Die Göring-Verschwörung von

Buchvorstellung und Rezension

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Originalausgabe erschienen 2010 unter dem Titel „Die Göring-Verschwörung“, , 288 Seiten. ISBN 3866806787.

Kurzgefasst:

Frühjahr 1939, die Welt hält den Atem an: Greift Hitler nach der Tschechoslowakei? Halten Briten und Franzosen ihn diesmal auf? Kommt jetzt der Krieg? Auf Bitten von Winston Churchill, dem Ex-Minister und umtriebigen Hinterbänkler der Regierungspartei, begibt sich der ehemalige Kampfflieger Henry Clarson zusammen mit seiner Frau nach Berlin. Er soll ganz inoffiziell herausfinden, was im Deutschen Reich vor sich geht und was an den Gerüchten über Konflikte zwischen Hitler und der Wehrmachtführung dran ist. Clarson hat keine Geheimdienstausbildung, keine politischen Kontakte, keine Rückendeckung – aber er ist der Schwager von Magda Goebbels. Rasch dringt er bis in den innersten Kreis des Regimes vor. Doch als Hermann Göring ihn in seine Pläne einweiht, wächst die Gefahr, zwischen den rivalisierenden Fraktionen von Wehrmacht und Naziregime zerrieben zu werden, mit jedem Schritt.

Das meint Histo-Couch.de: „Eine gigantische Verschwörung bahnt sich an.“

von Jörg Kijanski

Frühjahr 1939: Die bevorstehende Entscheidung in dem Konflikt des Dritten Reiches mit der Tschechoslowakei beschäftigt die Diplomaten und Regierungen vor allem in Europa. Sollte Hitler nach der Remilitarisierung des Rheinlandes sowie dem Anschluss Österreichs mit einem gewaltsamen Einmarsch in die Tschechoslowakei einen Krieg mit den westlichen Nachbarländern, allen voran Frankreich und England, in Kauf nehmen, ja ihn geradezu provozieren? Der englische Premierminister Neville Chamberlain hält starr an seiner Politik des Appeasements fest: Frieden um jeden Preis. Allein der umtriebige Ex-Minister und jetzige Hinterbänkler der Regierungspartei Winston Churchill ist sich der drohenden Gefahr bewusst und hält eine friedliche Lösung mit Hitler-Deutschland längst für ausgeschlossen. Auf seine Bitte reist der ehemalige Kampfflieger Henry Clarson in Begleitung seiner Frau Ariane nach Berlin, um dort herauszufinden, was an den Gerüchten um einen Konflikt zwischen Hitler und der Wehrmacht dran ist. Clarson hat keinerlei Geheimdiensterfahrung, dafür allerdings mit Ariane einen dicken Trumpf in der Hand, denn diese ist die Schwester von Magda Göbbels, der ersten Frau im Dritten Reich.

Kurze Zeit nach seiner Ankunft in Berlin lernt Clarson bei einem Empfang der britischen Botschaft den Handelsattaché Adrian Wardley kennen, der sich als sein Kontaktmann zu erkennen gibt. Man verabredet sich zu einem weiteren Treffen in einer viel besuchten Bar, wo es allerdings nach dem plötzlichen Auftauchen einiger SA-Männer zu einem panikartigen Aufbruch der Besucher kommt. In dessen Verlauf wird Wardley erstochen und findet sich in Clarsons Armen wieder, der daraufhin als vermeintlicher Mörder festgenommen wird. Noch in der gleichen Nacht kommt Clarson frei, da man sich an höherer Stelle für ihn verwendet hat. Doch nicht – wie erwartet – Göbbels ist ihm zu Hilfe gekommen, sondern der zweite Mann des Reiches, Generalfeldmarschall Göring. Dieser steht mit einigen hochrangigen Offizieren der Wehrmacht in Kontakt, um bei einem Einmarsch in der Tschechoslowakei und einem daraus resultierenden Krieg mit England und Frankreich, das Regime zu stürzen und sich selber an die Spitze des Reiches zu stellen. Vorausgesetzt England würde die neue Staatsspitze anerkennen und den begonnenen Krieg sofort wieder beenden. Um die Unterstützung des Empire sicher zu stellen, soll Clarson nach England fliegen und mit Churchill verhandeln. Doch der früher als geplant stattfindende Einmarsch deutscher Truppen in die Tschechoslowakei kippt alle Pläne. Ein Notfallplan soll greifen, wobei auch hier die Zeit drängt, denn der von Himmler und Heydrich geführte Sicherheitsdienst hat bereits gemerkt, dass offenbar seltsame Dinge in der Umgebung Görings vonstatten gehen …

Dem promovierten Historiker Achim Müller Hale gelingt ein eindrucksvoller Mix aus Fiktion und realem Hintergrund, der die damaligen Ereignisse sehr plastisch wiedergibt. In einer Nachbemerkung wird aufgeklärt, welche Figuren fiktiv (z.B. Henry Clarson) und welche real (z. B. Ariane) waren. Gleiches gilt für die eigentliche Romanhandlung, denn den zugrunde liegenden Putschgedanken der Wehrmacht gab es in Wirklichkeit bereits 1938, wobei man ziemlich sicher ausschließen darf, dass sich die beteiligten Generäle ausgerechnet Hermann Göring als „Partner“ ausgesucht hätten. Dieser lehnte Ende der 30er Jahre Hitlers Kriegspläne zunächst ab, wollte stattdessen sein Leben im bestehenden Luxus einfach nur weiter genießen und war so tatsächlich vorübergehend bei Hitler abgemeldet. Sehr zur Freude seines Intimfeindes Heinrich Himmler. Dass Göring jedoch jemals ernsthaft gegen Hitler opponiert hätte, ist nicht bekannt. Im Gegenteil. Warum sollte er auch, war er ja als „zweiter Mann“ des Reiches ohnehin von Hitler selbst zum potentiellen Nachfolger auserkoren worden, wie ein Geheimprotokoll von 1934 belegt.

Zunächst überzeugt der Roman von der drückenden Atmosphäre, die über Hitler-Deutschland liegt, welche der Leser geradezu körperlich spüren kann. Da der vermeintliche Putsch aufgrund der historischen Faktenlage natürlich nicht gelingen kann, geht es im späteren Verlauf des Plots unter anderem darum, wie sich vor allem Göring aus der Affäre zieht, wobei er (als kleine Überraschung für die Leser) einen weiteren hochrangigen „Partner“ präsentiert. Wie sich am Ende das gesamte Intrigengeflecht in seinen verästelten Einzelheiten darstellt und gleich darauf in sich zusammen fällt, ist ein großer Lesegenuss (Genuss in Anführungszeichen). Dabei wird zudem schonungslos offen gelegt, aus welch banalen Beweggründen heraus die handelnden Personen agieren.

Auch das ständige Lavieren des britischen Vizebotschafters ist ein herrlicher, wenngleich ebenso betrüblicher Lesespaß, denn dessen Herumgeeiere zwischen der offiziellen Appeasement-Politik (frei nach dem Motto, es wird schon gut gehen) und dem beharrlichen Ignorieren der Fakten lässt die Frage im Raum stehen, ob es möglich gewesen wäre? Wäre es wirklich möglich gewesen, durch ein entschlossenes Handeln den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges zu verhindern und Hitler frühzeitig zu schlagen? Musste man – nach den Erfahrungen aus dem Rheinland und Österreich – die Tschechoslowakei entgegen dem Münchner Abkommen wirklich so leichtfertig aufgeben, in der winzigen Hoffnung Hitler so stoppen zu können?

Für alle Leser/innen, die sich für die Geschichte des Dritten Reiches interessieren, ist Die Göring-Verschwörung eine interessante und gleichzeitig nachdenklich stimmende Lektüre, von einem jungen Autor, der hoffentlich noch weitere Romane alsbald folgen lassen wird.

 

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