Die Ungehorsame von Andrea Schacht

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2010unter dem Titel „Die Ungehorsame“,, 448 Seiten.ISBN 3-442-37157-0.

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Kurzgefasst:

Bonn, 1842. Als die unscheinbare Leonie Gutermann und Landvermesser Hendryk Mansel sich das Jawort geben, bebt die Erde. Niemand mag an ein Omen glauben, doch in der Zweckehe kündigen sich schon bald Turbulenzen an. Beide hüten Geheimnisse voreinander, doch die Fassade bekommt erste Risse. Als auf Hendryk ein Anschlag verübt und auch Leonie bedroht wird, müssen sie sich ihrer Vergangenheit stellen – und ihren Herzen …

Das meint Histo-Couch.de: „Leichte, aber sehr kurzweilige und packende Unterhaltung“80

Rezension von Daniela Loisl

Leonie Gutermann soll mit dem Landvermesser Hendryk Mansel verheiratet werden und fügt sich dem Willen ihres Vaters. Sowohl von Leonie als auch für Hendryk ist es eine reine Zweckehe und sie arrangieren sich stillschweigend und führen, wenngleich nicht gerade eine glückliche, so zumindest eine zufriedene Ehe mit gegenseitigem Respekt. Jeder akzeptiert den anderen wie er ist, haben doch beide eine Vergangenheit, über die sie nicht sprechen können oder wollen. Eines Tages jedoch geschieht das Unvermeidbare und sowohl Leonie als auch Hendryk müssen sich der Vergangenheit stellen.

Nicht unbedingt neu, aber authentisch und sympathisch

Leonie, eine starke Frau, die Schlimmes erlebt hat, und Hendryk, ein Mann wie man ihn sich als Frau wünscht, mit Vergangenheit und Geheimnissen. Diese beiden Figuren stehen im Mittelpunkt des Geschehens, und schon nach dem Lesen weniger Seiten wird einem klar, dass die Geschichte vermutlich nicht sehr innovativ sein wird. Dies bestätigt sich auch beim Weiterlesen, denn irgendwo ist man in anderen Büchern schon Figuren begegnet, die Ähnliches erlebt haben, sich ähnlich verhalten und einem auch charakterlich bekannt vorkommen. Dies hört sich nicht gerade begeisternd an, doch wenngleich die Erzählung nicht frei von Klischees und anderem schon Dagewesenen ist, so hat Andrea Schacht doch die seltene Gabe, den Leser mit in ihre Geschichte zu ziehen und ihm leichte und kurzweilige Unterhaltung zu bieten.

Wer Schachts Bücher kennt, weiß, dass die Autorin den Leser nicht aufgrund der ausgefeilten Sprache oder dem subtilen Erzählstils für sich gewinnt, sondern durch ihre sehr sympathischen Protagonisten, die sie gekonnt in Szene setzt. Das Augenmerk ist stets auf die Erlebnisse der Figuren selbst gerichtet, so dass einem die einfache und schnörkellose, aber keineswegs platte Sprache sogar entgegenkommt. Die Autorin veranschaulicht das Leben des bürgerlichen Mittelstandes sehr authentisch und glaubhaft und der Erzählstil ist stets flüssig, so dass nie Längen aufkommen. Die Geschichte ist stets in Bewegung, die Schauplätze wechseln und man bekommt ein lebhaftes Bild von allen Ereignissen.

Um die Spannung straff zu halten, gewährt die Autorin dem Leser auch Rückblicke in Hendryks Erlebnisse fünf Jahre vor seiner Hochzeit in Algerien und Ägypten. Etwas befremdend ist nur, dass die Autorin Algerien zum Orient zählt, was man wiederholt im Buch finden kann.

Sympathische Figuren

Andrea Schachts Stärke ist es, ihre Figuren so darzustellen, dass der Leser sich mit ihnen identifizieren und deren Gemütslagen nachempfinden kann. Natürlich sind die Protagonisten die Guten, aber wider Erwarten stellt die Autorin die Antagonisten nicht als rein böse und berechnend dar, sondern zeigt sie in verschiedenen Facetten und gesteht dem einen oder anderen „Bösen“ auch eine Entwicklung zu. Schritt für Schritt wird das Geheimnis, das jede der Hauptfiguren mit sich trägt, gelüftet und die Handlungen der Personen sind nachvollziehbar

Es kommt auch der Humor nicht zu kurz und, wie könnte es bei Andrea Schacht anders sein, die eine oder andere Katze stapft durch die Szenerie. Entweder sie findet Erwähnung durch ihr stolzes Gehabe oder weil sie auf der Flucht vor unzähligen Mäusen ist …Als Katzenliebhaberin ist es für die Autorin fast ein „muss“, die eine oder andere kleine Begebenheit mit einer Katze mit einzubauen.

Im Gesamten ist Die Ungehorsame eine Geschichte mit großem Unterhaltungswert. Sie ist flüssig zu lesen, hat spannende Ereignisse und ein schlüssiges Ende. Die gut 400 Seiten des Romans hat man viel zu schnell gelesen und es ist ein ideales Buch, um einfach abzuschalten und sich in eine andere Welt tragen zu lassen, ohne sich groß anstrengen zu müssen.

 

Ihre Meinung zu »Andrea Schacht: Die Ungehorsame«

HoZu zu »Andrea Schacht: Die Ungehorsame«28.02.2016
Ich habe etwas Zeit gebraucht, bis ich mit den Figuren warm wurde. Natürlich wird später klar, warum sich Hendrik und Leonie am Anfang so verhalten. Aber ich dachte zunächst, ein gewisser Abstand der Partner und fehlende Gespräche seien damals vielleicht durchaus üblich gewesen in Partnerschaften. Dann gibt es allerdings eine erstaunliche Entwicklung. Große Dramen lösen sich einfach durch Verständnis und Liebe auf. Schön wäre, wenn das im echten Leben auch so einfach wäre. - Dennoch macht es Spaß und ist spannend, die Entwicklung aller Beteiligten zu verfolgen. Und ich hätte auch nichts gegen eine Fortsetzung mit anderen Hauptpersonen einzuwenden. Die Beginen- und Alyss-Romane haben mich allerdings noch mehr gefesselt.
venatrix zu »Andrea Schacht: Die Ungehorsame«05.12.2014
Ein bewegender Roman von Andrea Schacht. Die Abgründe, die hier im Laufe des Buches aufgedeckt werden, lassen die Geheimnisse der Hauptfiguren voreinander gerechtfertigt erscheinen.
Den Beginn mit dem Erdbeben bei der Hochzeit fand ich witzig. Die vielen Erzählstränge spannend zu verknüpfen ist eine Spezialität der Autorin. Nett war es, bekannte Figuren aus früheren Werken wieder zu begegnen. Die meisten der Figuren finde ich ausdrucksstark.
Tigo zu »Andrea Schacht: Die Ungehorsame«07.11.2011
Über den Inhalt ist anderweitig genug zu lesen, eine Vertiefung davon spare ich an dieser Stelle aus.

Die Geschichte hat viel zu lange 200 Seiten gebraucht, bis sie mich in den Bann gezogen hat, bis die Atmosphäre spürbar wurde und die Figuren ein Gesicht bekamen. Insbesondere Leonie bleibt bis dahin blass und konturlos.

Die Geheimnisse, die die Eheleute voreinander haben, werden zwar immer als solche erwähnt, aber die Geschichten dahinter entfalten sich viel zu zögerlich. Auch hier ist Leonies Leben viel zu dürftig gehalten, ihr Verhalten nicht schlüssig oder herleitbar. Das bleibt allerdings auch nach dem Aufdecken ihrer Erlebnisse der Fall. Wer ein solch intensives Thema in ein Buch aufnimmt, sollte ihm wenigstens die verdiente Aufmerksamkeit widmen, Sensibilität walten lassen und das nicht einfach so dahinschluddern. Hier kam mir der unangenehme Verdacht, dass es ein möglichst "großes Thema" sein sollte, um Aufmerksamkeit und Mitgefühl zu erzeugen. Das ist leider sehr schlecht umgesetzt, die Figur hätte man glaubhafter gestalten können.

Insgesamt fehlen einigen Personen und Handlungen die Tiefe. Weshalb man einen Geheimorden anlegen musste, dessen Sinn, Zweck und Bedeutung, die er für die Mitglieder hat, überhaupt nicht näher erläutert wird, erschließt sich mir nicht. Auch hier wurde aufmerksamkeitsheischend lediglich über deren sexuelle Perversionen referiert, vielleicht um die Geschichte irgendwie rund zu kriegen.

Zu den inhaltlichen Schwächen gesellen sich dann Sätze wie "Leicht gewölbt lagen die Wimpern wie vergoldet auf ihren Wangen ..." (TB Seite 235), über deren Machbarkeit man noch Seiten später kopfschüttelnd sinniert. Auch hat sich mir die Titelwahl bis dato nicht erschlossen.

Die Sprache variiert und bleibt sich stilistisch nicht treu. Ein paar Kapitel lang werden zeittypisch französische Worte eingebaut, dann werden einige altdeutsche Begriffe eingestreut, aber einen roten Faden kann man hier leider nicht erkennen.

All diese Mängel sind besonders ärgerlich, da die Geschichte an sich viel mehr hergegeben hätte, wäre sie nur besser ausgearbeitet worden. Hier ist immenses Potential nicht genutzt worden. Dass das möglich gewesen wäre, zeigt sich auf den letzten 200 Seiten, in denen die Personen Tiefe kriegen, die Geschichte plötzlich doch wieder Fahrt aufnimmt und an Intensität gewinnt. Geht doch, denkt man sich - warum nicht von Anfang an so? Schade, dass das Lektorat bei diesem Buch nicht häufiger Vetos eingelegt hat.

In einigen anderen Rezensionen klingt durchaus Kritik an, aber trotzdem werden ordentlich "Punkte" vergeben. Warum eigentlich? Ich bin nicht mehr willens, frühere Leistung zu honorieren und diese als mildernden Faktor in die Bewertung einfließen zu lassen. Andrea Schacht hatte sich mit Werken wie z. B. "Der Tag mit Tiger" und der "Beginen-Reihe" in mein Herz geschrieben. Und mit diesen Masse-statt-Klasse-Werken der letzten Jahre, wie auch "Die Ungehorsame" für mich eines ist, hat sie sich leider auch sukzessive wieder rausgeschrieben. Was niemand mehr bedauert als ich selbst.

Fazit: Wer das langatmige Intro, inhaltliche Schwächen und all die gerügten Dinge überlesen kann, der kriegt einen netten historischen Roman angeboten.
M-L. Bakhaus zu »Andrea Schacht: Die Ungehorsame«06.11.2010
Wieder ein lesenswertes Buch von Frau Schacht. Es ist wie immer spannend geschrieben und wie immer fühlt, leidet und freut man sich mit den Hauptpersonen. Frau Schacht denkt sich immer sehr starke Frauenpersönlichkeiten aus, die ihren Weg durchs Leben finden, sich von Schicksalschlägen nicht unterkriegen lassen und an deren Leben man gern teilnimmt.
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