Faust, der Magier von Andreas Gößling

Buchvorstellungund Rezension

Faust, der Magier von Andreas Gößling

Originalausgabe erschienen 2007unter dem Titel „Faust, der Magier“,, 607 Seiten.ISBN 3352007454.

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Kurzgefasst:

Unerhörtes geschieht: In einem Klosterkeller in Maulbronn wird die 17jährige Maria angeblich vom Teufel geschwängert. Danach schreit sie unaufhörlich – und beginnt Engel zu malen. Man schafft sie zu einem Küfermeister nach Knittlingen, wo sie ihr Kind zur Welt bringt: Johann Georg Faust. Schon früh gilt der seltsame Junge als Teufelsbastard mit besonderen Fähigkeiten. Er vermag Holzpuppen tanzen zu lassen und heilt Kranke durch Handauflegen – und er hat einen Hang zur Alchemie, den ihm nicht einmal seine treue Gefährtin Lena Siebenschöpf austreiben kann. Selbst Johannes Burrus, der Abt von Maulbronn, den manche in Verdacht haben, der heimliche Vater Fausts zu sein, ist von dem Jungen fasziniert. Der Abt fasst einen teuflischen Entschluss: Faust soll sein vor dem Bankrott stehendes Kloster retten, indem er Gold macht – oder er soll in Schimpf und Schande untergehen.

Das meint Histo-Couch.de: „;Ein einmaliges, spannendes Leseerlebnis“;92Treffer

Rezension von Carsten Jaehner

Faust – der Name erinnert unwillkürlich an Goethes Drama, in dem der Magister Heinrich Faust sich dem Teufel verschreibt und somit Bestandteil eines der am häufigsten zitierten Werke der Menschheit wird. Faust – der Name ist Programm und der Leser von Andreas Gößlings Roman wird nicht enttäuscht – wenn auch auf andere Weise, als vielleicht zunächst vermutet.

Ein Sohn des Teufels

Das Leben von Georg Johannes Faust beginnt wie das eines jeden normalen Menschen – mit der Zeugung. Doch angeblich wurde seine Mutter Maria vom Teufel geschwängert und im Jahre des Herrn 1480 nach der Geburt des Erlösers kommt Georg zur Welt. Von Anfang an ist klar, dass mit ihm etwas anders ist als mit anderen Kindern. Damit ist nicht nur die Art der Zeugung gemeint, allerdings weiß jeder in Maulbronn, was sich seinerzeit zugetragen hat. Auch zeigt der Junge mit seinen tiefblauen Augen und seinem unschuldigen Gesicht schon früh abnorme Neigungen.

Mit seiner Mutter in eine Kammer eingesperrt und mehr wie Tiere gehalten als überhaupt als Mensch akzeptiert, bringt sich Faust selbst das Puppenspiel bei, mit dem er die Mutter erheitert. Mit sieben Jahren erst gelingt es ihm, das Küferhaus zu verlassen und die Schule zu besuchen. Er steht unter der Beobachtung des Klosterabtes, weiß aber lange nicht, warum er von ihm einerseits gefördert, andererseits aber auch kleingehalten und zurückhaltend behandelt wird.

Faust entwickelt Fähigkeiten, die mit den Gesetzten der Kirche nicht in Einklang zu bringen sind. Neben seiner Herkunft, wegen der er von allen als „Satansbalg“ gehänselt wird, gelingt es ihm vor allem, durch Handauflegen Krankheiten zu erkennen. Wenn er sie schon nicht heilen kann, so kann er doch sehen, woran der Kranke leidet. Allein diese Fähigkeit und weiter unheimliche Dinge veranlassen den Klostervorsteher dazu, Faust eine große Aufgabe zu geben: Er soll in einem eigens für ihn eingerichteten Labor mittels der Alchimie Gold herstellen. Zum Ruhme der Kirche.

Ein Buch, in alter Sprachweise erzählt

Schon der Umschlag des Buches weist auf den Charakter des Inhalts des wortgewaltigen Werks von Andreas Gößling hin: Ein reich verziertes, altes Buch vom Ende des 15. Jahrhunderts. Gößling schreibt teilweise im Stil dieser Zeit, als wäre das Buch auch damals geschrieben worden und nicht zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Und so erklärt sich auch, dass Gößling nie auf die Idee kommt, seine teilweise fantastischen Handlungsstränge zu begründen oder zu relativieren. Damals glaubte man an Alchemie und an den Teufel und so kommen auch beide in diesem Buch vor, mit allen Konsequenzen. Das ist eine neue Herangehensweise an dieses Thema und man nimmt es ihm auch ab, denn Gößling versteht es von der ersten Seite, den Leser in seine Welt eintauchen zu lassen und fesselt ihn bis zur letzten Seite an die Lektüre des Buches.

Die Personen sind allesamt gut und nachvollziehbar charakterisiert, allen voran Georg Faust, seinen Weg vom Knaben bis zum erwachsenen Mann, seine Existenz als „Halbteufel“ und seine Zweifel am eigenen Tun. In allem hat er immer seine geschundene Mutter im Hinterkopf, für die er alles tun würde.

Mitstreiter und Gegenspieler bei der Kirche

Bei seinen Reisen auf der Suche nach den Stoffen für seine Alchemieküche begleiten ihn seine einzige Freundin Lena Siebenschöpf, sein Pferd und sein Hund sowie später ein kleines Wesen, das er Munkel nennt und das nicht spricht und nicht größer ist als der Hund. Geld verdienen sie durch Fausts Künste und die Puppenspielerei. Natürlich wird Faust landesweit bekannt und das ist etwas, was dem Abt Burrus und seinem Kumpan, dem Abt Nigrethius, nicht unbedingt gefällt. Faust arbeitet gleichzeitig für und gegen die Kirche, eine besondere Würze, die dem Roman noch mehr Spannung verleiht.

Gerade in der ersten Hälfte des Buches brennt Gößling ein Feuerwerk an Ideen ab. Das ist sehr beachtlich, allerdings kommt es dadurch zu Beginn des zweiten Teils zu einem Leerlauf, ehe das Schicksal am Ende des Buches wieder seinen Lauf nimmt. Allerdings klären sich in dieser Zwischenphase einige wichtige Dinge, sodass man trotzdem die Konzentration auf das „große Ganze“ nicht verliert.

Alchemie – nicht für jedermann

Sehr lobenswert ist in jedem Fall das Nachwort, in dem Gößling versucht, dem wirklichen Georg Faust nachzuspüren. Hier klärt sich auch, welche Teile des Buches erfunden sind und welche auf historischen Zeugnissen beruhen. Daher sollte man das Nachwort tatsächlich erst nach der Lektüre des Buches lesen.

Ohne zu viele Details verraten zu wollen: Die Beschreibungen und Formulierungen Gößlings sind nicht unbedingt etwas für zart besaitete Gemüter. Wie es im Mittelalter durchaus üblich war, werden manche Dinge mit teilweise drastischen Worten beim Namen genannt. Und auch die Schilderungen der „Kochkünste“ in Fausts Alchemieküche sind bestimmt nicht jedermanns Geschmack, zeigen sie doch die Sprache und die Gedanken der damaligen Zeit direkt auf und schauen nicht durch die rosa Brille. Wer sich aber auf dieses Leseabenteuer einlässt, wird ein Buch vorfinden, wie er es selten in den Händen gehabt hat. Ein teuflisch guter Roman, der für manch einen vielleicht Grenzen überschreitet, damit aber ein einmaliges und spannendes Leseerlebnis garantiert.

Ihre Meinung zu »Andreas Gößling: Faust, der Magier«

grossebine zu »Andreas Gößling: Faust, der Magier«31.10.2010
Nach längerem Zögern habe ich dieses Buch nun doch gelesen und nicht bereut. Der Schreibstil ist erstklassig und stimmig, er passt in diese Zeit und zu dieser Geschichte. Die Beschreibungen sind gewaltig und düster, oft roh und maches Mal entsetzlich derb. Es ist bestimmt kein Buch zum entspannen, die Geschichte des Faust erinnert eher an eine Folge von Albträumen mit selten hellen und frohen Momenten. Ein Buch das aufwühlt und den Leser mitreißt in eine Welt der Magie und der Teufelsbeschwörungen. Auch wenn der "Halbteufel Faust" gegen Ende des Buches für mich etwas zu fantastisch wurde, der Roman ist empfehlenswert, einfach weil er ein Erlebnis ist.
Annette zu »Andreas Gößling: Faust, der Magier«09.08.2007
Hallo an alle,

Habe diese Buch gerade gelesen. Wie Carsten es beschreibt ist es wirklich nicht Jedermann's Sache. In Teil 1 erwartet man sich vieles, dann flaut es ab, wird im 3ten Teil wieder ein wenig besser.
Auf mich wirkte diese mittelalterliche Mystik, beklemmend, düster und trostlos. Einzig die Ausdruckweise und Sprache des Autors ist hervorragend ,obschon manchmal schockierend. Wirklich kein Buch zum Entspannen und zum Geniessen. Ich bin ehrlich, hab es nicht zu Ende gelesen, besonders nicht bei so trostlosem Wetter.
09.08.2007
Annette


Annette
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