nahe ist und sie wunderbar erzählen kann, um Lücken in der Überlieferung auszufüllen. Das in einer süffigen Sprache, die den Lesern einiges an Unterhaltung garantiert. Gegenüber früheren Werken zeigt die Autorin eine markante Steigerung an handwerklichem Können, so dass sie mit einem soliden Roman überzeugen kann.

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