Der zweite Reiter von Alex Beer

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2017unter dem Titel „Der zweite Reiter“,, 384 Seiten.ISBN nicht vorhanden.

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Kurzgefasst:

Wien, kurz nach dem Ende des Ersten Weltkriegs: Der Glanz der ehemaligen Weltmetropole ist Vergangenheit, die Stadt versinkt in Hunger und Elend. Polizeiagent August Emmerich, den ein Granatsplitter zum Invaliden gemacht hat, entdeckt die Leiche eines angeblichen Selbstmörders. Als erfahrener Ermittler traut er der Sache nicht über den Weg. Da er keine Beweise vorlegen kann und sein Vorgesetzter nicht an einen Mord glaubt, stellen er und sein junger Assistent selbst Nachforschungen an. Eine packende Jagd durch ein düsteres, von Nachkriegswehen geplagtes Wien beginnt, und bald schwebt Emmerich selbst in tödlicher Gefahr... 

Das meint Histo-Couch.de: „Mörderjagd in einer Zeit des Umbruchs“95Treffer

Rezension von Yvonne Schulze

Wien im Spätherbst 1919. Die Glanzzeit der Habsburger-Monarchie ist nach dem Ersten Weltkrieg einer düsteren Nachkriegsatmosphäre gewichen. Das österreichische Kaiserreich ist zerbrochen, der Vielvölkerstaat wurde in eigenständige Staaten aufgeteilt und nur ein Bruchteil des einstmals riesigen Reiches ist als Republik Österreich bestehen geblieben. Die Bevölkerung leidet bittere Not und es herrscht Wohnungsnot, Kriegsversehrte bevölkern die Straßen, der Schwarzhandel blüht und mit ihm die Wiener Unterwelt. Wer interessiert sich da schon für den vermeintlichen Selbstmord eines Kriegsheimkehrers? Nur Rayonsinspektor August Emmerich hat so seine Zweifel an der Selbstmordtheorie und möchte der Sache auf den Grund gehen. Gemeinsam mit seinem jungen Assistenten Ferdinand Winter beginnt er, Nachforschungen anzustellen und eckt damit nicht nur bei seinen Vorgesetzten an.

Der Geradlinige und der Sperrige

Emmerich und Winter sind ein Ermittlerduo, das unterschiedlicher nicht sein könnte. Der junge Winter, der aus der Wiener Oberschicht stammt, hat geschliffene Umgangsformen und ein gepflegtes Äußeres, ist immer korrekt und geradlinig. Er wirkt anfangs im rauen Wiener Polizeialltag ziemlich fehl am Platz. Emmerich ist das ganze Gegenteil seines Assistenten und folglich auch wenig begeistert, als ihm der Jungspund zur Seite gestellt wird. Emmerich ist in einem Waisenhaus aufgewachsen, in dem Lieblosigkeit und Härte an der Tagesordnung waren, eine Kindheit, die Spuren bei ihm hinterlassen hat. Dazu kommen seine Erlebnisse als Soldat im Ersten Weltkrieg, aus dem er mit einer Kriegsverletzung am Knie zurückgekehrt ist, die ihm schwer zu schaffen macht. Emmerich ist kein geradliniger Typ, er ist zynisch und abgebrüht, lügt ohne mit der Wimper zu zucken und geht bei seinen Ermittlungen gerne einmal Wege außerhalb der Legalität und schreckt auch vor Diebstahl nicht zurück.

Was ihn jedoch auszeichnet, ist sein ausgeprägter Gerechtigkeitssinn, der nicht immer mit den Gesetzen der jungen Republik Österreich konform geht. Sein Privatleben gerät aus den Fugen, er manövriert sich in so manche brenzlige Situation, bis er irgendwann selbst im Gefängnis sitzt. Kurzum, mit Emmerich hat die Autorin einen Charakter geschaffen, der sperrig ist, der zutiefst authentisch ist und der nicht unbedingt die Sympathien des Lesers sucht. Der geradlinige Winter ist der passende Gegenpart zum eigenwilligen Emmerich und auch wenn man sich das anfangs nicht so recht vorstellen kann, werden diese beiden Männer ein Team, das sich sehr gut ergänzt. Neben ihnen agieren die unterschiedlichsten Nebencharaktere, wie z. B. Winters snobistische Großmutter, die der wohlgeordneten Welt der K. u. K.-Zeit hinterhertrauert oder der Schwarzhändler und Unterweltboss Kolja, bei dem es sich um einen alten Bekannten Emmerichs aus Kindertagen handelt. 

Kurzweilig und spannend

Der Leser folgt Emmerich und Winter vom Polizeipräsidium ins Wiener Nachleben, in Obdachlosenheime und schäbige Kneipen, zu den Schwarzmarktbossen in die Wiener Unterwelt und dann wieder in die Paläste der Oberschicht. Es ist eine kriminalistische Reise kreuz und quer durch das Wien des Jahres 1919 mit all seinen Facetten und Schattenseiten, wobei manche Szenen direkt aus dem Filmklassiker Der dritte Mann stammen könnten. Und es ist eine spannende Reise, auf die sich der Leser begibt, wenn er sich an Emmerichs und Winters Fersen heftet. Da kommt so manche Überraschung um die Ecke, schlägt die Handlung eine unvorhergesehene Wendung ein. Das Motiv für die Mordserie bleibt lange Zeit im Dunkeln, die Zusammenhänge kristallisieren sich erst nach und nach heraus, die Autorin spielt mit dem Leser und lässt ihn gerne mal in eine Sackgasse laufen, bevor die Handlung in ein überraschendes Ende mündet. Der Spannungsbogen ist nicht zu hoch, bleibt dafür aber immer konstant. Dabei sind es nicht nur die Ermittlungen selbst, die für Spannung sorgen, sondern auch die ungewöhnlichen Wege, die Emmerich hierbei geht, die Gefahren, in die er sich dabei begibt und aus denen er sich eins ums andere Mal herausmanövrieren muss. Das alles hält die Handlung am Laufen, sodass keine Längen entstehen oder gar Langeweile aufkommt.   

Der zweite Reiter überzeugt mit einer ausgewogenen Balance aus historischem Roman und Kriminalgeschichte. Der historische Hintergrund ist hier nicht nur Staffage, sondern wichtiger Bestandteil einer durchdachten Handlung und sorgt nebenbei für die richtige Stimmung. Dieser Roman ist der Auftakt zu einer Serie, der völlig zu Recht mit dem Leo-Perutz-Preis 2017 ausgezeichnet wurde und der Lust auf weitere Abenteuer mit Emmerich und Winter macht.  

Ihre Meinung zu »Alex Beer: Der zweite Reiter«

Peter Hyra zu »Alex Beer: Der zweite Reiter«20.08.2017
Ich habe dieses Buch als Hörbuch, gelesen von Cornelius Obonya, gehört.
Es ist wieder eine der Geschichten, die einen Bezug zur Realität haben. Das gut beschriebene Wien kurz nach dem Ende des 1.Weltkrieges mit den Nöten und Hoffnungen der Leute dem Elend zu entkommen. Und ein Ermittler, der einfach ein Mensch und kein Wunderwuzzi ist. Was allerdings gerade historische Krimis von modernen unterscheidet.
walli007 zu »Alex Beer: Der zweite Reiter«02.07.2017
Kriegsziiterer

Obwohl der Krieg schon seit einem Jahr um hat das Zittern noch nicht aufgehört. Dietrich Jost ist nicht als Kriegsgeschädigter anerkannt und fristet sein Leben auf den Straßen Wiens. Im Jahr 1919 herrschen in der ganzen Stadt Armut und Hunger. Jost sieht jedoch einen Silberstreif am Horizont, er träumt von Brasilien. Von den Polizisten August Emmerich und Ferdinand Winter, die eigentlich einen Schmuggler verfolgen, wird Dietrich Jost im Stadtwald erschossen aufgefunden. Sein Traum wird sich nicht erfüllen. Auch der Polizist Emmerich hat einen Traum, er will zur Abteilung „Leib und Leben“. Und als nach Josts Tod dessen Bekannter Harald Zeiner tot aus der Donau gefischt wird, kann Emmerich nicht an einen Zufall glauben.

Polizeiagent August Emmerich versucht seine eigene Kriegsverletzung zu verstecken. Er befürchtet, in den Innendienst versetzt zu werden, wenn er auffliegt. Nicht einmal sein Assistent Wagner, den er für ein verweichlichtes und verwöhntes Jüngelchen hält, darf davon wissen. Obwohl Winter ihm treu zur Seite steht, kocht Emmerich zunächst sein eigenes Süppchen. Schnell merkt er allerdings, dass er sich doch gut auf Winter verlassen kann. Gemeinsam suchen die beiden nach einem Zusammenhang zwischen den Todesfällen. Trotzdem auch die Beamten von den Nachwirkungen des Krieges nicht verschont sind und sie Not und Elend erfahren haben und immer noch erfahren, sind sie bestrebt für Gerechtigkeit zu sorgen. Auch wenn sie es dabei mit dem Gesetz nicht so genau nehmen können.

In die schwere Zeit nach dem ersten Weltkrieg hineingeschrieben schafft die Autorin einen packenden Plot. An allen Ecken lauern Hunger, Krankheit und Tod. Die Menschen hausen in unsäglichen Wohnungen, die diesen Namen kaum verdienen. Eine Sicherheit, dass es für den nächsten Tag reichen wird, gibt es nur für Wenige. Auch die Staatsdiener bleiben nicht verschont. Vielleicht ein wenig besser gestellt, kann es auch für sie schnell vorbei sein mit ihrem bisschen Komfort. Doch gibt es auch Bars, Cafés und andere Vergnügungsstätten und der Schwarzhandel floriert. Man stellt sich diese Zeit häufig in schwarz-weiß vor, weil es kaum Farbbilder gibt. Doch gerade dieses schwarz-weiß mit seinen grauen Zwischentönen gibt die Stimmung gut wieder. In dieser Szenerie agieren Emmerich und Winter, die sich erst zusammenraufen müssen, mit Hartnäckigkeit und Scharfsinn. Durch ihren Wagemut bringen sie sich manchmal in Gefahr und kommen auf die Spur eines Verbrechen, dessen Geheimnis sich lange nicht erschließt.

August Emmerich, der ehemalige Waisenjunge, und Ferdinand Winter, der aus guten Elternhaus stammende, bilden ein gegensätzliches Ermittler-Duo, dessen Geschichte genug Ansätze bietet, um sicher und mit Interesse weiterverfolgt zu werden.
Mo zu »Alex Beer: Der zweite Reiter«02.06.2017
Die Handlung ist gut recherchiert und auch einigermaßen spannend. Was mir jedoch das Lesevergnügen verdorben hat ist die Sprache! Wiener sprechen nicht von Zaster, Polypen oder dass sie MAL RAUS wollen. Noch dazu Anfang des 20.en Jahrhunderts. Der Autor hätte dies sorgfältiger Korrekturlesen sollen.
Josef Brodträger zu »Alex Beer: Der zweite Reiter«10.04.2017
Es gibt gute Bücher und es gibt sehr gute, hier aber handelt es sich um ein Meisterwerk!
Die Autorin dieses Krimis heißt mit richtigen Namen Daniela Larcher und legt unter dem Pseudonym Alex Beer einen wunderbaren historischen Kriminalroman vor: August Emmerich, seines Zeichens Rayonsinspektor hat den Ersten Weltkrieg als Soldat überlebt aber hat er ihn auch überwunden?
Mit Heroin, welches zu dieser Zeit als Husten -und Schmerzmittel bekannt war, versucht er den Schmerzen seiner Kriegsverletzung im Knie Herr zu werden. Was als Observierung von Schwarzhändlern beginnt führt den zielstrebigen Rayonsinspektor in eine Geschichte von Morden und Kriegsverbrechen.
Der zweite Reiter ist Emmerichs erster Fall und der fünfte Krimi der Auorin. Ihre gekonnte Erzählkunst entführt den Leser in das Wien der Zwischenkriegszeit und läßt ihn bis zum Ende nicht mehr los!
mabuerele zu »Alex Beer: Der zweite Reiter«09.04.2017
„...Wenn jeder in der Stadt, der gerade was Illegales tut, sich aus Angst in die Donau stürzen würde, dann würden darinnen mehr Leichen als Fische schwimmen..."

Wir befinden uns in Wien des Jahres 1919. Der erste Weltkrieg hat seine Spuren hinterlassen. Es fehlt am Lebensnotwendigen, sei es Feuerholz oder Nahrung. Es ist die Stunde der Schleichhändler. Wir würden Schmuggler oder Schwarzhändler sagen. Rayonsinspektor August Emmerich soll ihre Schlupfwinkel finden und die Männer verhaften. Ihm zur Seite wird der Neuling Ferdinand Winter gestellt. Emmerich ist alles andere als begeistert. Bei ihren Ermittlungen finden sie einen Toten.
Emmerichs Vorgesetzter legt den Tod des Dietrich Jost als Selbstmord zur Seite, doch Emmerich vermutet Mord. Dafür gibt es wichtige Indizien.
Die Autorin hat einen fesselnden historischen Krimi geschrieben. Die Geschichte hat mich schnell in ihren Bann gezogen. Es fiel schwer, das Buch aus der Hand zu legen.
Die Protagonisten werden gut charakterisiert. Das trifft selbst auf die Nebenrollen zu. Ich möchte mich aber auf die beiden Polizisten beschränken. Emmerich leidet als Folge einer Kriegsverletzung an Athrofibrose. Er hat einen Granatsplitter im Bein. Er versucht alles, um seine Schmerzen zu verbergen, denn er möchte nicht an den Schreibtisch verbannt werden. Er kann sehr stur sein, hat aber seine Vergangenheit im Waisenhaus nicht vergessen. Dadurch fällt er manchmal unkonventionelle Entscheidungen. Sein Wunsch ist es, zur Kriminalpolizei zu wechseln.
Ferdinand Winter stammt aus begüterten Haus. Er war nicht im Krieg und sieht deshalb vieles anders als Emmerich. Während Emmerich kein Problem hat, wenn es bei den Ermittlungen dreckig zugeht, versucht Winter alles, das zu vermeiden. Der Anblick von Toten ist ihm ebenfalls neu. Trotzdem kann man nicht sagen, dass Emmerich durch den Krieg abgestumpft wurde, denn es gibt Situationen, in denen seine Menschlichkeit und Gerechtigkeit überwiegt.
Die Ermittlungen gestalten sich nicht einfach. Das liegt nicht nur daran, dass Emmerich die auf eigene Faust betreibt. Irgendjemand scheint ihm immer einen Schritt voraus zu sein und ihn zu blockieren.
Der Schriftstil des Buches lässt sich angenehm lesen. Mit dem Wiener Dialekt habe ich keine Probleme. Die Autorin führt einerseits quer durch Wien, andererseits auch in den Wiener Untergrund. Die Handlungsorte werden sehr genau beschrieben. Gleichzeitig wird gut herausgearbeitet, dass Wien zweigeteilt ist. Während ein Teil der Bevölkerung hungert, gibt es in exklusiven Lokalen alles, was das Herz begehrt. Informativ gestaltete Dialoge bringen die Handlung vorwärts und geben einen Einblick in die Zeitverhältnisse. Einer der in meinen Augen sprachlichen Höhepunkte ist das Gespräch zwischen August Emmerich und Schleichhändler Veit Kolja. Eine besondere Facette bekommt die Handlung durch Emmerichs trockenen Humor und seinen Sarkasmus. Obiges Zitat ist ein Beispiel dafür. Während des Geschehens lernt Emmerich die Stärken Winters schätzen. Nach und nach wandelt sich ihr Verhältnis. Sie werden zu Partnern. Die Autorin spricht vielfältige Probleme der damaligen Zeit an. So kann es ein Leben völlig über den Haufen werfen, wenn der totgeglaubte Ehemann plötzlich wieder vor der Tür steht. Auch Ausreisevereine versuchten, Profit aus der Not der Wiener zu schlagen. Ich könnte hier noch viele Themen aufzählen, die die Handlung bereichern, möchte es aber bei den beiden belassen.
Im Nachwort wird Realität und Fiktion getrennt und darauf hingewiesen, was aus manchen Wiener Gebäuden im Laufe der Zeit geworden ist.
Das Cover mit den Bild vom historischen Wien passt perfekt zum Inhalt des Buches.
Der Roman hat mir ausgezeichnet gefallen. Das liegt am Ermittler mit seine Ecken und Kanten, den vielfältigen gut recherchierten historischen Fakten und dem hohen Spannungsbogen der Geschichte.
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