Agathas Alibi von Andrew Wilson

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2017unter dem Titel „A Talent for Murder“,deutsche Ausgabe erstmals 2017, 384 Seiten.ISBN 3866124228.Übersetzung ins Deutsche von Michael Mundhenk.

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Kurzgefasst:

Im Dezember 1926 verschwindet Agatha Christie spurlos. Eine groß angelegte Suchaktion beginnt, an der sich sogar Arthur Conan Doyle beteiligt. Doch Christie, deren jüngstes Buch »Alibi« gerade zum Welterfolg lanciert, bleibt verschwunden. Erst elf Tage später wird sie in einem Hotel gefunden, in das sie sich unter dem Namen der Geliebten ihres Mannes einquartiert hat. Bis heute weiß niemand, was damals geschah. Was, wenn Christie an einen bösartigen Widersacher geraten ist? Was, wenn sie erpresst worden ist? Was, wenn die Königin der rätselhaften Morde selbst gezwungen worden ist, ein Verbrechen zu begehen?

Das meint Histo-Couch.de: „Agatha Christies seltsames Verschwinden“78

Rezension von Bettina Weiß

Der Tag, an dem Agatha Christie verschwand – oder Glück und Leid liegen dicht beieinander. Gerade ist das neueste Buch „Alibi“ von Agatha Christie erschienen und schickt sich an, ein Welterfolg zu werden. Zugleich erfährt sie, dass ihr Mann Archie ein Affäre hat und dies wohl nicht nur ein vorübergehendes Geplänkel ist. London, Dezember 1926, während die Stadt sich auf das anstehende Weihnachtsfest vorbereitet, fährt Agatha Christie in die City, um ebenfalls Weihnachtsgeschenke zu kaufen. Doch sie kann ihre privaten Sorgen nicht zurückdrängen und fühlt sich selbst in den Geschäften beobachtet. So beschließt sie, sich auf den Rückweg zu machen. Gedankenverloren steht sie auf dem Bahnsteig und spürt plötzlich einen Stoß in den Rücken. Sie kann gerade noch gerettet werden und stürzt nicht auf die Gleise vor den einfahrenden Zug.

Elf Tage im Leben einer Autorin

Ihr Retter erweist sich als Arzt und auf den ersten Blick charismatischer Mann. Er kümmert sich um Agatha und doch geht von ihm auch etwas Bedrohliches aus. Agatha hat das Empfinden, dass sie ihren eigenen Wahrnehmungen und ihrer Menschenkenntnis nicht mehr trauen kann. Kurz darauf verschwindet Agatha Christie und löst eine englandweite Suche aus. Erst elf Tage später wird sie in einem Hotel unter dem Namen der Geliebten ihres Mannes entdeckt und bis auf den heutigen Tag, weiß niemand, was damals geschehen ist. Mord, Erpressung oder einfach eine dringend notwendige Auszeit von den Lebenssorgen?

Andrew Wilson greift für seinen Roman eine tatsächliche Begebenheit aus dem Leben von Agatha Christie auf und spinnt darum eine unterhaltsame Fiktion. In der Anmerkung des Herausgebers lässt der Autor seinen Erzähler, einen Journalisten, dem Agatha Christie ein Interview gegeben hat, auf den genau diesem Umstand hinweisen. Der Autor greift somit zu einer doppelten Fiktion, denn auch sein Erzähler ist einer der Protagonisten. Es handelt sich bei dem Roman um reine Fiktion und den Versuch einer möglichen Erklärung für das bis heute ungeklärte Verschwinden der großen Autorin. 

Ein Zwiespältiges Gefühl bleibt

Der Roman lässt den Leser mit einem zwiespältigen Gefühl zurück. Auf der einen Seite steht eine durchaus spannende Geschichte, mit Erpressung und Todesfällen, auf der anderen Seite die Gestaltung der Protagonisten Agatha Christie als jüngere Frau, die sich naiv und schicksalsergeben in die Situation fügt und eben nicht ihren Scharfsinn und Intelligenz einsetzt, um sich zur Wehr zu setzen. Die Figur des charismatischen Arztes, der sie ausspioniert hat, ihre Lebenssituation genau kennt und einzuschätzen weiß, ist interessant und facettenreich gestaltet und die Bedrohung wird für den Leser spürbar. Daneben die zunächst hilflose und naive Art der Meisterin der Kriminalgeschichte, die bereits erfolgreich Kriminalgeschichten veröffentlicht hat und eigentlich mitten im Leben stehen sollte. Zwar bietet der Autor auch für dieses Handeln eine Erklärung, die jedoch nicht ganz zu überzeugen vermag. Ungeachtet dieses kleinen Kritikpunktes bietet der Fortgang der Handlung spannende Unterhaltung und interessante Wendungen, welche schlussendlich in die offizielle Erklärung zum Verschwinden der Agatha Christie münden.

Dem Autor Andrew Wilson ist ein ruhiger Roman der leisen Töne gelungen, der kein Krimi ist und auch nicht sein will. Er bietet eine mögliche Erklärung für das bis heute unerklärliche Verschwinden der großen Autorin, für all diejenigen, die an der offiziellen Version Zweifel hegen. Es ist keine Biographie, sondern Fiktion, die sich jedoch zu lesen lohnt und kurzweilige Unterhaltung bietet. 

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